Drogenbericht 2015: Zahl der registrierten Todesfälle gestiegen

26. Jänner 2017, 13:07
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Der Opioidkonsum bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen geht zurück. Auch die Raucherquote bei den 15-Jährigen wird geringer

Wien – Bis auf einen nicht gut erklärbaren Anstieg der Zahl der drogenbedingten Todesfälle im Jahr 2015 ist die Situation bei den illegalen Suchtgiften in Österreich stabil. Die Raucherquote bei den 15-Jährigen ist in den vergangenen Jahren gesunken, geht aus dem Österreichischen Drogenbericht hervor, der am Donnerstag vorgestellt wurde.

Sucht und Abhängigkeit sind komplexe Erkrankungen, bei denen das chronische Leiden, weniger Substanzen et cetera im Vordergrund stehen. "Das Medium oder der Stoff, nach dem man süchtig ist, ist eigentlich zweitrangig", sagt Martin Busch vom Kompetenzzentrum Sucht der Gesundheit Österreich GmbH (GÖG).

Die Fachleute gehen davon aus, dass in Österreich zwischen 29.000 und 33.000 Menschen eine risikoreichen Opioidkonsum aufweisen. Das sind vor allem Menschen mit Heroingebrauch. Hier hat sich die Situation kaum geändert. Um das Jahr 2013 war man von knapp unter 30.000 Betroffenen ausgegangen.

153 Drogentote registriert

Die positive Entwicklung "zeigt sich bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen" wie Busch erklärte: Seit einem Gipfel von rund 10.000 Personen mit risikoreichem Opioidkonsum um 2004/05 ist die Zahl bis 2015 auf rund ein Drittel (etwa 3.000) gesunken.

Negativ ist allerdings eine andere Zahl: 2014 gab es mit 122 Todesfällen, die direkt mit Suchtgiftkonsum in Verbindung standen, ein Minimum (2009 zum Vergleich: 206 Todesfälle). Im Jahr 2015 wurden wieder 153 Drogentote registriert. Vor allem ältere und nicht im Substitutionsprogramm betreute Drogenkranke waren betroffen.

grafik: apa; quelle: apa/bmgf

Die wichtigste Maßnahme für die Suchtkranken mit dem höchsten Risiko ist das Substitutionsprogramm mit unter sehr strengen Regeln verschriebenen Opioid-Medikamenten. "Etwa 60 Prozent der Betroffenen sind in Behandlung. Das ist im europäischen Vergleich sehr gut", sagt Marion Weigl von der Gesundheit Österreich GmbH. Die Zahl der Behandelten ist von 6.594 im Jahr 2005 auf 17.599 im Jahr 2015 gestiegen. Allerdings weist die Entwicklung eine Plateaubildung auf. Hier könnte eine Verbreitung der erhältlichen Substitutionsmedikamente zu einem weiteren Anstieg führen.

"Ein wichtiger Punkt ist aber auch, dass wir schauen, dass wir die Ärzte haben, die diese Therapie durchführen", sagt Bundesdrogenkoordinatorin Johanna Schopper. In Wien und anderen Ballungszentren sei das nicht so sehr das Problem, es gebe aber noch immer weiße Flecken in den Bundesländern.

Kaum ins Gewicht fallen in Österreich Amphetamin (Methamphetamin) und Designerdrogen. Allerdings war bei sieben Drogentodesfällen im Jahr 2015 hochdosiertes und verunreinigtes Ecstasy im Spiel.

Raucherquote deutlich zurückgegangen

Deutlich zurückgegangen ist die Raucherquote unter den Jugendlichen. Je nach Umfrage (2015) greifen zehn beziehungsweise 16 Prozent der 15-Jährigen täglich zur Zigarette. "Innerhalb der vergangenen zehn Jahre hat sich dieser Anteil aber bei den 15-jährigen Schülern halbiert", sagte Irene Schmutterer von der GÖG. Damit liege Österreich in etwa im EU-Durchschnitt.

grafik: apa; quelle: apa / gesundheit österreich gmbh

Bei den über 15-Jährigen liegt die Raucherquote mit 21 beziehungsweise 24 Prozent (je nach Befragung) allerdings über dem EU-Durchschnitt. Der Hauptverband der Sozialversicherungsträger arbeitet gemeinsam mit verschiedenen Institutionen derzeit an einem neuen Programm für Raucher.

Immerhin haben im Jahr 2015 rund ein Drittel der Zigarettenraucher in Österreich (560.000 Personen) vergeblich versucht, von der Nikotinsucht wegzukommen. 2014 starben 2.449 Männer und 1.456 Frauen an einem Lungenkarzinom. Die Zahl der Rauchertoten insgesamt dürfte in Österreich pro Jahr bei 12.000 bis 14.000 liegen. (APA, 26.1.2017)

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