Atmosphärische Blockaden führen zu Kälteeinbrüchen im Frühjahr

5. Februar 2017, 12:14
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Forscher der Universität Graz untersuchten Zusammenhänge zwischen "Blocking" von Hochdruckfeldern und Wetterlagen im Frühling

Graz – Frühsommerliche Hitzeperioden in Mitteleuropa, aber auch anhaltende Kälte im Winter haben häufig ihre Ursache in einem Hoch, das in der Atmosphäre festhängt und die Weiterbewegung der Druckfelder behindert. Dabei handelt es sich um eine Wetterlage, die als "Blocking" bezeichnet wird. Forscher der Universität Graz haben die Entwicklung von Blocking-Wetterlagen speziell im Frühling untersucht.

Beim Blocking entsteht um das stationäre Hochdruckgebiet in der Atmosphäre eine Drehbewegung im Uhrzeigersinn, die beständig polare Luft in Richtung Süden transportiert. Diese unterbricht die typische Westströmung vom Nordatlantik, die sonst wetterbestimmend in Zentral- und Südeuropa ist, sagt Andrea Steiner von der Uni Graz: Die Tiefs, die in der Regel aus Westen kommen, werden um dieses Hoch herumgelenkt. Sie ziehen dann an der Nord- oder Südseite des Hochs entlang. Hat sich diese Wetterlage erst einmal eingestellt, kann man davon ausgehen, dass sie einige Tage, unter Umständen sogar mehrere Wochen anhält.

Schädliche Kältewellen

Die Grazer Forscher haben für ihre Studie im "Journal of Climate" relevante Klimadaten der vergangenen 35 Jahre und Daten zu den Temperaturverläufen zwischen 1979 und 2014 in Europa miteinander verglichen. Es zeigte sich, dass Blocking im Winter und im beginnenden Frühjahr sehr häufig zu Kältewellen führt: Etwa auch zuletzt Ende April 2016, als Frostnächte und Nassschnee vor allem in der Steiermark, dem Burgenland und Niederösterreich große Schäden an Obst- und Gemüsekulturen hinterließ. Eine Zunahme des Phänomens in den vergangenen dreieinhalb Jahrzehnten wurde nicht festgestellt.

"Im Kontext der langfristigen Erwärmung treibt die Vegetation jedoch früher aus. Der auf Blocking-Wetterlagen zurückzuführende Frost kann dann große Schäden in der Landwirtschaft anrichten", so Steiner. Ein Problem, dass sich in Zukunft verschärfen könnte.

Bessere Prognosen

Die Forscher stellten einen signifikanten Zusammenhang zwischen dem Entstehungsgebiet der Hochdruckzone und der Region, in der es zu einer Kältewelle kommt, fest: Blocking westlich der britischen Inseln führe vor allem zu einem Einströmen von polarer Luft nach Südeuropa. "Hängt das Hoch über Skandinavien, kann es zwar ebenfalls weiter südlich kalt werden, wesentlich stärker ist jedoch der Effekt steigender Temperaturen vor Ort", sagte Erstautor Lukas Brunner.

Die Grazer Forscher versuchen auch selbst mit GPS-Signalen Blocking-Wetterlagen zu beobachten. "Aus der Ablenkung der GPS-Signale und der daraus berechneten Druckverteilung ist es möglich, das Phänomen im Detail zu analysieren", so Steiner. Insgesamt gehe es darum, Blocking besser zu verstehen, um Klimaphänomene in Zukunft genauer zu untersuchen und Wetterextreme besser vorhersagen zu können. (APA, 5.2.2017)

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