Filmfestivalförderung: Vorwurf der Intransparenz

26. Jänner 2017, 11:21
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Empfehlungen des Beirats würden "übergangen" werden

Wien – Nach der ersten Runde im Zuge der Neustrukturierung der Filmfestivalförderung in Wien herrscht beim Forum Österreichischer Filmfestivals (FÖFF) Ernüchterung. In einer Aussendung vom Mittwoch wird der Stadt Wien "fehlende Transparenz und Courage" vorgeworfen, nachdem Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SPÖ) die Empfehlungen des neu eingerichteten Experten-Beirats "übergangen" habe.

Im September war die Neuordnung der Mittelvergabe vorgestellt und von beiden Seiten begrüßt worden. Um ein "dynamisches Festivalgefüge" herzustellen und die prekären Arbeitsverhältnisse bei Festivals einzudämmen, soll ein unabhängiger Beirat zweimal jährlich anhand qualitativer Kriterien und realistischer Kalkulationen über die Vergabe der Subventionen beraten und Empfehlungen aussprechen. Die Höhe der Fördermittel bleibt mit 800.000 Euro gleich; der mit 1,5 Mio. Euro subventionierte Festivaltanker Viennale ist von der Neuregelung ausgeschlossen.

Die erste Sitzung für Festivals der ersten Jahreshälfte 2017 fand im November statt, hat laut FÖFF aber nicht die gewünschte Reform gebracht. "Nicht nur ist die angekündigte Transparenz in der Fördervergabe ausgeblieben und bis heute – wie auf Bundesebene – nicht klar, an wen die Mittel der ersten von zwei Tranchen pro Jahr vergeben wurden", heißt es in einer Aussendung der Interessensgemeinschaft, die 13 Filmfestivals in Wien und neun in den Bundesländern vertritt. "Der Stadtrat hat auch die Empfehlungen des ExpertInnen-Beirats übergangen und knapp vor Weihnachten die von der Filmabteilung bereits an die Festivals kommunizierten Summen teils wieder revidiert. Ein solches Vorgehen widerspricht nicht nur den im Vorfeld noch groß angekündigten neuen, transparenteren Regularien, sondern untergräbt auch nachhaltig die Arbeit des Beirats und der betroffenen Festivals."

Stadt Wien kann Vorwürfe nicht nachvollziehen

In der Kulturabteilung der Stadt Wien kann man die Vorwürfe auf APA-Nachfrage nicht nachvollziehen. Die Antragsteller seien telefonisch über die Fördersummen informiert worden und würden ab Montag – sobald die Entscheidungen den morgigen Gemeinderat passiert haben – schriftlich verständigt. Sechs von zehn Empfehlungen des Beirats seien "eins zu eins umgesetzt" worden, den anderen würde "in der Tendenz" gefolgt: Zwei empfohlene, "zum Teil massive" Kürzungen habe Mailath-Pokorny abgefedert, zwei Mittelerhöhungen nicht "im vollen Umfang und Ausmaß" durchgeführt.

Zu letzteren zählt das Kurzfilmfestival Vienna Shorts (VIS), das statt der empfohlenen 50-prozentigen Fördererhöhung (20.000 Euro) für die Ausgabe im Mai nur 5.000 Euro mehr erhält – "und zwar ohne jegliche Begründung", wie in einer eigenen Aussendung beklagt wird. Der Fortbestand des Festivals hänge in weiterer Folge "am seidenen Faden aus privatem Engagement und Selbstausbeutung". Als erste Konsequenzen habe man bereits das Streichen eines Spieltages sowie "herbe Einschnitte beim Programm und auch bei den Spielstätten" beschlossen; neben dem Status als "Oscar Qualifying Festival" sei mittelfristig auch die EU-Förderung (25.000 Euro) gefährdet.

Der Einreichtermin für Festivals, die in der zweiten Jahreshälfte 2017 stattfinden, folgt Mitte Februar. Die folgenden Entscheidungen würden sich auf nur ein Jahr beschränken und könnten in weiterer Folge anders ausfallen, wird vonseiten der Stadt betont. "Bei allen Neuerungen gibt es eine Konsolidierungsphase." (APA, 26.1.2017)

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