Hawaii: Zuckerberg kauft Grundstück, klagt hunderte Landeigner

27. Jänner 2017, 10:17
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"Gesicht des Neokolonialismus" – Facebook-Chef macht Rückzieher nach heftiger Kritik

Mit Klagen gegen hunderte Hawaiianer hat sich Facebook-Chef Mark Zuckerberg in den vergangenen Tagen wenig beliebt gemacht. Zuckerberg hat ein rund 2,8 Quadratkilometer großes Küstengrundstück auf der Insel Kauai erworben. Zahlreiche Teile davon könnten aber eigentlich im Besitz von Nachfahren von Ureinwohnern der Insel sein, deren Eigentümerschaft jedoch nie ausreichend formal dokumentiert wurde.

Mit den sogenannten Quiet Title Actions, die Zuckerberg initiiert hat, wäre sein Anspruch auf das Grundstück rechtlich absicherbar. Als Folge könnten die Besitzer der vererbten Landparzellen gezwungen werden, ihre Grundstücke per Auktion zu verkaufen, schreibt der "Guardian".

"Gesicht des Neokolonialismus"

Das Vorgehen hat für einen Aufschrei im 50. Bundesstaat der USA gesorgt und Zuckerberg auch international Kritik eingebrockt. Ein Professor der University of Hawaii nannte ihn gar "das Gesicht des Neokolonialismus". Nun rudert der IT-Manager zurück.

Aufgrund der Rückmeldungen aus der Inselgemeinschaft überdenke man nun das Vorgehen und wolle über die nächsten Schritte diskutieren. Man wolle die Interessen der Landeigentümer schützen, die Traditionen der Einwohner respektieren und auch die Umwelt bewahren.

Zuckerberg: Wollten Eigentümer finden

Schon zuvor hatte Zuckerberg sich über "irreführende Berichte" beschwert und erklärt, die Klagen seien nur eingereicht worden, um überhaupt herausfinden zu können, wer Parzellen auf dem Grundstück besitze. "Viele dieser Leute werden Geld für etwas erhalten, von dem sie gar nicht wussten, dass sie es hatten. Niemand wird gezwungen, sein Grundstück zu räumen", hatte er in einem Eintrag auf seiner Facebook-Seite geschrieben.

Problematischer Erstkontakt

Der hawaiianische Kongressabgeordnete Kaniela Ing begrüßt Zuckerbergs Rückzieher. Er hatte aufgrund dieser Kontroverse bereits einen Gesetzesentwurf vorgestellt, der vorsah, Grundstückskäufer zu einem Mediationsverfahren mit betroffenen lokalen Landeigentümern zu verpflichten. Er fordert ihn nun auf, die Klagen fallen zu lassen und in Dialog zu treten.

Kritik übt er im Gespräch mit CBC daran, dass Zuckerberg im Vorfeld dieser Angelegenheit nie an die lokale Community herangetreten sei und seine Intentionen erklärt habe. Die Klagsschriften seien für viele Menschen der erste Kontakt mit dem Facebook-Chef gewesen. Und um herauszufinden, wem welche Landstücke gehören, hätte es auch andere Mittel und Wege gegeben. (red, 27.1.2017)

  • Mit seinem Vorgehen hat sich Zuckerberg wenige Freunde gemacht.
    foto: ap

    Mit seinem Vorgehen hat sich Zuckerberg wenige Freunde gemacht.

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