Kopftuchverbot: Aktionismus ohne Sinn

Kommentar27. Jänner 2017, 17:52
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Das geforderte Kopftuchverbot ist nicht nur bizarr, sondern verleugnet auch die landeseigene Tradition

Es ist ein seltsames Bundesland mit seltsamen Ansichten geworden, dieses bezaubernd schöne Fleckchen Erde namens Burgenland. Galt vor wenigen Jahren noch ein mehr oder weniger großzügiges "Leben und leben lassen" als der burgenländische Way of Life, kann es nun, dank einer rot-blauen Regierung, offenbar nicht streng genug zugehen. Vorläufiger Höhepunkt: Der burgenländische Landtag fordert die Bundesregierung auf, ein Kopftuchverbot für den öffentlichen Dienst verfassungsrechtlich prüfen zu lassen. Den Antrag hatte die Landes-ÖVP gestellt, SPÖ und FPÖ verschärften ihn noch weiter.

Die Aktion ist nicht nur bizarr, sie verleugnet auch die landeseigene Tradition. Fast jeder erwachsene Ostösterreicher nennt eine burgenländische Oma, Uroma, Groß- oder Urstrumpftante sein Eigen, der einst das Tuch am Kopf förmlich angewachsen schien: Die Burgenländerin trug Kopftuch daheim, in der Kirche, auf dem Feld.

Auch der Zeitpunkt ist interessant: In der Bundes-ÖVP in Wien lachte man sich ins Fäustchen, dass just der rote Landeshauptmann Hans Niessl dem schwarzen Integrationsminister Sebastian Kurz für die zähen Regierungsverhandlungen eine Steilvorlage vor dem SPÖ-Tor lieferte.

Zumindest hat Niessl seinem Parteifreund Christian Kern gezeigt, was Regieren in einer rot-blauen Koalition bedeutet: Populismus pur und ohne tieferen Sinn. Die Wirkung auf Kern bleibt abzuwarten. (Petra Stuiber, 27.1.2017)

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