Frankreich: Fillon will Ermittlern weitere Unterlagen übergeben

31. Jänner 2017, 13:06
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Verdacht auf Scheinbeschäftigung seiner Frau Penelope – Sozialist Hamon verliert Unterstützung

Paris – Der konservative französische Präsidentschaftskandidat François Fillon will den Ermittlern weitere Unterlagen zum umstrittenen Parlamentsjob seiner Frau zur Verfügung stellen. "Die Ermittler haben bereits einige Beweismittel erhalten, und sie werden in den kommenden Tagen noch weitere bekommen", sagte Fillons Anwalt Antonin Levy am späten Montagabend dem Sender BFMTV.

Fillon und seine Frau Penelope waren zuvor von Ermittlern befragt worden, die den Verdacht einer Scheinbeschäftigung prüfen. "Die Anhörung hat fünf Stunden gedauert", erzählte Anwalt Levy. "Alle Erklärungen sind gegeben worden zu den Details, (...) zur erheblichen Bedeutung der erledigten Arbeit." Die beiden seien glücklich, dass sie "ihre Ehre verteidigen konnten". François Fillon weist den Verdacht einer Scheinbeschäftigung zurück.

Die nationale Finanz-Staatsanwaltschaft hatte vergangene Woche Vorermittlungen eingeleitet. Zuvor war bekanntgeworden, dass Penelope Fillon jahrelang als parlamentarische Mitarbeiterin für ihren Mann und dessen Nachfolger in der Nationalversammlung angestellt gewesen war. Das ist grundsätzlich legal, falls sie tatsächlich gearbeitet hat. Zudem geht es um eine Beschäftigung der Frau bei der Zeitschrift "La Revue des Deux Mondes". Die Vorwürfe belasten die Kampagne Fillons, der bisher als einer der Favoriten für die Präsidentschaftswahl im April und Mai gilt.

Vorwurf von Geschäftsbeziehungen nach Russland

Unter Druck steht Fillon auch, wegen mutmaßlicher geschäftlicher Verbindungen nach Russland. Sein Wahlkampfteam hat Spekulationen darüber zurückgewiesen. Fillons Beratungsfirma habe keine russischen Kunden gehabt, sagte dessen Kampagnenleiter Bruno Retailleau am Dienstag dem Fernsehsender BFMTV.

Das schließe auch den russischen Staat und Präsident Wladimir Putin ein. Der Präsidentschaftskandidat der Grünen, Yannick Jadot, hatte Fillon am Montag aufgefordert, die Namen seiner möglichen Kunden aus Russland offenzulegen. Er berief sich dabei auf Gerüchte.

Führende Sozialisten verweigern Hamon Unterstützung

Der Präsidentschaftskandidat der französischen Sozialisten, Benoît Hamon, droht indes die Unterstützung wichtiger Gruppen seiner Partei zu verlieren. Sowohl der französische Finanzminister Michel Sapin als auch Politiker des rechten Parteiflügels kündigten am Dienstag an, dass ihnen die Positionen Hamons zu radikal seien.

Der frühere Bildungsminister hatte am Sonntag die Vorwahlen bei den Sozialisten gewonnen und ist nun deren Kandidat bei der Präsidentschaftswahl Ende April. Er fordert ein Grundeinkommen für alle Franzosen und kritisiert den Kurs des sozialistischen Präsidenten François Hollande scharf. Umfragen zufolge hat der Kandidat der Sozialisten aber kaum Chancen, die erste Runde der Präsidentenwahl zu überstehen, bei einer Spaltung der Partei würde dies noch unwahrscheinlicher. (APA, 31.1.2017)

  • Penelope Fillon war jahrelang als parlamentarische Mitarbeiterin in der Nationalversammlung angestellt gewesen – ob sie dort auch tatsächlich gearbeitet hat, wird gerade untersucht.
    foto: reuters/pascal rossignol

    Penelope Fillon war jahrelang als parlamentarische Mitarbeiterin in der Nationalversammlung angestellt gewesen – ob sie dort auch tatsächlich gearbeitet hat, wird gerade untersucht.

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