Niki-Mitarbeiter fürchten um Jobs in Wien

27. Jänner 2017, 11:19
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Drei Viertel aller Niki-Flieger sollen vom Flughafen Wien abgezogen werden. Der Betriebsrat fordert eine Jobgarantie und droht mit Streik

Schwechat/Wien – Die Betriebsversammlung wurde nach zwei Stunden bis auf Weiteres unterbrochen, die Mitarbeiter der maroden Air-Berlin-Tochter Niki hatten sich zurück an die Arbeit gemacht. Ihre Forderungen liegen auf dem Tisch. Sie wollen bis nächsten Freitag von der Geschäftsführung wissen, wie es im Unternehmen weitergeht: Wer muss den Hut nehmen, wer ins Ausland wechseln? Antworten, die Niki bislang schuldig geblieben ist. Dass es bald Kündigungen und eine Verlegung von Arbeitsplätzen geben wird, ist aber sehr wahrscheinlich.

Großer Abzug vom Flughafen Wien

Der Umbau der angeschlagenen Mutter Air Berlin trifft Niki hart. Künftig sollen nur noch fünf anstatt der bisher 19 Flugzeuge am Flughafen Wien-Schwechat stationiert sein – damit würden rund drei Viertel wegfallen, und weniger Flugzeuge heißt auch weniger Personalbedarf. Betriebsrat Mischa Osterberger fürchtet deshalb um die Arbeitsplätze vieler seiner Kollegen. Und ärgert sich über die Geschäftsführung: "Von einem Großteil der Umbaupläne haben wir selbst erst über die Medien erfahren." Bereits am vergangenen Mittwoch hat der Betriebsrat einen Forderungskatalog an die Niki-Geschäftsführung übergeben. In der Betriebsversammlung am Freitag diskutierten die Angestellten die Details dann unter sich.

Der Andrang war groß. Und der Frust wohl auch. Rund 350 Niki-Mitarbeiter hatten sich am Flughafen Wien zusammengefunden: Techniker, Flugbegleiter, Piloten, Personal aus der Verwaltung. Über ihre Zukunft herrscht weiter Unklarheit; man wisse noch nicht, wie viele Arbeitsplätze am Standort Wien durch die Umstrukturierung der Airline wegfallen werden, sagte Osterberger. Die Stimmung in der Belegschaft sei deshalb denkbar schlecht, viele Mitarbeiter seien deprimiert und sauer, meinte Lisa Kalaitzis von der Gewerkschaft für Privatangestellte (GPA-djp), die dem Betriebsrat bei den Verhandlungen mit der Chefetage unter die Arme greift.

Zum Rettungspaket für die Air Berlin gehört die Zusammenlegung der Töchter Niki und Tuifly zu einem neuen Ferienflieger, der ebenfalls Niki heißen wird. In Zukunft sollen insgesamt rund 60 Flugzeuge ein Netz von Abflughäfen in Österreich, Deutschland und der Schweiz bedienen. Als Firmensitz ist Wien geplant, es wird aber mit einer starken Verlagerung des Fluggeschäfts nach Deutschland gerechnet. Eigentlich sollte die neue Ferienfluglinie bereits mit dem Sommerflugplan im Mai abheben, zuletzt mehrten sich aber Anzeichen, dass sich der Start verzögern könnte.

Betriebsrat will Jobgarantie und droht mit Streik

Der Betriebsrat fordert jetzt eine Jobgarantie am Standort Wien-Schwechat. Mitarbeiter, die ins Ausland gehen müssen, sollten entsendet werden, das heißt weiter nach österreichischem Arbeits- und Sozialrecht angestellt bleiben. Für jene, die aus privaten oder familiären Gründen nicht ins Ausland wechseln können, müsse es einen Sozialplan geben. Und auch Neueinstellungen dürften nur in Österreich erfolgen, wenn es nach dem Betriebsrat geht. Im Niki-Management gibt es dazu keine Auskunft, man kommentiere keine internen Angelegenheiten.

Sollte die Geschäftsführung innerhalb einer Woche nicht auf die Forderungen eingehen, schließe man auch eine Arbeitsniederlegung nicht aus, sagte Peter Stattmann, Geschäftsführer GPA-djp in Niederösterreich. "Wir wollen jetzt Nägel mit Köpfen machen und erwarten uns eine Antwort. Streik ist das letzte Mittel. Aber wir halten uns die Option offen." Die unterbrochene Betriebsversammlung könne jederzeit wieder aufgenommen werden. (Philipp Bauer, 27.1.2017)

  • Der Umbau der maroden Air Berlin trifft auch die Tochterlinie Niki. Künftig sollen nur noch fünf statt 19 Niki-Flugzeugen am Flughafen Wien-Schwechat stationiert sein.
    foto: getty images/david hills

    Der Umbau der maroden Air Berlin trifft auch die Tochterlinie Niki. Künftig sollen nur noch fünf statt 19 Niki-Flugzeugen am Flughafen Wien-Schwechat stationiert sein.

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