Neuzugang für skurrile Ausstellung: Der Marder, der das Cern lahmlegte

30. Jänner 2017, 15:34
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Prominenter Zuwachs für das Naturhistorische Museum Rotterdam

Rotterdam/Genf – Steinmarder haben schon so manche technische Gerätschaft lahmgelegt, von Zeit zu Zeit schaffen sie es damit sogar in die internationalen Nachrichten. Im Vorjahr legten gleich zweimal Marder den leistungsstärksten Teilchenbeschleuniger der Welt lahm: Im April sowie im November 2016 war jeweils ein Tier in eine unterirdische Transformatorenanlage des Large Hadron Collider (LHC) am Cern in Genf eingedrungen.

Die folgenden tragischen Entwicklungen wiederholten sich: Die Tiere wurden von einem Stromschlag getötet, die Anlage erlitt einen Kurzschluss, der LHC musste den Betrieb vorübergehend einstellen. Dem Eindringling vom November wird nun postum eine gewisse Ehre zuteil: Sein präparierter Kadaver wird im Naturhistorischen Museum Rotterdam ausgestellt.

foto: natuurhistorisch museum rotterdam
Der Genfer Marder.

Tödliches Zusammentreffen

"Es ist ein schönes Beispiel dafür, worum es in unserer Ausstellung geht", sagt Kees Moeliker, Direktor des Museums. "Es zeigt, dass tierisches und menschliches Leben zunehmend miteinander kollidieren – mit dramatischen Ergebnissen für beide." Um das zu verdeutlichen, hat das Museum schon eine beachtliche Kollektion angelegt.

So ist in der Ausstellung "Tote Tiere mit Geschichte" ein Sperling zu sehen, der erschossen wurde, nachdem er den vorzeitigen Umsturz von 23.000 Dominosteinen eingeleitet und damit einen Domino-Weltrekordversuch zunichtegemacht hatte. Der "McFlurry-Igel" hingegen fand sein vorzeitiges Ende in der Eiscremeverpackung einer großen Fastfoodkette.

foto: natuurhistorisch museum rotterdam
Der "McFlurry-Igel".

Die "Nekro-Ente"

Begründet wurde die Ausstellung mit dem Tod eines Erpels: Der Vogel war 1995 gegen die Glasfassade des Museums geprallt und gestorben. Was folgte, brachte dem Museumsdirektor und Verhaltensbiologen Moeliker übrigens einen Ig-Nobelpreis ein: Er hielt in einer detaillierten Studie fest, wie sich nach dem tödlichen Unfall ein zweiter Erpel über zwei Stunden lang an seinem toten Artgenossen verging.

foto: natuurhistorisch museum rotterdam
Opferente, Entenopfer.

Es sei, so Moeliker, der erste dokumentierte Fall "homosexueller Nekrophilie" gewesen. (dare, 30.1.2017)

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