Nerven entwickeln sich gleich nach Geburt

30. Jänner 2017, 13:23
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Nervenzellen entwickeln sich in Untergruppen unmittelbar nach der Geburt –eine Studie untersucht Verbindung zu Schizophrenie und Autismus

Wissenschafter der Universität Genf haben untersucht, wie sich bestimmte Nervenzellen in der Großhirnrinde in der Zeit um die Geburt herum entwickeln. Mit den Ergebnissen tragen sie zu einem besseren Verständnis von Krankheiten wie Autismus und Schizophrenie bei.

Die Großhirnrinde besteht aus erregenden und hemmenden Nervenzellen, die gemeinsam die Funktion dieses wichtigen Hirnareals sicherstellen. Bei Erwachsenen gibt es 20 verschiedene Arten von hemmenden Nervenzellen (sogenannten Interneuronen), die die Signale der erregenden Neurone spezifisch bremsen und so feinregulieren.

Eine gestörte Entwicklung solcher Interneurone steht im Zusammenhang mit der Entstehung psychischer Krankheiten wie Autismus und Schizophrenie. Wann und wie diese Vielfalt in der Entwicklung entsteht, ist jedoch noch relativ unklar.

Systematik in Zellen

Forschende um Alexandre Dayer von der Universität Genf haben daher die Entstehung der verschiedenen Typen von hemmenden Interneuronen bei Mäusen untersucht. Dafür haben sie das genetische Programm einzelner Zellen in der frühen Entwicklung entschlüsselt, wie die Uni Genf mitteilte: Sie analysierten dafür, welche Gene in jeder einzelnen hemmenden Nervenzelle abgelesen wurden.

Anhand dieser genetischen Programme gelang es Dayer und seinem Team, drei verschiedene Untergruppen der hemmenden Interneurone zu identifizieren und den Zeitpunkt ihrer Entstehung kurz nach der Geburt nachzuvollziehen. Außerdem stellten sie fest, dass die verschiedenen Zelltypen auch je nach ihrer genetischen Identität an anderen Orten in der Hirnrinde entstanden, wie sie im Fachblatt "Nature Communications" berichten.

Neue Datenbank eingerichtet

Erkenntnisse über die normale Entwicklung der verschiedenen Nervenzell-Typen seien eine wichtige Grundlage, um die Entstehung von Krankheiten wie Autismus oder Schizophrenie besser zu verstehen. Daher stellen die Wissenschafter ihre Daten der Forschungsgemeinschaft zur Verfügung.

"Von nun an können wir unsere große Referenzdatenbank nutzen, um herauszufinden, wie Entwicklungsstörungen spezifisch die Entstehung individueller Zellgruppen betreffen", so Dayer. Dabei stehe insbesondere die Frage im Fokus, wie bestimmte Risiko-Gene für psychische Störungen die Entwicklung der verschiedenen Interneuron-Typen verändern. Anhand dessen ließen sich allenfalls Therapien entwickeln, die eine normale Entwicklung sicherstellen. (APA, 30.1.2017)

Originalpublikation:

Transcriptomic and anatomic parcellation of 5-HT3AR expressing cortical interneuron subtypes revealed by single-cell RNA sequencing

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