Steuerreform und Handwerkerbonus reduzieren Pfusch

27. Jänner 2017, 10:24
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Pfusch sinkt in Österreich auch 2017, so der Linzer Ökonom Friedrich Schneider, ein Aus für die kalte Progression ließe das Volumen der Schattenwirtschaft weiter schrumpfen

Wien – 2017 dürfte die Schattenwirtschaft in Österreich weiter schrumpfen. Der Linzer Ökonom Friedrich Schneider geht davon aus, dass der Pfusch heuer um über 8 Prozent auf 18,9 Mrd. Euro sinkt – oder nur noch gut 7 Prozent des BIP, der tiefste Wert seit den 1990er Jahren und der beste Wert in der EU. Ein Aus für die Kalte Progression könnte den Schattensektor weiter reduzieren, so Schneider zur APA.

Konkret könnte die Ausschaltung der Kalten Progression bei der Lohn- und Einkommensteuer das Pfusch-Volumen um 465 bis 545 Mio. Euro jährlich vermindern, schätzt Schneider. Ohne Abschaffung derselben geht der Uni-Professor für 2017 von 19,6 bis 18,3 Mrd. "Schwarzwirtschaft" aus, je nachdem ob der Entlastungseffekt durch den Handwerkerbonus mit 500 Mio. oder 750 Mio. Euro angesetzt wird.

Die letzte große Steuerreform verringert auch heuer noch stark den Pfusch, da die Konsumenten bzw. Steuerzahler durch die seit damals wirkende Steuerentlastung mehr Geld im Börsel haben und daher in Summe weniger schwarzarbeiten. Dies reduziere heuer den Pfusch um 1 Mrd. Euro, sagt Schneider.

Die Registrierkassenpflicht wird auch heuer noch nicht voll positiv durchschlagen, nimmt der Experte an. Da die neuen Chips vielfach nicht lieferbar seien, glaube er nicht, dass der ab 1. April geplante elektronische Manipulationsschutz hier heuer durchgängig funktionieren wird. Daher setze er die Zusatzeinnahmen heuer nur mit 250 Mio. Euro an, später könnten es 450 Mio. Euro werden. Ursprünglich hatte das Finanzministerium 900 Mio. Euro jährlich mehr erwartet.

Aus für Kalte Progression würde wirken

Weiter gesenkt werden könnte die Schattenwirtschaft in Österreich laut Schneider abgesehen von einem Aus für die Kalte Progression durch weitere Maßnahmen: eine befristete Mehrwertsteuer-Rückvergütung bei arbeitsintensiven Dienstleistungen (etwa am Bau) nach dem auch in Belgien und Frankreich bewährten "Luxemburger Modell", eine – unlimitierte – Fortsetzung des Handwerkerbonus sowie eine Senkung der Lohnnebenkosten. Eine deutliche Entlastung des Faktors Arbeit "um vier bis fünf Prozent, nicht nur um ein oder eineinhalb Prozent" würde weniger Aufträge ins Ausland abwandern lassen, sofort die Arbeitslosigkeit senken und damit auch den Pfusch, ist der Uni-Professor überzeugt.

Während Steuerreform und Handwerkerbonus den Pfusch heuer bremsen, wird er durch steigende Arbeitslosigkeit um rund 285 Mio. Euro und durch Schwarzarbeitsaktivitäten von Flüchtlingen um 192 Mio. Euro gegenüber 2016 angeheizt. Dabei geht der Volkswirtschafter von einem Anstieg der Arbeitslosenzahl um 16.000 Personen gegenüber 2016 aus und setzt die Zahl pfuschender Flüchtlinge mit 40.000 an (Annahme 20 Stunden Tätigkeit pro Woche für fünf Euro/Stunde). Dennoch verringert sich 2017 unterm Strich der Pfusch um 1,723 Mrd. oder 8,35 Prozent, so Schneider.

In der EU wäre Österreich heuer mit einem Pfusch-Anteil von 7,11 Prozent des offiziellen Bruttoinlandsprodukts (BIP) das Land mit der geringsten Schattenwirtschaft, dicht gefolgt von Luxemburg mit 8,2 Prozent und den Niederlanden mit 8,4 Prozent. Insgesamt wird die durchschnittliche Schattenwirtschaft der 28 EU-Staaten heuer von 17,9 auf 17,3 Prozent sinken, geht aus den Berechnungen des Ökonomen hervor.

Baugewerbe und Handwerker führend

Führend beim Pfusch ist in Österreich der Sektor Baugewerbe und Handwerksbetriebe (inklusive Reparaturen), der es auf rund 39 Prozent der Schattenwirtschaft bringt. Solcherart werden laut Schneider 2017 hierzulande in diesen Bereichen der Schattenwirtschaft 7,38 Mrd. Euro umgesetzt, davon in Wien 2,03 Mrd. Euro, in Oberösterreich 1,24 Mrd. Euro und in Niederösterreich 1,20 Mrd. Euro. Es folgen die sonstigen Gewerbebetriebe und haushaltsnahen Dienstleistungen (Nachhilfe, Friseur, Babysitten) mit 17 Prozent Anteil bzw. bundesweit 3,07 Mrd. Euro Volumen. Danach kommen "andere Gewerbe- und Industriebetriebe" (Kfz, Maschinen) sowie "Dienstleistungsbetriebe" (Hotels, Gaststätten) mit jeweils 3,03 Mrd. Euro Schwarz-Umsatz (je 16 Prozent Anteil). Den geringsten Anteil verortet der Pfusch-Experte mit 12 Prozent oder 2,27 Mrd. Euro in der Unterhaltungs- und Vergnügungsbranche.

Nach Bundesländern am bedeutendsten ist der Pfusch in Wien mit 5,21 Mrd. Euro (von bundesweit 18,9 Mrd. Euro), gefolgt von OÖ mit 3,16 Mrd. und NÖ mit 3,07 Mrd. Euro, so die regionale Aufschlüsselung des Volkswirtschafters. (APA, 27.1.2017)

  • Führend beim Pfusch ist in Österreich der Sektor Baugewerbe und Handwerksbetrieb.
    foto: dpa/patrick seeger

    Führend beim Pfusch ist in Österreich der Sektor Baugewerbe und Handwerksbetrieb.

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