Steyr: Lebenslang für gekränkten Ehemann wegen Eifersuchtmordes

1. Februar 2017, 17:06
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Trotz Geständnisses echte Reue vermisst – Frühpensionist wollte sehen, "wie sie leidet" – Urteil nicht rechtskräftig

Steyr – Ein Frühpensionist ist am Mittwoch im Landesgericht Steyr wegen Mordes an seiner Noch-Gattin zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Er war angeklagt, im Juli 2016 aus Eifersucht seine getrennt lebende Frau in deren Wohnung in Ried im Traunkreis mit Messerstichen und Axthieben getötet zu haben. Trotz eines Geständnisses ließ der 57-Jährige echte Reue vermissen. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Einstimmig sprachen die Geschworenen den Angeklagten des Mordes schuldig. Richter Wolf-Dieter Graf begründete die Höchststrafe damit, dass der Angeklagte "heimtückisch, grausam und perfide" gehandelt habe. Auch das Geständnis sei nur begrenzt ein Milderungsgrund gewesen, da nur wenig Reumütigkeit zu spüren gewesen sei. Verteidiger Thomas Loos meldete umgehend Nichtigkeitsbeschwerde und Strafberufung an, Staatsanwalt Wilfried Kondert verzichtete auf Rechtsmittel.

Im Stiegenhaus gestorben

Die seit Jahren zerrüttete Ehe endete Ende Juli des Vorjahres mit der tödlichen Bluttat. Der Frühpensionist lauerte seiner Noch-Gattin in deren Wohnung auf, um "sie umzubringen", wie er auch unumwunden zugab. Er attackierte die 53-Jährige mit den in einem Rucksack mitgebrachten Tatwaffen im Bereich des Kopfes, des Oberkörpers und des Bauches. Das Opfer schleppte sich noch schwer verletzt ins Stiegenhaus und starb dort. Der Angreifer schnitt sich mit dem Messer mehrmals in den Hals, überlebte jedoch.

Der Staatsanwalt stellte den Angeklagten als einen "berechnenden, manipulativen" und auch gewalttätigen Mann dar, der es nicht ertragen konnte, dass seine Frau ein Leben ohne ihn plante: "Er hat seinen Willen durchsetzen wollen, koste es, was es wolle." Dieser Eindruck wurde noch durch den Abschiedsbrief verstärkt, den der Richter vorlas. So habe sie "die Rechnung ohne mich gemacht", daher wolle er sehen "wie sie leidet", schrieb der Mann.

"Erweiterter Mord"

Gerichtspsychiaterin Adelheid Kastner, die ihn für zurechnungsfähig und nicht hochgradig geistig abnorm hielt, sprach von einem "erweiterten Mord", den ein "sich zutiefst gekränkt Gefühlter" begangen habe. Nach der Tat sei er mit sich im Reinen gewesen.

Im Jahr 2009 war es zum Bruch im Leben des Ehemanns und Vaters von vier Kindern gekommen. Er erfuhr von schweren Krebserkrankungen. Damit wuchs seine Angst, als Pflegefall allein zu sein. Als seine Frau ihn dann tatsächlich verließ, "hatte auch sie ihr Recht auf Leben verwirkt", begründete Kastner den "erweiterten Mord".

Erstmals lauerte er ihr am 11. Juli im Stiegenhaus auf. "Sie hat mir aber leidgetan", erklärte der Angeklagte, warum er damals wieder Abstand von seiner Tötungsabsicht nahm. Am 30. Juli setzte er seinen Plan um. Dazu stahl er der Tochter den Schlüssel für die Wohnung der Mutter, versteckte sich dort und wartete, bis die Frau von der Nachtschicht heim kam. Als sie ihren Mann entdeckte, schrie sie offenbar laut. "Dann hab ich zugestochen, ich wollte nur, dass sie still ist," berichtete er den Geschworenen. Anschließend versuchte er, sich selber das Leben zu nehmen.

"Sie hat mich immer wieder provoziert"

Das von der Anklagebehörde Präsentierte sei nur "die halbe Wahrheit", meinte der Verteidiger. Auch wenn bei seinem Mandanten daheim ein "rauer Umgangston" geherrscht habe, sei er "loyal zu seiner Familie" gestanden. Die Töchter hätten den Vater aber als "Bankomaten" ausgenutzt und die Eltern gegeneinander ausgespielt, versuchte Loos den Geschworenen die Tat nachvollziehbar zu machen. "Sie hat mich immer wieder provoziert", meinte auch der Angeklagte. Aber "ich bereue alles, ich habe meine Frau immer geliebt".

Die erwachsenen Kinder hingegen beschrieben die Ehe der Eltern eher als ein Martyrium für die Mutter, wollen nichts von einem liebenden Gatten bemerkt haben. Gewaltsame Übergriffen wie Schläge und Fußtritte hätte es immer wieder gegeben. Das von Anwalt Andreas Mauhart, der die drei Töchter und den Sohn als Privatbeteiligte in dem Prozess vertrat, verlangte Trauer-Schmerzensgeld von 10.000 Euro je Kind wurde zuerkannt. (APA, 3.2.2017)

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