Taxidemo gegen Trump: Wütender Protest gegen "Streikbrecher" Uber

30. Jänner 2017, 11:19
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Fahrdienst hielt Betrieb während Taxistreiks in New York aufrecht – Nutzer kündigten Löschung der App an

Mit einem neuen Präsidialerlass (Executive Order) hat US-Präsident Donald Trump unter anderem Bürgern einiger mehrheitlich muslimischer Staaten die Einreise in die USA für 90 Tage verboten. Da die Anordnung unmittelbar nach ihrer Unterzeichnung in Kraft trat, führte dies dazu, dass hunderte Personen plötzlich auf den internationalen Flughäfen festsaßen, da sie nicht mehr ins Land durften.

Der Beschluss, der laut "New Yorker" weder mit Außen-, Verteidigungs- und Justizministerium erarbeitet worden war, sorgte nicht nur für Chaos an den Terminals, sondern auch für Proteste. Kritik erntete die Regierung etwa aus dem Silicon Valley, Bürgermeister mehrerer Großstädte und die Gouverneure von Kalifornien und Washington richteten scharfe Worte in Richtung Weißes Haus.

Taxigewerkschaft protestierte

Die Taxivereinigung von New York wollte die Situation nutzen, um ein Zeichen zu setzen. Sie rief ihre Mitglieder am Samstag dazu auf, zwischen sechs und sieben Uhr am Abend (Ortszeit) keine Fahrgäste am John-F.-Kennedy-Flughafen aufzunehmen und sich zum Protest vor dem Terminal 4 zu versammeln. "Wir können nicht schweigen", hieß es in dem Statement. "Wir schreiten zur Arbeit, um Menschen in einem Land willkommen zu heißen, das einst uns willkommen geheißen hat. Wir sind die die Müden, die Hungrigen und die Armen. Wir werden uns nicht spalten lassen."

Zahlreichen Fotos in Medien und auf sozialen Netzwerken zufolge fand der Aufruf starke Resonanz. Während sich im Flughafen Menschenmassen versammelten und der Zugang zum Flughafenzug "Airtrain" reguliert werden musste, kam draußen eine beachtliche Flotte gelber Autos zusammen.

Uber hielt Betrieb aufrecht

Auch der Fahrdienst Uber war aufgerufen worden, sich am Protest zu beteiligen. Stattdessen stellte man aber offenbar geschäftliche Interessen voran. Über Twitter gab man an, dass Reisende auch weiterhin mit Uber zum und vom Flughafen abfahren könnten. Dazu deaktivierte man das "Surge Pricing", jenen Automatismus, der bei erhöhter Nachfrage automatisch die Fahrpreise anhebt.

Ein Vorgehen, das in den Reihen der Protestierenden nicht gerade auf Gegenliebe stieß. Viele nahmen die Aufrechterhaltung des Fahrbetriebs als Streikbruch wahr und hielten sich nicht mit Kritik an Uber zurück. Bald schaffte es zudem das Hashtag #DeleteUber in die Twitter-Trends, da viele Nutzer ankündigten, die App zu löschen und künftig andere Services zu nutzen.

Schärfere Reaktion nach #DeleteUber

Uber-Chef Travis Kalanick gehört zum wirtschaftlichen Beratergremium der Trump-Administration. Seine erste Stellungnahme an dem Erlass fiel verhalten aus. Am Sonntag reagierte man infolge der heftigen Kritik aber deutlicher, schreibt "The Verge". Die präsidiale Anordnung sei "ungerecht", verlautbarte man und kündigte an, betroffenen Fahrern mit Rechtshilfe unter die Arme zu greifen, wofür ein eigener Fonds mit einem Volumen von drei Millionen Dollar eingerichtet werde.

Anders reagierte der direkte Konkurrent Lyft, ebenfalls ein Fahrdienstbetreiber. Trumps Erlass sei "antiethisch gegenüber dem Wertefundament von Lyft und den USA", hielt Chef und Gründer Logan Green auf Twitter fest. Als erste Reaktion kündigte man eine Spende von einer Million Dollar an die American Civil Liberties Union an. Die Bürgerrechtsorganisation leistet einigen auf den Flughäfen festsitzenden Menschen Rechtsbeistand.

Chaos

Die Executive Order hatte bereits direkte Folge für US-Unternehmen und Forschungseinrichtungen, deren Mitarbeiter aus den vom Einreiseverbot betroffenen Ländern sich nun ebenfalls an den Flughäfen befinden oder nicht mehr ins Land dürfen.

Mehrere Gerichte haben mittlerweile die Abschiebung von Betroffenen temporär oder auf unbestimmte Zeit ausgesetzt. Dazu musste die Regierung ihren Erlass nachschärfen, um Besitzern einer dauerhaften Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigung ("Greencard") die Einreise wieder zu ermöglichen. (gpi, 30.01.2017)

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