Neos: Ein fast absoluter Chef und die schwierige Wahl eines Vizes

28. Jänner 2017, 18:30
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Fast 99 Prozent der Neos wählten Matthias Strolz als Parteichef, Meinl-Reisinger wurde als Stellvertrerin bestätigt, Mlinar erst im dritten Anlauf

Wien – Promibonus gibt es bei den Neos keinen. Das mussten Hans-Peter Haselsteiner und Heide Schmidt schon beim Anstellen feststellen. 20 Minuten Warten in der Kälte auf Einlass in den Kuppelsaal der Wiener Technischen Universität, der Andrang zur Neos Mitglieder-Versammlung überraschte auch die beiden liberalen Urgesteine. Der Industrielle und die Gründerin des Liberalen Forums, das mittlerweile in die pinke Partei aufgegangen ist, wurden dann doch vorgelassen – "dynamisches Anstellen" nannte es Haselsteiner.

Für die Oppositionspartei sind Mitgliederversammlungen keine Seltenheit, sie finden mindestens vier Mal im Jahr statt. Doch an diesem Parteitag wurde auch der Vorstand neu gewählt. Parteigründer und -chef Matthias Strolz durfte sich über 98,98 Prozent der Stimmen freuen, hatte aber auch keinen Gegenkandidaten. Sein Einsatz bei der Diskussion mit den Mitgliedern, er erzählte mehr als vierzig A4 Seiten mit Fragen beantwortet zu haben, dürfte sich ausgezahlt haben. Überhaupt glich sein Auftritt einem Heimspiel. Auch wenn er nichts Neues in seiner Rede sagte, die Reizwörter "Stillstand", "Fürsten der Finsternis" und "packen wir's an" lösten bei seinen mehr als 400 Anhängern Jubel und Begeisterung aus.

Schwierige Vize-Wahl

Weniger klar war die Wahlen für seine beiden Stellvertreterinnen. Wien-Chefin Beate Meinl-Reisinger und EU-Abgeordnete Angelika Mlinar hatten bisher die Ämter inne. Meinl-Reisinger wurde auch mit 82,75 Prozent bestätigt. Mlinar kam im ersten Wahlgang auf exakt die gleiche Anzahl von Stimmen wie Herausforderer Gregor Raidl, worauf sich die beiden Kandidaten einer Stichwahl stellen mussten. Auch da gab es kein eindeutiges Ergebnis – keiner der beiden erreichte mehr als die Hälfte der Stimmen, Mlinar hatte nur einen knappen Vorsprung von 47,21 Prozent zu 46,3 Prozent. Laut Statuten reicht das aber aus, damit die Abgeordnete als alleinige Kandidatin den dritten Wahlgang bestreiten durfte, wo sie schließlich 55,5 Prozent erreichte.

In einem waren sich – trotz intensiver Diskussion – alle Pinken einig. Weniger Wien und mehr Fokus auf die Bundesländer, mehr Kommunikation und intensiverer Kontakt mit der Bevölkerung wollen alle Beteiligten erreichen, damit die Bewegung weiter wachsen könne. Allianzen seien notwendig, wie die Zusammenarbeit mit der ehemaligen Bundespräsidentschaftskandidatin Irmgard Griss, aber auch andere Kooperationen. Griss war übrigens dieses Mal nicht anwesend, sie wird am Donnerstag aber ein Bürgerforum mit Strolz in Graz abhalten.

Heiße Debatten drehten sich um das Eintreiben der Mitgliedsbeiträge und die Ermäßigung für Junos, den Jungen Neos, denen nicht alle etwas abgewinnen konnten.

Als Ehrengast war Xavier Bettel, Premier von Luxemburg, geladen. Er betonte die Bedeutung eines geeinten Europas und schwor die Neos auf Einheit trotz Vielfalt ein. (Marie-Theres Egyed, 28.1.2017)

  • Viele Abstimmungen und eine Vorstandswahl: Beim Parteitag der Neos wurde gewählt.
    foto: apa/hochmuth

    Viele Abstimmungen und eine Vorstandswahl: Beim Parteitag der Neos wurde gewählt.

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