Abgasskandal: VW akzeptiert weitere Milliardenzahlung

1. Februar 2017, 08:57
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Auch Zulieferer Bosch stimmt Zahlung von 327,5 Millionen Dollar zu

Washington – Zur Beilegung des Dieselskandals hat Volkswagen in den USA eine weiteren Milliardenzahlung zur Entschädigung betroffener Kunden akzeptiert. Der Autobauer stimmte der Zahlung von mindestens 1,26 Milliarden US-Dollar zu, um Klagen von 80.000 Besitzern von großen Dieselfahrzeugen mit umweltbelastenden Drei-Liter-Motoren beizulegen, wie aus am Mittwoch veröffentlichten Gerichtsunterlagen hervorgeht.

Die Niedersachsen könnten bis zu vier Milliarden Dollar aufwenden, um die 80.000 Fahrzeuge – etwa Geländewagen von Audi, VW und Porsche – zurückzukaufen, sollten die US-Regulierer die Reparaturen nicht abnehmen.

Audi prüft höhere Rückstellungen

Die VW-Tochter Audi prüft nun bereits weitere Rückstellungen. "Wir bewerten anhand der Gerichtsunterlagen, was wir mit dem Jahresabschluss noch zurückstellen müssen", sagte ein Sprecher des Ingolstädter Autobauers. Bislang hat Audi für die Beilegung der Abgasaffäre insgesamt 980 Millionen Euro zur Seite gelegt. Insidern zufolge könnten sich die Kosten rund um die 83.000 Fahrzeuge mit von Audi entwickelten, umweltbelastenden großen Drei-Liter-Motoren auf rund zwei Milliarden Euro belaufen.

Monatelanges Ringen

VW hatte sich nach monatelangem zähem Ringen im Dezember mit den Behörden in den USA und anschließend mit den Privatklägern grundsätzlich auf einen Kompromiss für die von der Konzerntochter Audi entwickelten Drei-Liter-Dieselmotoren verständigt. Das Bezirksgericht in San Francisco hatte VW und den Sammelklägern bis 31. Jänner eine Frist zur Einigung gesetzt. Bei einer weiteren Anhörung am 14. Februar soll dies vom Richter genehmigt werden.

Auch der Autozulieferer Bosch hat als Teil des zivilrechtlichen Vergleichs wegen der Abgasmanipulation bei Volkswagen in den USA der Zahlung eines dreistelligen Millionenbetrags zugestimmt. Laut Gerichtsdokumenten zahlt das Unternehmen 327,5 Millionen Dollar an 554.000 betroffene Besitzer von Dieselautos.

Bosch hatte bereits im Dezember mitgeteilt, man habe zur Beilegung von Forderungen gegen das Unternehmen einen Kompromiss gefunden. Die Nachrichtenagentur Reuters hatte damals berichtet, die Stuttgarter seien zur Zahlung von mehr als 300 Millionen Dollar an Kläger bereit, die dem Zulieferer aktive Mithilfe bei der Manipulation vorwerfen. Bosch hatte jegliche Verantwortung für den Einsatz der Software von sich gewiesen. Diese sorgt bei Dieselautos von Volkswagen dafür, dass die Motoren Abgasgrenzwerte nur auf dem Prüfstand einhalten.

EU plant schärfere Grenzwerte

Die EU-Kommission will indes mit schärferen Grenzwerten den Ausstoß von Kohlendioxid bei Autos und Lastwagen weiter drücken. Vizekommissar Maros Sefcovic kündigte für den Herbst neue Vorschläge an. Er begründete dies mit den EU-Zusagen im Weltklimapakt von Paris, die Treibhausgase bis 2030 um 30 Prozent zu senken.

"Bis Ende des Jahres wollen wir soweit sein, neue Vorschläge für CO2-Emissionsstandards für Autos zu machen", sagte Sefcovic vor der Vorstellung seines Berichts zur Europäischen Energieunion am Mittwoch. Das ganze Jahr über würden auch Daten für Lastwagen zusammengetragen. "Wir würden gerne 2018 Emissionsstandards für Lkw setzen", fügte er hinzu.

Auf Autos und Lastwagen entfallen nach seinen Worten insgesamt rund 20 Prozent der Treibhausgasemissionen in der Europäischen Union. Der Anteil von Lkw steige. Hier wolle man von den Standards in den USA und China lernen, sagte Sefcovic. (Reuters, APA, dpa, red, 1.2.2017)

  • Der Abgasskandal in den USA hat für VW ein teures Nachspiel.
    foto: reuters

    Der Abgasskandal in den USA hat für VW ein teures Nachspiel.

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