Sony-Geschäft mit DVD leidet unter Trend zu Online-Streaming

    30. Jänner 2017, 13:32
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    Japanischer Konzern muss fast 1 Mrd. Euro auf sein Filmgeschäft abschreiben

    Für Sony ist das Filmgeschäft während der schmerzhaften Sanierung der Elektronik-Sparte zu einer wichtigen Stütze geworden. Jetzt droht auch hier Ungemach: Der DVD-Markt schrumpft schneller als erwartet, mehrere Filme verfehlten die Erwartungen an den Kinokassen.

    Hohe Abschreibungen

    Sony schätzt die Gewinnaussichten in seinem Film-Geschäft inzwischen so viel schlechter als bisher ein, dass eine Wertberichtigung von umgerechnet mehr als 900 Mio. Euro fällig wurde. Die Abschreibung spiegle vor allem das schnellere Schrumpfen des Heimvideo-Marktes wider, erklärte Sony am Montag.

    Die Prognosen für die Erlöse an den Kinokassen seien zwar auch reduziert worden, das solle aber mit Maßnahmen zur Steigerung der Profitabilität wie einer stärkeren internationalen Ausrichtung abgefangen werden. Zugleich blieben Filme ein wichtiger Teil des Sony-Geschäfts, betonte der Konzern, nachdem es zuletzt auch Verkaufsspekulationen gegeben hatte.

    Zuletzt hatten einige Sony-Filme wie die "Ghostbusters"-Neuauflage weniger Geld als erhofft eingespielt. Zu den Kassen-Garanten der Sony-Studios gehören die James-Bond- und "Spider-Man"-Filmreihen. Gut lief zuletzt zudem das Geschäft mit TV-Serien auch dank Exklusiv-Produktionen für Streaming-Dienste wie etwa "The Crown" für Netflix.

    Anteile an M3 verkauft

    Die Abschreibung von 112,1 Mrd. Yen (911,3 Mio. Euro) betrifft den Firmenwert, der zum Teil noch bei der Übernahme des Hollywood-Studios Columbia Pictures 1989 in die Bücher kam. Um das Loch in der Bilanz etwas zu stopfen, verkaufte Sony Anteile am medizinischen Online-Dienst M3 im Wert von rund 37 Mrd. Yen.

    Die Sony-Filmstudios haben zwei turbulente Jahre hinter sich. Im November 2014 hatte ein Cyber-Angriff das Computer-System des Unternehmens komplett zerstört. Die Hacker, die ihre Attacke zur Vergeltung für die Nordkorea-Satire "The Interview" erklärten, veröffentlichten zudem in großem Stil interne E-Mails. Sie enthielten auch unflätigen Bemerkungen über einige Hollywood-Stars, Filmchefin Amy Pascal nahm daraufhin ihren Hut.

    Vor wenigen Wochen ging auch der langjährige Studioboss Michael Lynton, der sich jetzt um den Börsengang des "Snapchat"-Betreibers Snap kümmern will. Sony-Konzernchef Kazuo Hirai zog für mehrere Monate nach Kalifornien, um sich ein Bild vom Geschäft zu machen und nach einem Ersatz zu suchen.

    Welche Auswirkungen die Abschreibung auf die Bilanz des dritten Geschäftsquartals hat, will Sony zusammen mit den Zahlen vom dritten Vierteljahr am 2. Februar bekanntgeben. (APA, 30.1.2017)

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