Report: Thinktanks finden in der Politik immer weniger Gehör

30. Jänner 2017, 06:00
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Uni Pennsylvania sieht Denkfabriken vor "existenziellen Herausforderungen"

Wien – Weltweit gibt es laut dem "Thinktank"-Report der Universität Pennsylvania 6.846 Denkfabriken. Der Großteil davon sitzt in Nordamerika (1.931) und in Europa (1.770). In Asien sind es 1.262, im Nahen Osten und Nordafrika 398 und in Afrika südlich der Sahara 615. In Österreich sind laut dem Report 40 Denkfabriken beheimatet.

Der Einfluss dieser Expertengruppen gehe aber zurück, konstatiert das Team um James G. McGann, Herausgeber des aktuellen "Thinktank"-Reports. Es falle den Denkfabriken immer schwerer, sich mit ihren Ansichten bei Politikern und in der Öffentlichkeit durchzusetzen. Nach den jüngsten politischen Entwicklungen seien sie mit "existenziellen Herausforderungen" konfrontiert.

"Monumentales Versagen"

Bei der Voraussage des Ausgangs der Brexit-Abstimmung oder der US-Präsidentschaftswahl, bei der Donald Trump als Sieger hervorging, hätten nicht nur die Meinungsforscher und Fachleute, sondern auch die Denkfabriken "monumental" versagt, so McGann.

"Die Implikationen dieser beiden Ereignisse sind tiefgreifend und werden noch länger Einfluss auf die Denkfabriken, das öffentliche Bewusstsein und die Politik haben", ist McGann überzeugt. Soziale Bewegungen wie die Tea Party oder Brexit seien durch disruptive Technologien mächtig geworden, was gleichzeitig disruptive Politik möglich gemacht habe. Denkfabriken müssten diese neuen Technologien verstehen und darauf reagieren. Das werfe für die Denkfabriken existenzielle Fragen auf.

Social Media und hohes Tempo

Um weiterhin die politischen Entscheidungsträger, die Medien und die Öffentlichkeit wirksam erreichen zu können, müssten die Studien der Denkfabriken von höchster Qualität, zeitnah und zugänglich sein. "Um bedeutsame Wirkungen zu zeitigen, müssen sie ihre Analysen zur richtigen Zeit im richtigen Format in die richtigen Hände geben", so McGann. Das schließe auch die strategische Nutzung von sozialen Medien – wie Facebook, Twitter und Linkedin – und Kurzvideos ein. Ein Politiker lese maximal 30 Minuten am Tag, und sie würden keine Bücher oder Fachjournale lesen, gibt McGann zu bedenken.

Thinktanks müssten sich auf den wachsenden Bedarf an rasch verfügbaren Daten und Analysen einstellen. Sie müssten flexibel genug sein, sich an die technologisch bedingte Beschleunigung der Informationslawine anzupassen.

Um künftig noch von Bedeutung zu sein, müssten die Denkfabriken unternehmerische und technisch ausgefeilte Kommunikationsstrategien entwickeln und gleichzeitig gründliche, politisch relevante Analysen liefern.

Zahl dennoch gewachsen

Die Zahl der Institutionen, die sich mit militärischen, politischen, wirtschaftlichen und sozialen Fragen und Strategien befassen, um damit Politik und öffentliche Meinung zu beeinflussen, stieg zuletzt 2015 um gut 200 auf 6.846. 40 solcher Denkfabriken zählt die US-Studie in Österreich.

Als weltweit bedeutendster Thinktank gilt die US-amerikanische Brookings Institution. Das britische Chatham House ist dem Report zufolge die wichtigste Nicht-US-Denkfabrik und heuer auch Thinktank des Jahres. Zu den wichtigsten Denkfabriken außerhalb der USA zählen auch das French Institute of International Relations und das belgische Breugel-Institut. Das bedeutendste österreichische Institut ist das Austrian Economics Center (AEC). Es liegt in diesem Ranking unverändert auf Platz 123.

Thinktanks in Österreich

Unter den wichtigsten westeuropäischen Instituten liegt das AEC auf Platz 80. Das Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (WIIW) liegt hier auf Platz 108, konnte sich aber im Teilranking der bedeutendsten internationalen Wirtschaftsforschungsinstitute auf Platz vier verbessern. In diesem Ranking liegt das Wifo auf Platz 60.

Im Ranking der nationalen Wirtschaftsforschungsinstitute liegt das WIIW auf Platz 23, das Wifo konnte sich von Platz 31 auf 28 verbessern und das Institut für Höhere Studien (IHS) rutschte von Platz 76 auf 78.

Das Laxenburger International Institute for Applied Systems Analysis (IIASA) liegt im Teilranking der Energie- und Rohstoff-Thinktanks auf Platz 41, unter den Umweltforschungsinstituten auf Platz 45.

Unter den besten unabhängigen Denkfabriken findet sich neben dem AEC (Platz 21) auch noch das Friedrich-A.-v.-Hayek-Institut (Platz 58). (APA, red, 30.1.2017)

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