Vormarsch der Hyalomma-Zecken

27. Jänner 2017, 10:11
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Sie sind Überträger des Krim-Kongo-Fieber-Virus (CCHFV) und leben auch in Süd- und Osteuropa – die EU fördert die Entwicklung eines Impfstoffes

Das Virus ist schon lange bekannt, in Zentralasien gab es wahrscheinlich seit Jahrhunderten Krankheitsfälle. In den 1940er-Jahren kam es zu einer Epidemie auf der Krim, isoliert wurde der in die Gattung der Arboviren fallende Krankheitserreger erstmals 1956 im Kongo. Sicher ist der Übertragungsweg: Menschen werden durch Zecken infiziert, die wiederum haben das Virus von Wiederkäuern, also in erster Linie von Rindern, Schafen und Ziegen bekommen.

Eine Übertragung kann jedoch auch direkt durch den Kontakt mit Blut oder Fleisch erkrankter Tiere erfolgen. Von Mensch zu Mensch kann das Virus durch infizierten Urin, Kot, Speichel oder infiziertes Blut übertragen werden. Auch Tröpfcheninfektionen sind möglich. Je schwerer die Erkrankung verläuft, desto mehr Viren werden vom Patienten ausgeschieden. 2006 wurden Todesfälle in der türkischen Provinz Corum am Schwarzen Meer registriert, im Juni in der türkischen Ferienmetropole Antalya. 2016 verstarb erstmals eine Person in Europa in der spanischen Provinz Avila.

Nur für Menschen gefährlich

Während Tiere durch das Virus nicht erkranken, führt die Infektion bei Menschen zu grippeähnlichen Symptomen mit Fieber, Muskel- und Gliederschmerzen sowie neurologischen und gastrointestinalen Beschwerden. Typisch sind auch Gesichtsrötungen, Übelkeit, Bindehaut- und Rachenrötungen.

Bei einem Teil der Erkrankten kommt es zudem zu schweren Blutungen. Deshalb ist die Erkrankung auch als "Hämorrhagisches Krim-Fieber" bekannt. Bis zu 30 Prozent der Erkrankten sterben, der Tod tritt meist in der zweiten Krankheitswoche auf, die Todesursache ist ein Multiorganversagen. Bisher gibt es weder gut wirksame antivirale Therapien noch einen zugelassenen Impfstoff für Mensch oder Tier.

Langfristige Strategie

Im Rahmen eines EU-Projekt soll das deutsche Paul-Ehrlich-Institut in Zusammenarbeit mit dem Friedrich-Löffler-Institut und 14 weiteren Partnern eine Impfung entwickeln. Das CCHFVaccine-Konsortium wird von Ali Mirazimi von der schwedischen Public Health Agency, dem Karolinska Institute und dem schwedischen National Veterinary Institute geleitet .Das Ziel des CCHFVaccine-Projektes ist es, die Entwicklung und Bereitstellung von Impfstoffen gegen CCHFV für Mensch und Tier im Sinne des One-Health-Konzepts voranzutreiben.

Zum einen soll durch Impfung gefährdeter Tiere das Virusreservoir reduziert werden. Zum anderen sollen durch die Entwicklung eines Impfstoffs für Menschen, insbesondere Personen, die in engem Kontakt mit möglicherweise infizierten Tieren stehen, gezielt vor einer Infektion geschützt werden. (red, 27.1.2017)

Zum Weiterlesen:
Statistische CCHFV-Daten vom Robert-Koch-Institut

Tropenkrankheiten: Übertriebene Ängste nicht angebracht

Krim-Kongo-Fieber: Zecke sticht Tier

  • Die Hyalomma-Zecke ist in Süd-Ost-Europa, Asien, dem Nahen und Mittleren Osten und in Afrika beheimatet.
    foto: alan r walker

    Die Hyalomma-Zecke ist in Süd-Ost-Europa, Asien, dem Nahen und Mittleren Osten und in Afrika beheimatet.

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