Garmisch-Abfahrt von Stürzen überschattet

27. Jänner 2017, 15:29
164 Postings

Giraud Moine und Nyman mussten mit dem Hubschrauber geborgen werden. Der Franzose ist schwer verletzt. Travis Ganong siegt. Reichelt als Vierter bester Österreicher, auch Mayer und Baumann in den Top Ten

Garmisch – Schwere Stürze haben die erste von zwei Abfahrten auf der Kandahar in Garmisch-Partenkirchen überschattet. Mit dem US-Amerikaner Steven Nyman und dem Franzosen Valentin Giraud Moine wurden zwei Athleten per Ackja geborgen und mit dem Rettungshubschrauber ins Spital gebracht. Den Weltcupsieg holte sich Travis Ganong aus den USA, bester Österreicher wurde Hannes Reichelt als Vierter (+0,59. Sek.)

Die Abfahrt war um einiges schneller als das einzige Training bei noch deutlichen Minusgraden am Vortag. Die aufgrund wärmerer Temperaturen stark veränderten Pistenverhältnisse überraschten viele Rennläufer. Zudem ging vor allem der Kramersprung zu weit, obwohl er bereits um ein paar Zentimeter abgegraben worden war.

"Es geht sicher noch schneller", sagte der achtplatzierte Matthias Mayer (0,98), "aber das steht heute nicht im Vordergrund. Die Verhältnisse haben sich von gestern auf heute sehr geändert, dadurch ist es ein Chaos, ein wildes Rennen geworden. Es gab viele Stürze, bei den beiden Sprüngen ist sehr viel passiert. Oben ist der Erik raus, unten der Steven, und bei der Kompression der Valentin", sagte der Kärntner Abfahrts-Olympiasieger, der im Kampf um ein WM-Ticket sehr gute Chancen hat.

Vom genannten Sturzopfer-Trio hatte der Kanadier Erik Guay enormes Glück, dass er bei dem spektakulär aussehenden Sturz, bei dem er sich im Flug komplett verdrehte, ohne Verletzungen davonkam und selbst noch auf Ski ins Ziel fuhr. Airbag sei Dank. Valentin Giraud Moine zog sich nach Angaben des Organisationskomitees Bandverletzungen an beiden Kniegelenken zu sowie Luxationen beider Kniegelenke, die unter Narkose wieder eingerenkt wurden. Eine Gefäßdiagnostik wurde ebenfalls durchgeführt. Steven Nyman Nyman erlitt eine Bandverletzung höheren Grades am Knie. Auch der Trainingsschnellste Aleksander Aamodt Kilde aus Norwegen brachte kein Ergebnis ins Ziel, er rammte ein Tor, kam aber ohne Sturz davon.

Mit der Abfahrtslinie, erläuterte Mayer, würde man öfters die Riesentorlaufpiste kreuzen, und die sei mit Wasser behandelt worden. "Dort ist es eisig, und sonst ist es relativ weich und griffig und das auch nicht bei jedem Tor gleich." Es sei der erste Tag bei warmen Temperaturen, der Schnee habe sich nicht überall gewandelt. "Wären wir am dritten Tag, wäre es überall gleich. Das war heute ein bisserl das Verhängnis." Dazu käme, dass die WM vor der Tür stehe und viele riskieren, um einen Startplatz zu ergattern.

Ganong fuhr mit Nummer zwölf und unmittelbar nach dem Sturz seines Landmannes und nach langer Wartezeit zum Sieg. Er setzte sich bei seinem zweiten Weltcup-Erfolg nach Santa Caterina 2014 mit 0,38 Sekunden vor dem Norweger Kjetil Jansrud und 0,52 vor dem Südtiroler Peter Fill durch.

"Wenn es hier nur ein bisschen schneller wird, ist alles gleich viel schwieriger, das hat heute einige überrascht. Mich auch. Es war brutal schnell", sagte Jansrud, der nun im Disziplinweltcup mit drei Punkten vor Fill führt. "Heute habe ich ein paar Fehler gemacht, das hat jeder. Der Einzige, der keine gemacht hat, war Travis."

Reichelt fuhrt mit Startnummer eins und patzte oben gleich gehörig, wie es ihm auch schon in Kitzbühel passiert war, holte unten aber mächtig auf. "Immer wieder der Rechtsschwung, das ist ein bisserl zum Ärgern. Aber ich bin froh, dass die anderen Teile gut gelaufen sind. Die perfekte Fahrt schafft hier keiner, kleine Fehler macht jeder, es kommt drauf an, wie man die Ski laufen lässt", sagte der Salzburger, der sich sein WM-Ticket endgültig gesichert haben dürfte.

Romed Baumann kam mit Rang sieben (0,89) der Nominierung für das WM-Abfahrtsteam näher, auch er sah ein komplett verändertes Pistenbild. "Es ist dunkel, da siehst bei der Besichtigung schon nichts, denkst dir, das ist ein Teppich und geht fein. Dann siehst den Hannes mit Nummer eins und denkst dir: Alter, was ist da los", sagte der Tiroler. Der Kramersprung sei am Limit gewesen, meinte auch er. Der Vorteil einer Doppelabfahrt sei, dass man es am nächsten Tag gleich noch einmal besser machen könne.

Vincent Kriechmayr musste nach dem Sturz von Guay am Start länger warten, klassierte sich als 13. (1,44), und gab zu, nicht alles riskiert zu haben. "Beim Kramersprung, wo Nyman gestürzt ist und den ich oben im Fernseher gesehen habe, hab' ich bewusst rausgenommen und ein bisserl gebremst. Es sind noch eine paar Rennen in der Saison, ich wollte sie nicht vorzeitig beenden."

Komplett unzufrieden war Max Franz: (23./2,60): "Ich war eigentlich topmotiviert, ich habe Ski gewechselt und schon in der ersten Kurve null Grip gehabt. Volltopfen. Für mich ist es da herunter brutal schwierig."

Die vierte Saisonabfahrt hat damit den vierten verschiedenen Sieger nach Jansrud (Val d'Isere), Franz (Gröden) und dem Südtiroler Dominik Paris (Kitzbühel) gebracht. (APA, 27.1.2017)

  • Steven Nyman beendete das Rennen im Fangnetz.
    foto: apa/ap/stache

    Steven Nyman beendete das Rennen im Fangnetz.

  • Valentin Giraud Moine wird per Hubschrauber abtransportiert.
    foto: apa/ap/auletta

    Valentin Giraud Moine wird per Hubschrauber abtransportiert.

  • Travis Ganong kann jubeln.
    foto: reuters/rehle

    Travis Ganong kann jubeln.

  • Dieser Sturz von Erik Guay ging ohne Verletzung aus. Airbag sei Dank.

Share if you care.