Rote Zahlen 2016: ORF-Direktor will automatische Gebührenerhöhung

1. Februar 2017, 10:15
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Verzögerter Funkhaus-Verkauf belastet ORF-Bilanz 2016

Wien – Die Verzögerungen beim Funkhaus-Verkauf bescheren der ORF-Bilanz für 2016 ein Minus. Das bestätigt der neue kaufmännische Direktor Andreas Nadler im APA-Interview. Von der Politik wünscht er sich, die Gebührenfinanzierung des ORF automatisch an die Inflation anzugleichen. Im Sparen habe der ORF Übung: "Seit ich im Haus bin, gibt's quasi jedes Jahr ein Sparprogramm."

30 Millionen fehlen

Der Verkauf des Funkhauses wurde 2016 nicht abgeschlossen, wie etwa der "Kurier" am Wochenende berichtete. Nadler: "Das heißt, die Erträge daraus fehlen uns natürlich im Ergebnis 2016. Allerdings verhandeln wir weiter und gehen davon aus, dass wir es dieses Jahr zu einem Abschluss bringen. Die Erträge kommen also einfach zeitverzögert – in Summe ändert sich für das Unternehmen nichts."

Wie groß die rote Zahl ausfallen wird, "wird nicht veröffentlicht, bevor ich den Stiftungsrat darüber informiert habe". Das wird am 2. März bei der nächsten Sitzung des obersten Aufsichtsgremiums der Fall sein. Als Verkaufspreis kolportiert wurden 30 Millionen Euro. Abschlussreif wurde der Vertrag noch nicht, "weil diverse Punkte in den Verhandlungen noch offen waren".

"Überlegen, wie lange wir Funkhaus nutzen"

Spekulationen, wonach sich der ORF länger als ursprünglich geplant in der Argentinierstraße einmieten könnte oder sogar Teile von Ö1 dort belassen möchte, will Nadler nicht kommentieren. "Aber natürlich müssen wir uns auch überlegen, wie lange wir das Funkhaus vertraglich nutzen wollen." Was die Kosten für das zentrale Standortprojekt betrifft, bleibe es jedenfalls bei der Stiftungsratsvorgabe von 300 Millionen Euro.

Gebührenerhöhung automatisch

Für den Frühling hat die Bundesregierung eine ORF-Enquete angekündigt, wo auch dessen Finanzierung aufs Tapet kommen soll. Den Willen, den Gebührenmechanismus zu ändern, haben die Entscheidungsträger bereits signalisiert. "Ich glaube auch, dass eine andere Logik vernünftiger wäre", sagt dazu der kaufmännische Direktor. Eine "laufende Inflationsanpassung wäre auch für die ORF-Teilnehmer leichter verkraftbar". Und für den ORF "würde zumindest das Sinken der Finanzierungsbasis eingebremst werden".

Denn der Öffentlich-Rechtliche "fährt seit Jahrzehnten Sparprogramme. Seit ich im Haus bin, gibt's quasi jedes Jahr ein Sparprogramm", konstatiert der studierte Jurist, der seinerseits seit 20 Jahren im ORF arbeitet, zuletzt sieben Jahre als stellvertretender Finanzdirektor. Deshalb ist er aber auch zuversichtlich, das derzeitige Strukturprogramm erfolgreich durchziehen zu können.

Sparen am Morgen und am Sport

Gespart wird dabei überall: "So lange die Erlöse des ORF real sinken, so lange werden wir in allen Bereichen sparen müssen. Auch im Programm", denn immerhin gingen 90 Prozent der Mittel dorthin, rechnet Nadler vor. Die Überlegungen zur "Redimensionierung" der Morgenschiene ("Guten Morgen Österreich") freuen zwar Länder und Gemeinden nicht, sind aber in vollem Gang. "Im ersten Quartal" sollen Ergebnisse vorliegen.

Auch bei den Sportrechten wird der Sparstift angesetzt, doch a priori ausschließen will der Direktor keine Sportart. "Wir füllen ja mit Sport sehr viel Sendefläche. Wenn man es darauf umlegt, dann ist der Sport nicht so teuer wie kolportiert." Wie schon zuvor Fernsehdirektorin Kathrin Zechner und Sportchef Hans Peter Trost warnt Nadler davor, dass Sportarten aus dem Free-TV verschwinden könnten. Man werde sich "alles anschauen müssen und jede Entscheidung für den Erwerb von Rechten genau abwägen müssen".

Noch abgewogen wird auch die neue Channel-Konstruktion, die zuletzt bei der Klausur der ORF-Führung für heftige Diskussionen gesorgt haben soll. "Das kann ich so nicht bestätigen. Wir diskutieren gerade intern die Positionen. Wenn sich zum Beispiel die Budgetverantwortung ändert, hat das natürlich Auswirkungen im Controlling-Bereich", ist sein fachlicher Standpunkt.

Die Darstellung, dass die Bestellung des unbestrittenen Finanzfachmanns Nadler bei der Direktoriumswahl im September eine Überraschung für alle Beteiligten war, weil sich SPÖ und ÖVP nicht auf einen politischen Deal einigen konnten, entlockt ihm ein Schmunzeln. "Ich habe nicht sehr lange vorher damit gerechnet, dass es so kommen wird. Aber ich habe auch von sehr vielen Stiftungsräten das Feedback bekommen, dass sie sich darüber freuen. Im Unternehmen ist das auch extrem gut aufgenommen worden, soweit mir bekannt – weil es einfach ein sehr positives Signal für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter war, dass auch jemand aus der Linie hier die Chance bekommt." (APA, 1.2.2017)

  • Andreas Nadler, kaufmännische Direktor des ORF.
    foto: apa/helmut fohringer

    Andreas Nadler, kaufmännische Direktor des ORF.

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