Gut gewinnt Abfahrt, Vonn out

28. Jänner 2017, 15:26
38 Postings

Die Schweizerin gewinnt knapp vor Goggia und Stuhec. Vonn kommt bei Sturz glimpflich davon, Schmidhofer als beste Österreicherin Fünfte, Veith 19.

Cortina d'Ampezzo – Lara Gut hat am Samstag in Cortina d'Ampezzo die letzte Weltcup-Abfahrt vor der Ski-WM in St. Moritz gewonnen. Die Schweizerin setzte sich vor der Italienerin Sofia Goggia (+0,05 Sek.) und der Slowenin Ilka Stuhec (0,47) durch. Beste Österreicherin wurde Nicole Schmidhofer als Fünfte (0,77). Anna Veith belegte bei ihrem Abfahrts-Comeback Platz 19 (1,51).

Lindsey Vonn, die insgesamt bereits elf Mal auf der Tofana gewonnen hat, stürzte an der gleichen Stelle wie im Abschlusstraining am Freitag, blieb aber erneut unverletzt. Schmidhofer schaffte dagegen rechtzeitig vor der WM ihr bestes Saisonresultat in der Abfahrt.

Genugtuung

"Im Großen und Ganzen war es eine solide Fahrt", sagte Schmidhofer. Für die 27-jährige Steirerin war es eine besondere Genugtuung, hatte sie sich doch im vergangenen Winter in Cortina im Abfahrts-Training das Kreuzband gerissen. Andererseits liefert Schmidhofer in Cortina immer ihre besten Saisonergebnisse ab. Auch ihre beiden Stockerlplätze hat sie dort heraus gefahren und sich damit mehrmals für folgende Großereignisse qualifiziert.

Mit Tamara Tippler als Neunter (1,00) bot sich noch eine Steirerin im letzten Rennen vor den Titelkämpfen für einen Platz im WM-Aufgebot an. Für Tippler war es das beste Abfahrts-Ergebnis im Weltcup überhaupt.

"Es freut mich, dass es heute so gut gelungen ist", sagte sie. "Denken macht langsam und heute war es mir wurscht", nahm sie Anleihe an das Motto von Zauchensee-Siegerin Christine Scheyer, die in Cortina verletzt fehlt.

Argumente

Auch die zehnfache Cortina-Siegerin Renate Götschl hatte einen Anteil an der Fahrt Tipplers. Sie habe ihr den Tipp gegeben, nicht zu direkt zu fahren und die langen Kurven rund zu fahren, so Tippler.

"Ich hoffe, das war ein gutes Argument. Die Trainer werden sich sicher genug Gedanken machen", sagte Tippler angesprochen auf ihre WM-Chancen. Die 25-Jährige fährt seit Lake Louise mit einem angerissenen Kreuzband und kann trotz Schmerztabletten nur eingeschränkt trainieren. Erst vergangenen Sonntag habe sie sich entschieden, die Saison zu Ende zu fahren.

Von den übrigen WM-Anwärterinnen landete Stephanie Venier auf Rang zwölf (1,28), Mirjam Puchner wurde 28. (1,94) und konnte nur mit Mühe einen Sturz verhindern. Ramona Siebenhofer schied nach einem Sturz an jener Stelle, an der auch Puchner Probleme hatte, aus.

Vonns Ausrutscher

An der gleichen Stelle stürzte wie schon am Freitag auch Vonn, die in Cortina erstmals im Weltcup von ihrem neuen Freund Kenan Smith begleitet wird. Der US-Amerikanerin stand, nachdem sie selbstständig ins Ziel gefahren war, der Schreck ins Gesicht geschrieben. "Ich bin sehr froh, dass nichts passiert ist. Mein Nacken und Rücken tun ein bisschen weh und der Arm. Ich denke, es war mein Fehler", sagte Vonn im ORF-Interview.

Die regierende Gesamt-Weltcupsiegerin Gut feierte dagegen ihren ersten Saisonsieg in der Abfahrt und ihren ersten Abfahrts-Sieg auf der Tofana. "Zu gewinnen ist immer großartig", sagte die Schweizerin nach ihrem 23. Weltcup-Sieg. "Ich bin nicht gut gestartet, doch ab der Mitte des Rennens wurde es besser", erklärte Gut.

Favoritin

Dass sie jetzt auch in der Abfahrt in der Favoritenrolle für ihre Heim-WM in St. Moritz sei, wies Gut von sich. "Ich denke heute nicht an St. Moritz. Der einzige Druck, den ich spüre, ist der, den ich mir selbst mache. Natürlich wird dort viel los sein, aber wir müssen uns auf das Skifahren konzentrieren", meinte Gut.

Mit ihrem Sieg brachte die 25-Jährige auch wieder Spannung in den Gesamt-Weltcup. Vor dem Super G am Sonntag, für den Gut nach drei Saisonsiegen in bisher drei Rennen ebenfalls Favoritin ist, verkürzte sie ihren Rückstand auf die US-Amerikanerin Mikaela Shiffrin auf 30 Punkte.

Auch im Abfahrts-Weltcup verkürzte Gut ihren Rückstand auf die führende Stuhec zwei Rennen vor Saisonende auf 77 Punkte. Stuhec hätte theoretisch die Abfahrtskugel bereits in Cortina gewinnen können.

Positive Veith

Der späte Meinungsumschwung hat sich für Anna Veith bezahlt gemacht. Erst am späten Freitagnachmittag hatte sie entgegen ihrem Gefühl nach dem Training entschieden, in der Abfahrt doch an den Start zu gehen. Prompt zeigte die Salzburgerin ihre beste Fahrt des Wochenendes und belegte mit 1,51 Sekunden Rückstand auf Siegerin Lara Gut aus der Schweiz Platz 19.

"Jetzt, wo ich herunten bin und es besser gelaufen ist, als ich gedacht habe, bin ich natürlich glücklich über meine Entscheidung", meinte Veith im Ziel. Ihre verbesserte Zeit führte Veith unter anderem auf die Rennposition zurück. "Im Training bin ich fast nie Hocke gefahren", erklärte die 27-Jährige.

Verbesserungspotenzial sieht Veith nach ihrem ersten Abfahrtsstart seit knapp zwei Jahren, seit dem 18. März 2015 beim Weltcup-Finale in Meribel, noch einiges. "Derzeit ist die Technik meine Basis. Darauf kann ich mich verlassen. Das, was ich noch ganz stark verbessern muss, ist die Aktivität im Rennen, das, was mir auch im Riesentorlauf noch fehlt, den Schwung kurz zu halten", sagte Veith.

Der Start in der Abfahrt sollte auch ein Training unter Rennbedingungen für den Super G am Sonntag sein. "Es ist wichtig zu sehen, dass ich mich in die Geschwindigkeit hinein traue. Der technische Teil ist immer noch meine Stärke, und das stimmt mich für den Super G positiv", sagte Veith. (APA, 28.1.2017)

  • Lara Gut hat es geschafft.
    foto: ap/trovati

    Lara Gut hat es geschafft.

Share if you care.