Serbien kündigt Lösung für Nachrichtenagentur Tanjug an

    1. Februar 2017, 11:34
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    Kulturminister schließt Verstaatlichung nicht aus

    Belgrad – Gut ein Jahr nach deren offiziellen Aus arbeitet die serbische Regierung an einem Neustart für die staatliche Presseagentur Tanjug. Innerhalb eines Monats werde es einen Vorschlag geben, sagte Kulturminister Vladan Vukosavljevic am Mittwoch dem Fernsehsender TV N1. Er ließ durchblicken, dass die Agentur nach gescheiterten Privatisierungsversuchen wieder staatlich betrieben wird.

    Vukosavljevic sagte, dass der Rückzug des Staates aus den Medien nicht hundertprozentig sein müsse. Er verwies diesbezüglich auf Medien wie die BBC, die französische Nachrichtenagentur AFP sowie Presseagenturen in Kroatien, Slowenien, Bulgarien, der Slowakei und anderswo. Derzeit arbeite Tanjug nach "Marktprinzipien".

    Privatisierungsversuche gescheitert

    Im November 2015 hatte die serbische Regierung beschlossen, die Finanzierung für die traditionsreiche Agentur einzustellen. Zuvor waren zwei Privatisierungsversuche für die inmitten des Zweiten Weltkriegs gegründete Agentur gescheitert. Der Personalstand des Unternehmens wurde auf etwa 90 Mitarbeiter halbiert, die Agentur setzte ihre Arbeit fort. Unklar ist, wie sich Tanjug derzeit finanziert. Früheren Medienberichten zufolge speist sich das Agenturbudget über projektgebundene Gelder seitens einzelner Ministerien.

    Ihre Blütezeit hatte Tanjug in den siebziger Jahren erlebt, als sie die weltpolitischen Ambitionen des damaligen jugoslawischen Staatspräsidenten Josip Broz Tito flankierte und Korrespondentenbüros rund um den Erdball betrieb. Nach dem Zerfall Jugoslawiens in den 1990er Jahren kam sie unter die Kontrolle des Regimes von Slobodan Milosevic. (APA, 1.2.2017)

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