Paradies der Langeweile

31. Jänner 2017, 17:01
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Peter Simonischek und Franui bei der Mozartwoche

Salzburg – Geht das jetzt immer so weiter? Die Frage brannte nach gut einer Stunde dann doch schon ein wenig unter den Nägeln. Peter Simonischek schien bereits einige Wälzer von Blaise Pascal, Arthur Schopenhauer, Søren Kierkegaard, Bertrand Russell oder Walter Benjamin vorgelesen zu haben. Gut so. Dem Generalthema der Franui-Produktion Ennui. Geht es immer so weiter? stellt Simonischek das facettenreiche Timbre seiner virtuos modulierenden Stimme gegenüber – samt messerscharf aufblitzender Ironie.

Auf die Spitze getrieben wurden Langeweile und Ironie freilich von Simonischek mit Ernst Jandls Gedicht Leise Unruhe: Sehr hoffnungsvoll Simonischeks siebente Wiederholung der Frage "Geht es immer so weiter?", in die hinein ein wundersames Mozart-Zitat erklingt: "Ach, ginge es doch immer so weiter."

Die alles wissen

Hat Pascal nicht recht, wenn er findet, "dass alles Unglück der Menschen einem entstammt, nämlich, dass sie unfähig sind, in Ruhe in ihrem Zimmer sitzen zu bleiben"? Auch die Lehren der Philosophen hat die Dramaturgie von Franui-Leiter Andreas Schett jedenfalls eingebaut – daneben auch ein paar scharfkantige poetische Blüten. Etwa Hans Magnus Enzensbergers Lied von denen, auf die alles zutrifft und die alles schon wissen, zum Tubaklang von Franui im Sprechgesang intoniert.

Es wird natürlich nicht nur gelesen, es wird auch musiziert, die Philosophie wird unterbrochen oder untermalt, irritiert oder persifliert von Schnipseln aus Werken von Mozart und Satie – welche im Gewande von Franui kaum zu unterscheiden sind.

Franui spielen ja schon länger nicht mehr ausschließlich Trauermärsche: Im Zentrum ihrer Produktion zu Ehren der Langeweile, uraufgeführt bei der Salzburger Mozartwoche, stehen Divertimenti, Kassationen und Serenaden von Mozart. Dazu kommen "musikalische Inseln" von Satie und "Einwürfe" von Schubert, Bartók und John Cage. Der betörende Sound von Basstuba und Hackbrett, Trompete und Harfe führt die Werke aller Epochen dabei auf ihren "innervillgratener" Originalklang zurück. (Heidemarie Klabacher, 31.1.2017)

2.2. Mozarteum, 20.00

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