Erderwärmung: Menschheit war zuletzt bei Klimaschutz auf Kurs

30. Jänner 2017, 19:50
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Wirtschaftskrise und erneuerbare Energiequellen bremsten Treibhausgasemissionen. In Zukunft wird auch Carbon Capture and Storage nötig sein

Oslo/Karlsruhe/WIen – Beim Klimaschutzabkommen in Paris 2015 wurde beschlossen, die globale Erwärmung auf zwei Grad Celsius zu begrenzen. Dazu ist eine Verringerung der CO2-Emissionen bis 2050 um 80 Prozent im Vergleich zu heute nötig. Das wiederum bedeutet eine jährliche Reduktion der Treibhausgasproduktion um fünf Prozent.

Die gute Nachricht: Diesem Ziel kam man in den letzten drei Jahren recht nahe. Seit 2013 haben sich die Treibhausgasemissionen nämlich erstaunlicherweise eingebremst, schreiben Forscher um Glen Peters (Center for International Climate and Environmental Research in Oslo) im Fachmagazin "Nature Climate Change".

Weniger verbrannte Kohle

Der Hauptgrund ist laut dem Wissenschafterteam, dem auch Nebojsa Nakicenovic (IIASA in Laxenburg) angehörte, dass China und die USA viel weniger Kohle verbrannten als in den Jahren davor. In China war der Rückgang auch durch die Wirtschaftskrise mitbedingt: Es wurden weniger Zement, Stahl und andere Produkte produziert, deren Herstellung energieintensiv ist. Dazu kamen aber auch Fortschritte bei den erneuerbaren Energiequellen.

Würde die Wirtschaft wieder wachsen, sei dieser Trend aber wieder gefährdet, warnen die Forscher, die in ihrem Aufsatz die ihrer Meinung nach entscheidenden Indikatoren benennen, um das Zwei-Grad-Ziel zu erreichen. Im globalen Maßstab komme es künftig vor allem auf den Einsatz zweier Technologien an, die in Österreich verpönt sind: Kernenergie und Carbon Capture and Storage (CCS), also die Abscheidung und Speicherung von CO2. Denn im Moment dauert es noch zu lange, bis neue, besonders energieeffiziente Technologien entwickelt und umgesetzt werden, so die Wissenschafter.

Ohne Kernkraft, aber mit CCS

Jakob Wachsmuth (Competence Center Energiepolitik und Energiemärkte der Fraunhofer-Gesellschaft in Karlsruhe), der an der Studie nicht beteiligt war, betont in seiner Stellungnahme zum Artikel Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern: Deutschland etwa könne seine Klimaziele zur Reduktion der Treibhausgasemissionen bis 2050 um 80 bis 95 Prozent mit Sicherheit auch ohne den Einsatz von Kernenergie erreichen.

Global gesehen seien die Ziele des Pariser Abkommens aber ohne den massiven Einsatz der CCS-Technologie kaum mehr erreichbar, bestätigt Wachsmuth. "Dies steht in starker Diskrepanz zum aktuellen Reifegrad von CCS, bei welchem die früher erwarteten Fortschritte bisher nicht erreicht werden konnten." Deshalb sei eine globale Anstrengung bei der Erprobung und Weiterentwicklung von CCS notwendig.

Der Faktor Donald Trump ist bei all diesen Analysen freilich noch nicht mitgerechnet. (tasch, 30.1.2017)

  • Drei Methan-Emittenten vor dem deutschen AKW Emden. Forscher gehen davon aus, dass es im globalen Maßstab auch Atomkraft brauchen wird, um das Zwei-Grad-Ziel zu halten.
    dpa/marcus brandt

    Drei Methan-Emittenten vor dem deutschen AKW Emden. Forscher gehen davon aus, dass es im globalen Maßstab auch Atomkraft brauchen wird, um das Zwei-Grad-Ziel zu halten.

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