Kindl krönt sich in Igls zum Sprint-Weltmeister

27. Jänner 2017, 15:03
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Österreichs bester Rodler holt sich Gold, Penz/Fischler rasen zu Silber

Igls – Freudige Erwartung liegt in der klirrend kalten Luft, als am Freitagvormittag die ersten Rodlerinnen und Rodler den Igler Eiskanal hinunterbrettern. Nach zehn Jahren findet endlich wieder eine Weltmeisterschaft im Kunstbahnrodeln auf heimischem Eis statt. Zum Auftakt steht der Sprintbewerb auf dem Programm. Eine besonders spektakuläre Disziplin, bei der es weniger auf den starken Start als auf das Fahrkönnen in der Bahn ankommt. Die Zeitnehmung setzt erst ein, wenn die Rodler schon in voller Fahrt sind. Das liegt den Österreichern.

Tiroler Rodlermärchen

Die zahlreichen Zuseher – man erwartet übers Wochenende rund 10.000 Fans – erleben gleich zu Beginn ein Tiroler Rodlermärchen. Bei den Doppelsitzern holen Peter Penz und Georg Fischler die Silbermedaille. Und das, obwohl das Duo kaum Zeit für die Vorbereitung hatte, da Fischler an einer Herzmuskelentzündung laboriert, die immer noch nicht ganz ausgeheilt ist. "Ein Wahnsinn, unbeschreiblich", ringen die beiden im Zielraum um Worte und Fassung.

Mit Thomas Steu und Lorenz Koller landet der zweite österreichische Doppelsitzer im Finale auf Rang vier. Der Titel geht an die Deutschen Tobias Wendl und Tobias Arlt, Bronze holen ihre Landsleute Toni Eggert und Sascha Benecken.

Der größte Druck lastet am Freitag auf Wolfgang Kindl. Der Lokalmatador aus Natters bei Innsbruck hat mit elf Jahren seine ersten Eiskanalerfahrungen in Igls gesammelt. Nun will er Weltmeister werden. Sechsmal fuhr er in dieser Saison bereits aufs Weltcuppodest, und Kindl dominiert die Trainingsläufe in Igls. Die Sprintdisziplin ist auf ihn zugeschnitten: "Ich bin nicht der beste Starter, aber ein guter Fahrer." Für einen Rodler ist Kindl eigentlich zu klein, denn die sollten mindestens 90 Kilo wiegen und lange, kräftige Arme besitzen, die für die Hebelwirkung beim Start unerlässlich sind.

Kindl behilft sich mit acht Kilogramm Bleigewichten, bis zu 13 sind erlaubt. Sein rund 10.000 Euro teurer Schlitten, der aus Polyester, Stahl und Holz besteht, wiegt 24,5 Kilogramm und ist genau auf ihn zugeschnitten. Jedes Kilo mehr ist gut für die Geschwindigkeit bergab, aber auch schlecht für die Beschleunigung am Start. Es gilt, die ideale Balance zu finden.

Am Freitag findet er sie. Nach Platz zwei in der Qualifikation holt Kindl Gold im Finale. Der 26-Jährige verweist den Russen Roman Repilow und den Italiener Dominik Fischnaller auf die Plätze zwei und drei. Sonntag will Kindl noch einmal nach einer Medaille greifen.

Damen entwickeln sich

Bei den Damen sind die Erwartungen weniger hoch. Das Team ist sehr jung und noch im Aufbau. "Wir wären schon mit einstelligen Ergebnissen zufrieden", sagt Cheftrainer Rene Friedl. Die Innsbruckerin Miriam Kastlunger und die Oberösterreicherin Birgit Platzer schaffen es ins Sprintfinale, wo sie trotz Fahrfehlern die Plätze acht und neun belegen. Der WM-Titel geht an Erin Hamlin aus den USA, Silber holt sich überraschend die Schweizerin Martina Kocher, und die deutsche Topfavoritin Tatjana Hübner ergänzt ihre Medaillensammlung um eine Bronzene.

"Wenn alles passt, kann ich schnell sein", sagt Platzer in Hinblick auf das Damenrennen am Samstag. Als Oberösterreicherin gilt sie als Exotin im von Tirolern dominierten Rodelsport. Die Dominanz der Westösterreicher hat einen simplen Grund: Der einzige Eiskanal Österreichs befindet sich aktuell in Igls. Heuer wird in Bludenz ein zweiter dazukommen. "Aber eine Anlage in Ostösterreich wäre natürlich toll für die Nachwuchsarbeit", sagt der Sportdirektor des österreichischen Rodelverbandes Markus Prock.

Prock zählt zu den österreichischen Rodellegenden. 1987 gewann er seinen ersten WM-Titel in Igls. Insgesamt zehnmal holte er den Gesamtweltcup. Heute steht er mit gemischten Gefühlen neben dem Eiskanal, denn erstmals ist seine 16-jährige Tochter Hannah bei einer WM am Start. Hannah Prock hat das Talent ihres Vaters geerbt. Nur knapp verpasst sie als 20. der Qualifikation das Finale der besten 15.

Zwei Medaillen waren das erklärte Ziel der Österreicher für Igls. Die Pflicht ist am Freitag bereits erledigt, nun folgt die Kür. (Steffen Arora, 27.1.2017)

Ergebnisse der 47. Weltmeisterschaften im Kunstbahnrodeln in Innsbruck-Igls vom Freitag – Sprintbewerbe:

Herren:
1. Wolfgang Kindl (AUT) 32,467 Sek.
2. Roman Repilow (RUS) +0,012 Sek.
3. Dominik Fischnaller (ITA) 0,123
4. Semen Pawlitschenko (RUS) 0,127
5. Taylor Morris (USA) 0,144
6. Andi Langenhan (GER) 0,176

Weiter:
12. David Gleirscher und Armin Frauscher (beide AUT) je 0,261

Damen:
1. Erin Hamlin (USA) 30,074
2. Martina Kocher (SUI) 0,009
3. Tatjana Hüfner (GER) 0,010
4. Emily Sweeney (USA) 0,015
5. Dajana Eitberger (GER) 0,017
6. Tatjana Iwanowa (RUS) 0,025

Weiter:
8. Miriam Kastlunger (AUT) 0,042
9. Birgit Platzer (AUT) 0,043

Doppelsitzer:
1. Tobias Wendl/Tobias Arlt (GER) 29,843
2. Peter Penz/Georg Fischler (AUT) 0,106
3. Toni Eggert/Sascha Benecken (GER) 0,113
4. Thomas Steu/Lorenz Koller (AUT) 0,170
5. Robin Geueke/David Gamm (GER) 0,171
6. Christian Oberstolz/Patrick Gruber (ITA) 0,181

  • Kindl (Mi.) ist Weltmeister.
    foto: örv/eslage

    Kindl (Mi.) ist Weltmeister.

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