Mexiko sitzt gegen Trump auf dem kürzeren Ast

28. Jänner 2017, 12:00
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Die mexikanische Wirtschaft ist massiv von Abnehmern aus den USA abhängig. Die angedrohten Zölle sorgen daher für diplomatischen Ärger.

Wien – Nur wenige Tage im Amt, scheint eines klar zu sein: Donald Trump macht mit seinen Wahlversprechen Ernst. Der 45. Präsident der USA bricht mit der jüngeren Geschichte des Landes und droht Mexiko offen mit der Einführung von Zöllen. Das ist nicht nur ein Kurswechsel zur auf die Liberalisierung der internationalen Märkte ausgerichteten Politik der Vereinigten Staaten vergangener Jahrzehnte, sondern würde gegen Vereinbarungen im Mexiko-Kanada-Handelspakt Nafta verstoßen. Auch die Welthandelsorganisation, die WTO, limitiert Zölle bei etwa zehn Prozent.

Ob am Ende weniger heiß gegessen als gekocht wird, muss sich zeigen. Jedenfalls ruderte ein Sprecher Trumps am Donnerstagnachmittag bereits zurück. Die Einführung einer Importsteuer sei nur eine von mehreren Optionen, die es gebe, um die Mauer an der Grenze Mexikos zu finanzieren. Südlich von Texas sorgten die Spekulationen jedenfalls für Unmut. Der mexikanische Präsident Enrique Peña Nieto sagte ein angekündigtes Treffen mit Trump in Washington wieder ab.

Handel für USA nicht sehr wichtig

Für das 120 Millionen Einwohner zählende Land steht einiges auf dem Spiel. Es setzt 80 Prozent seiner Exporte in den USA ab. Macht Trump Ernst, könnte die mexikanische Wirtschaft großen Schaden erleiden, viele Jobs wären bedroht. Die Vereinigten Staaten sitzen auf dem längeren Ast. Zwar verdienen sie auch jeden sechsten Exportdollar in Mexiko, die größte Volkswirtschaft der Welt ist aber kaum vom Handel mit anderen Ländern abhängig. Die Exportquote des Landes liegt bei lediglich 13 Prozent. Mexiko erwirtschaftet hingegen ein Drittel seiner Wertschöpfung durch Verkäufe ins Ausland.

Der mexikanische Peso hat seit der Wahl Trumps um über zehn Prozent an Wert verloren: ein Zeichen dafür, dass Anleger eine schwächere Entwicklung der Wirtschaft erwarten. Im Laufe dieser Woche hat er, trotz der Drohungen Trumps, wieder etwas an Stärke gewonnen.

Wirtschaftlicher Nationalismus

Ziehen die USA ihre Zollpläne durch, könnte das andere Länder dazu verleiten, ebenfalls Handelsschranken zu errichten. Das ist in der Geschichte schon oft passiert. Trumps wirtschaftlicher Nationalismus hat in den USA nämlich eine lange Tradition. Seit Gründungsvater Alexander Hamilton – Titelheld des Hitmusicals – Ende des 19. Jahrhunderts hohe Schutzzölle gegen britische Importe durchgesetzt hatte, verfolgten die USA eine merkantilistische Politik. Unter dem demokratischen Präsidenten Woodrow Wilson wurden Zölle ab 1912 gesenkt, schnellten dann aber in den 1920er-Jahren in die Höhe. Nach dem Börsenkrach im Oktober 1929 erließ der republikanisch beherrschte Kongress mit dem Smoot-Hawley-Gesetz die höchsten Zölle der US-Geschichte – und trug damit entscheidend zum Kollaps des Welthandels und der Weltwirtschaftskrise bei.

Erst nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die USA, Republikaner genauso wie Demokraten, zum Vorkämpfer für Freihandel und machten in den GATT-Runden als stärkste Wirtschaftsmacht immer wieder entscheidende Zugeständnisse an die westlichen Verbündeten. Ab den 1960er-Jahren wuchsen allerdings die Handelsbilanzdefizite vor allem mit Japan. Ronald Reagan zog in den 1980ern diverse Handelsschranken auf, um japanische Importe zu bremsen.

Nafta das wichtigste Abkommen

Der Druck auf die US-Regierung wuchs, Branchen wie Stahl, Autos oder Mikroprozessoren zu schützen. Die Außenhandelsdefizite blieben aber bestehen, auch weil der US-Markt trotz aller protektionistischen Einzelmaßnahmen offener sei als die in Europa oder Asien, betonen US-Vertreter.

Und während die USA anfangs auf multilaterale Abkommen im Rahmen von GATT und der WTO gepocht hatten, folgten sie ab den 1990er-Jahren dem Beispiel der EU und vereinbarten immer mehr bilaterale und regionale Freihandelszonen. Das Nafta-Abkommen mit Mexiko und Kanada, das seit mittlerweile 23 Jahren besteht, ist bis heute die wichtigste davon. Es hat die Ökonomien der drei Länder eng aneinandergeschnürt. Nun hängt es von Trump ab, wie es damit weitergeht. (Eric Frey, Andreas Sator, 28.1.2017)

  • Ein mexikanischer Bauer weht mit der Nationalflagge an der Grenze zu den USA. Dass der Nachbar über Zölle nachdenkt, lässt in Mexiko die Sorgenfalten wachsen.
    foto: reuters / jose luis gonzales

    Ein mexikanischer Bauer weht mit der Nationalflagge an der Grenze zu den USA. Dass der Nachbar über Zölle nachdenkt, lässt in Mexiko die Sorgenfalten wachsen.

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