Terrorverdacht: 17-Jähriger von muslimischem Bekannten angezeigt

    31. Jänner 2017, 18:16
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    "Falter" zitiert aus Einvernahmeprotokollen – Mit Al Nusra ins Paradies – IS-Kämpfer als Helden

    Wien – Der am 20. Jänner in Wien verhaftete 17 Jahre alte Terrorverdächtige ist durch eine Anzeige aus seinem erweiterten Bekanntenkreis in Neuss ins Visier der Behörden geraten. Der gebürtige Niederösterreicher war dem Mann muslimischen Glaubens in Deutschland wegen seiner radikal-islamischen Ansichten aufgefallen. Das berichtet die Wochenzeitung "Der Falter" in ihrer am Mittwoch erscheinenden Ausgabe.

    Der 17-Jährige hatte in der deutschen Stadt Neuss einen später ebenfalls in Haft genommenen 21-Jährigen besucht und dort probeweise einen Sprengsatz gebaut. Binnen zwei Stunden und mit einer Anleitung aus dem Internet bastelte er im Dezember mit sieben Rauchbomben aus einem "Knallergeschäft", einer Konservendose, einem Wecker, einer Batterie und Kabeln einen Sprengsatz, zitierte der "Falter" aus den Protokollen der ersten Einvernahmen durch das Bundesamt für Verfassungsschutz in Wien. Den Sprengsatz habe er in einem Park explodieren lassen – ohne Nägel, denn dafür habe er nicht den Mut gehabt.

    Radikalisiert wurde der Bursch demnach in der Justizanstalt Wiener Neustadt, wo er 2015 wegen einer Reihe strafbarer Delikte mehrere Monate in U-Haft verbrachte. Ein "Ahmed" habe ihm einen Koran gegeben, irgendwann habe er dem Burschen aus Dagestan gesagt, er wolle zum Islam konvertieren. Nach seiner Freilassung besuchte er Moscheen, heiratete eine muslimische Internet-Bekanntschaft und lernte über Facebook einen gewissen Abdul A. kennen, der sich mit einer IS-Flagge vorstellte. "Er hat mir erklärt, dass ich ins Paradies kommen würde, wenn ich auch zur Al Nusra kommen würde", zitierte die Wochenzeitung aus dem Einvernahme-Protokoll.

    Er hörte sich Hetzreden des in Graz verurteilten radikalen Predigers Mirsad O. an und holte sich Informationen über die Folter der USA im Bagdader Gefängnis Abu Ghraib. "Ich habe gehört, dass der IS 5.000 Muslime aus diesem Gefängnis befreit hat. Seit diesem Zeitpunkt, das war so im April 2016, waren die Kämpfer des IS Helden für mich." Dass Menschen vom IS angezündet werden, sei natürlich grausam, aber das sei Rache für Kriegsverbrechen des Westens, meinte der 17-Jährige laut "Falter". Kämpfer wie ihn brauchte der IS in Syrien nicht mehr. "Ich wollte in Europa etwas machen, in Deutschland. Ich hasse das deutsche Militär, weil sie an den Kämpfen gegen Muslime beteiligt sind." (APA, 31.1.2017)

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