ORF-Dreiteiler "Maximilian": Spektakel über viereinhalb Stunden

31. Jänner 2017, 11:53
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Andreas Prochaska und Martin Ambrosch tauchen tief in die Habsburger-Zeit ein – Regisseur zielt auf "emotionale Wirkung, nicht nur Tsching-Bumm"

Wien – Das flackernde Kerzenlicht sorgt für die Stimmung, der strenge Blick von Kaiser Friedrich III. für die Spannung. Schließlich steht das Schicksal seines Reiches auf dem Spiel und sein Sohn soll die rettende Lichtgestalt geben. Dass der eigentlich anderes im Sinn hat, erfährt man in "Maximilian" recht schnell. Der opulente ORF-Dreiteiler macht sich ab 1. März auf die Spur der Habsburger.

Ende des 15. Jahrhunderts schaut es alles andere als rosig aus für das mächtige Herrschergeschlecht. Doch als Karl der Kühne fällt und dessen Tochter Maria (Christa Theret) im wohlhabenden Burgund an die Macht kommt, tut sich eine Möglichkeit auf. Eine Hochzeit muss her, ist Friedrich III. (Tobias Moretti) überzeugt. Und Sohn Maximilian (Jannis Niewöhner) der geeignete Kandidat dafür. Nur hat der französische König Ludwig XI. (Jean-Hugues Anglade) etwas dagegen und versucht mit allen Mitteln, selbst die Kontrolle über das Lehen zurückzugewinnen.

Viereinhalbstündiges Spektakel

Regisseur Andreas Prochaska ("Das finstere Tal") hat nach einem Drehbuch von Martin Ambrosch ein viereinhalbstündiges Spektakel inszeniert, das den Vorschusslorbeeren gerecht wird. Mit viel Gespür für Atmosphäre, einem hervorragenden Darstellerensemble und beeindruckenden Schauplätzen entsteht das Bild einer Epoche, in der "Das Spiel von Macht und Liebe", so der Untertitel, weitreichende Folgen hatte. "Es ist ein Versuch, sich dieser Zeit anzunähern und Schauwerte zu kreieren, die hoffentlich funktionieren", meinte Prochaska Montagabend bei der Präsentation von Teil 1. "Es muss natürlich eine emotionale Wirkung haben und nicht nur Tsching-Bumm machen."

Dass es sich dabei auch "um einen Kompromiss aus Möglichem und den eigenen Gedanken und Vorstellungen im Hinterkopf" handle, ist dem von ORF und ZDF gemeinsam produzierten Historienepos nicht anzusehen. Die unterschiedlichen Gegebenheiten der Herrschergeschlechter werden da glaubwürdig herausgearbeitet, düstere Wälder mit prächtigen Sälen kontrastiert und Niewöhner gibt einen zornigen wie sympathischen Thronfolger, der lieber selbst zum Schwert greifen würde, anstatt das Habsburger-Motto "Tu felix Austria nube" zu verfolgen. Und Moretti ist zwar nur als Gast geführt, aber dennoch ein enorm präsenter Kaiser, der in dunklen Kammern auf bessere Zeiten wartet.

Hunderte Komparsen, Pferde und Rüstungen

"Im Fernsehen gibt es wenig wie das", zeigte sich Hauptdarsteller Niewöhner von den Ausmaßen des Projekts angetan. Hunderte Komparsen, Pferde und Rüstungen sowie Dutzende Schlösser und Burgen waren letztlich nötig, um Maximilians Streben nach Geltung umzusetzen. "Am Set hatte man das Gefühl, in diese Welt einzutauchen, da konnte man das technische Drumherum wirklich ausblenden", so der deutsche Mime. Eine Herausforderung sei der Dreh aber in jedem Fall gewesen. "Wenn Körper und Psyche zusammenkommen, ist das schon ein Stress, der auf einen einwirkt", meinte er zu schweren Ritterrüstungen und Reitsequenzen.

Sein Gegenüber hat es, jedenfalls zunächst, mit dem Gegenteil zu tun: Theret gibt Maria von Burgund als stolze, sehr genau ihre Möglichkeiten abwägende junge Frau, die nach dem Tod ihres Vaters an die Macht kommt. Dass damit etliche einflussreiche Männer ein Problem haben, macht sie bald zur Gefangenen am eigenen Hof. Somit bietet ihr die eigentlich unerwünschte Verbindung mit Maximilian einen Ausweg. An ihrer Seite ist Miriam Fussenegger als Kammerfrau zu erleben. Für sie sei der Historienfilm auch "eine Zeitreise" gewesen. "Das macht schon Laune. Gleichzeitig war es spannend, weil ich mich in diese Geschichte einlesen habe können: die Habsburger, die Gepflogenheiten im 15. Jahrhundert."

Es dauert zwar eine Weile bis zum Aufeinandertreffen von Maximilian und Maria, allerdings verstehen es Prochaska und sein Team, die Zeit bis dahin zur Ausgestaltung der Figuren zu nutzen. Und davon gibt es einige, dürfen doch Johannes Krisch, Fritz Karl oder Erwin Steinhauer auch ihr Können am Hof zeigen. Drei Filmteile in dieser Größenordnung seien jedenfalls "eine Riesenherausforderung", resümierte Prochaska. "Es würde aber auch keinen Sinn machen, etwas zu strecken wie einen Nudelteig. Hier war aber das Gegenteil der Fall." Gemeinsam mit der Crew habe er "jeden Tag etwas dazugelernt – und vor allem haben wir nicht die Nerven weggeworfen", schmunzelte der Regisseur. "Ich hoffe sehr, dass es das Publikum auch annimmt."

Dokumentation "Maximilian – Der Brautzug zur Macht"

Gelegenheit dazu bietet sich von 1. bis 3. März jeweils um 20.15 Uhr auf ORF 1. Und wer dann von Kaiser, Königen und Herzögen noch nicht genug hat, der erhält in der Dokumentation "Maximilian – Der Brautzug zur Macht" (3. März um 22 Uhr auf ORF 1) weitere Einblicke in das Leben des "letzten Ritters", wie Maximilian auch genannt wurde. Manfred Corrine geht in seinem Film einige Schritte weiter als der Eventdreiteiler und widmet sich der gesamten Lebzeit des Habsburgers, bis zu dessen Tod im Jahr 1519. Und für historischen Nachschub ist weiterhin gesorgt: Zum 300. Geburtstag Maria Theresias zeigt der ORF eine "Universum History"-Doku mit Gerti Drassl und dreht Robert Dornhelm außerdem einen zweiteiligen Film, der im kommenden Winter ausgestrahlt werden soll. (APA, 31.1.2017)

  • ORF/MR Film/Thomas Kiennast
    foto: orf/thomas kiennast

    ORF/MR Film/Thomas Kiennast

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