Deutsche-Bahn-Chef Rüdiger Grube tritt zurück

30. Jänner 2017, 16:38
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Grube verlässt das Unternehmen mit sofortiger Wirkung, Hintergrund soll Ärger mit dem Aufsichtsrat gewesen sein

Berlin – Verlängerung des Vertrages von Bahn-Chef Rüdiger Grube. Dieser Tagesordnungspunkt sollte den Aufsichtsrat der Deutschen Bahn eigentlich am Montag beschäftigen. Doch die Sitzung verlief völlig anders als geplant, nun steht die Deutsche Bahn ohne einen Chef da. "Das ist in der Tat eine so nicht zu erwartende Wendung", musste auch Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) einräumen.

Dass Grubes Ende 2017 auslaufender Vertrag verlängert werden soll, hatte der Aufsichtsrat schon im Dezember beschlossen. Offen geblieben war dabei aber die Dauer – entweder um zwei oder um drei Jahre. Aus Grubes Sicht sollten es drei Jahre sein, daher hatte er auch auf eine Gehaltserhöhung verzichtet. Er erhält ein jährliches Fixgehalt von 900.000 Euro und Boni, sodass er auf eine Summe von 1,4 Millionen Euro kommt.

Doch im Aufsichtsrat war am Montag nur noch von zwei Jahren die Rede, was Grube so erboste, dass er alles hinwarf. In einer Mitteilung der Bahn hieß es danach lapidar, das Kontrollgremium habe "einstimmig der Bitte" von Grube entsprochen, "mit sofortiger Wirkung" seine Bestellung zum Vorstandsvorsitzenden aufzuheben.

Nachfolger gesucht

"Zeitnah" wolle man sich nun um einen Nachfolger umschauen. Bis einer gefunden ist, übernimmt Finanzvorstand Richard Lutz kommissarisch die Leitung der Bahn. Als möglicher Nachfolger Grubes gilt der ehemalige Chef des Kanzleramtes, Ronald Pofalla. Er ist derzeit Vorstand für Infrastruktur. Kritiker allerdings meinen, Pofalla sei noch nicht genügend eingearbeitet, er hat seinen Bahn-Job erst 2015 angetreten.

Der 65-jährige Grube war seit 2009 Chef des Staatsunternehmens, er hatte es von Hartmut Mehdorn übernommen, der wegen massenhafter E-Mail-Ausspähung von Bahn-Mitarbeitern zurückgetreten war. 2015 war die Bahn erstmals nach zwölf Jahren in die roten Zahlen gefahren, ihr macht die Konkurrenz durch die Fernbusse zu schaffen.

Der Konzern musste ein Minus von 1,3 Milliarden. Euro hinnehmen. 2016 sei aber ein operatives Ergebnis von mehr als 1,8 Milliarden Euro erzielt worden, sagte Grube vor wenigen Tagen. Genaue Zahlen legt die Bahn im März in der Jahresbilanz vor. (bau, 30.1.2017)

  • Rüdiger Grube saß seit 2009 im Chefsessel der Deutschen Bahn.
    foto: reuters/hannibal hanschke

    Rüdiger Grube saß seit 2009 im Chefsessel der Deutschen Bahn.

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