Neuschnee und Glatteis machen die Straßen unsicher

1. Februar 2017, 09:49
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Hunderte Räumfahrzeuge im Einsatz – Gebietsweise Lawinengefahrstufe 3 in Tirol

Wien – In weiten Teilen Österreichs blieben am Mittwochvormittag die Gefahrenmeldungen wegen Rutschgefahr auf den Straßen aufrecht. Vom Tiroler Unterland über Oberösterreich und die Obersteiermark bis ins Mostviertel warnt die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) vor erhöhter Glatteisgefahr. Sie soll im Tagesverlauf abnehmen, nur im Donauraum ist laut Ubimet-Unwetterzentrale bis Donnerstagfrüh mit Glatteisregen zu rechnen.

Schneefälle haben in der Nacht vor allem im Osten für eine wachsende Schneedecke gesorgt. In Wien wurden zwölf Zentimeter Neuschnee gemessen, im langjährigen Vergleich kommt eine solche Schneemenge laut ZAMG innerhalb einer 24-Stunden-Periode durchschnittlich nur ein Mal pro Winter vor. Der Großteil des Neuschnees fiel aber in der vergangenen Nacht innerhalb von nur zwei Stunden – das gebe es nur alle paar Jahre.

20 Zentimeter Neuschnee im Weinviertel

Wegen des langsamer fließenden Verkehrs und Unfällen mussten die Passagiere einiger Straßenbahn- und Buslinien längere Intervalle in Kauf nehmen. Hunderte Menschen und über 80 Schneefahrzeuge waren seit Dienstagabend zur Räumung im Einsatz, berichteten die die Wiener Linien in einer Aussendung. Für die kommunale Straßenreinigung in der Bundeshauptstadt (MA 48) waren seit 3 Uhr früh sogar 1.650 Personen und 350 Räumfahrzeugen auf den Straßen.

In Niederösterreich fiel der Niederschlag am intensivsten im Weinviertel aus, wo am Morgen bis zu 20 Zentimeter Neuschnee gemessen wurden. Erforderliche Räum- und Streueinsätze sind laut dem Amt der Landesregierung "überall im Gange". Laut dem Leiter der Asfinag-Ostregion, Georg Steyrer, hatte der Autobahnbetreiber in der Nacht auf Mittwoch alle Räumfahrzeuge im Einsatz. "Die Schneefälle, die wir letzte Nacht erlebt haben, haben wir schon lange nicht mehr so erlebt", sagte Steyrer zu "orf.at".

Spiegelglatte Fahrbahnen

Die eisglatten Fahrbahnen in der Süd- und Südoststeiermark haben Mittwochfrüh zu Verkehrsunfällen geführt: Auf der Pyhrnautobahn (A9) bei Wagna (Bezirk Leibnitz) ist ein Sattelkraftfahrzeug von der Fahrbahn abgekommen und umgestürzt. Der Lenker wurde laut Polizei im LKH Wagna stationär aufgenommen. Drei Verletzte forderte ein Fahrzeugüberschlag in Fladnitz im Raabtal (Bezirk Südoststeiermark). In Oberösterreich ist ein 32-Jähriger in der Früh in Ansfelden (Bezirk Linz-Land) mit dem Auto ins Rutschen gekommen und auf den zugefrorenen Kremsfluss geschlittert. Der Mann konnte sich unverletzt ans Ufer retten. Kurz darauf brach jedoch das Eis und der Wagen versank im Wasser, berichtete die oberösterreichische Polizei.

Der starke Eisregen hat in Oberösterreich auch zu einem Rekordverbrauch von Streusalz geführt: 4.100 Tonnen wurden am Dienstag ausgebracht. Der langjährige Höchststand aus der Saison 2009/10 lag mit 2.700 Tonnen deutlich niedriger, informierte Infrastrukturlandesrat Günther Steinkellner (FPÖ) am Mittwoch. Ein Engpass sei nicht zu befürchten, die Vorratssilos können binnen 72 Stunden nachgefüllt werden.

Grund für den außergewöhnlich hohen Salzverbrauch war die lange Dauer des Eisregens, der 24 Stunden anhielt. 550 Winterdienst-Mitarbeiter waren im gesamten Bundesland im Einsatz.

Lawinengefahr in Tirol erheblich

In Tirol haben Neuschnee, Regen und Wind indes die Lawinengefahr am Mittwoch ansteigen lassen. Am ungünstigsten waren die Verhältnisse in der Silvretta, wo es bis zu 50 Zentimeter geschneit hatte, erklärten die Experten des Landes. Dort herrschte eine "kritische" Stufe 3 der fünfteiligen Gefahrenskala.

Mit der Tageserwärmung seien dort vereinzelt noch spontane Schneebrettlawinen mittlerer Größe aus sehr steilen Schattenhängen oberhalb der Waldgrenze möglich, hieß es. Ansonsten ist die Gefahr laut dem Lawinenwarndienst ganz im Westen und Osten allgemein erheblich.

Berichte über abgegangene Lawinen gab es am Mittwochnachmittag aus der Steiermark: Teile der Glattjoch Straße (B75) in der Obersteiermark wurden verschüttet, Fahrzeuge oder Passanten wurden nicht von den Schneemassen erfasst, doch der Verkehr war beeinträchtigt. Ein Fahrstreifen konnte von der Straßenmeisterei freigeräumt werden, teilte die Polizei mit. (APA, red, 1.2.2017)

  • In Wien kommen manche Straßenbahnen nur schwer voran.
    foto: apa/helmut fohringer

    In Wien kommen manche Straßenbahnen nur schwer voran.

  • Während sich auf der Donau in Wien Eisläufer vergnügen ...
    foto: sarah brugner

    Während sich auf der Donau in Wien Eisläufer vergnügen ...

  • ... ist das Terrain in verbautem Gebiet herausfordernder.

    ... ist das Terrain in verbautem Gebiet herausfordernder.

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