Die geheimnisumwobene Reise

29. Jänner 2017, 14:00
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Donald Trump wird zu schätzen wissen, dass HC Strache mit Gattin Philippa zu Ehren Trumps das Tanzbein schwang und nicht mit Norbert Hofer

In diesem Weltmeer politischer Plagen bot eine Meldung der Menschheit Trost: Strache besuchte den Inaugurations-Ball in Washington. Donald Trump wird das umso mehr zu schätzen wissen als – laut "Österreich" – HC Strache mit Gattin Philippa am Ball zu Ehren Trumps das Tanzbein schwang und nicht, wie andere Berichte nahelegten, mit Norbert Hofer.

Es war der letzte Höhepunkt für FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache bei seiner geheimnisumwobenen US-Reise zur Vereidigung von Donald Trump. Mit Gattin Philippa und weiteren FPÖ-Politikern, wie Ex-Hofburg-Kandidat Norbert Hofer, besuchte Strache einen der Inaugurationsbälle. Welchen, wurde nicht verraten, weil das Tanzvergnügen ja geheimnisumwoben bleiben sollte.

Bei aller Geheimnisumwobenheit faszinierend

Dort traf die Truppe auf Senator Ted Cruz, dem (sic) Ex-Trump-Wahlkampfgegner aus Texas. Das Zusammentreffen des Ex-Hofburg-Kandidaten mit dem Ex-Trump-Wahlkampfgegner muss bei aller Geheimnisumwobenheit faszinierend gewesen sein. Worüber sich die beiden Ex austauschten, wurde nicht verraten. Strache und Co. hatten davor auch Trumps Amtseid am Kapitol mitverfolgt, bekanntlich als einige von geschätzten zwanzig Millionen Mitverfolgern, worauf der FP-Chef im Interview mit "Österreich" sagte: "Trump ist kein typischer Politiker, er drückt den Frust der Bürger aus." Dieses Geheimnis muss er auf dem Inaugurations-Ball erfahren haben.

Der "Kurier" begnügte sich mit einem kleinen Foto, das FPÖ-Chef Strache, mit FPÖ-Abgeordneten Karlsböck und Kunasek als Gäste bei Trumps Angelobung zeigte. Wer die Gäste eingeladen hatte, blieb geheimnisumwoben, deutlich wurde nur, dass die FPÖ-Abgeordneten Karlsböck und Kunasek nicht ganz so schön sind wie Gattin Philippa.

National Rifle Association, Sektion Paintball

Die "Kronen Zeitung" musste, praktisch Zentralorgan der FPÖ, da schon mehr bieten. Ein Foto mit Hofer und Strache als siamesische Zwillinge – an der Schulter zusammengewachsen – sollte Skeptiker von ihrer wirklichen Anwesenheit in Washington überzeugen – wer glaubt schon "Österreich"? Wir hörten uns bei rot-weiß-roten Zaungästen und Anti-Trump-Aktivisten in Washington um, und dabei geschah das Unvermeidliche. Im "Krone"-Gespräch schilderten FPÖ-Chef HC Strache und Norbert Hofer ihre aktuellen Treffen mit Kongress-Abgeordneten. Für die hochkarätig besetzte FPÖ-Delegation war die Angelobung nicht der primäre Reisegrund, wie Strache beim Gespräch mit der "Krone" in Washington betont. Wegen einer solche Petitesse hätte sich die weite Reise gar nicht ausgezahlt. Schließlich gebe es schon seit geraumer Zeit gute Kontakte zu Kongressabgeordneten und Senatoren. Zu welchen, blieb weitgehend geheimnisumwoben.

Nach Obamas Ausscheiden aus dem Amt und der Trump-Wahl könne und wolle man diese ausbauen. So stand ein Abendessen u. a. mit der ultrakonservativen Tea-Party-Frontfrau Michele Bachmann und dem Abgeordneten Ted Yoho auf dem Programm. Der gelernte Tierarzt vertritt den Bundesstaat Florida im Repräsentantenhaus und ist Mitglied der Waffenlobby-Gruppe National Rifle-Association. Das traf sich gut, hat Hofer doch sowohl einen Hund als auch eine Pistole. Und eine Sektion Paintball wird die National Rifle-Association doch haben.

Siamesische Zwillinge

Eher geheimnisumwoben auch der Reisevorbericht in "Zur Zeit", sonst bekannt für Klartexte. "Am Rande der Amtseinführung steht eine Reihe von Gesprächseinladungen mit interessanten politischen Vertretern der Vereinigten Staaten auf unserem dicht gedrängten Terminplan, so Strache. Aber leider: Details ließ Strache offen. Er wäre aber laut seinem Posting um eine "positive Gesprächsbasis zur neuen US-Administration bzw. zu US-Kongressabgeordneten" bemüht. Und "um unnötigen Spekulationen gleich einmal vorzugreifen. Ein Treffen mit dem zukünftigen US-Präsidenten Donald Trump ist nicht vorgesehen", so der FPÖ-Chef. Der wird gekränkt sein.

Strache hat Wichtigeres zu tun, wie wiederum die "Kronen Zeitung" berichtete. Sonntag brachte sie ein Foto der siamesischen Zwillinge, zusammengewachsen diesmal in Jubelpose, mit der Behauptung Strache muss sich gegen Norbert Hofer behaupten. Es nehmen trotz Dementis die Spekulationen kein Ende, dass Hofer der bessere FPÖ-Kanzlerkandidat wäre. Drei Tage später, Mittwoch, dasselbe Foto, etwas vergrößert. Diesmal sollte es trotz Dementis Einigkeit demonstrieren: Strache & Hofer auf Neuwahlkurs. Nur wer Kanzlerkandidat wird, bleibt geheimnisumwoben. Auch egal. (Günter Traxler, 29.1.2017)

  • Artikelbild
    foto: apa/barbara gindl
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