Wechsel an SPD-Spitze kommt bei Deutschen gut an

26. Jänner 2017, 10:50
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Fast 70 Prozent glauben an erfolgreichen Neuanfang der SPD mit Schulz statt Gabriel

Berlin – Der Verzicht von Sigmar Gabriel auf die SPD-Kanzlerkandidatur zugunsten von Martin Schulz stößt bei den Deutschen offenbar auf Zustimmung. Dem neuen ARD-"Deutschlandtrend" zufolge glauben 69 Prozent der Befragten, dass der SPD mit Schulz ein Neuanfang gelingen wird. Von den SPD-Anhängern sind 85 Prozent dieser Meinung.

79 Prozent finden demnach gut, dass Gabriel dem früheren EU-Parlamentspräsidenten den Vortritt gelassen hat. 65 Prozent geben allerdings an, bisher nicht zu wissen, für welche Politik Schulz eigentlich steht. Rund die Hälfte (51 Prozent) ist der Auffassung, dass Schulz ein gutes Gespür für die Sorgen der Bürger hat. 45 Prozent finden es problematisch, dass er bisher keine Erfahrung in der deutschen Bundespolitik hat. Für den "Deutschlandtrend" wurden am Mittwoch 1.011 Bürger befragt.

Gabriel soll Außenminister werden

Der bisherige Wirtschaftsminister und SPD-Chef Gabriel gibt seine Ämter ab und löst Frank-Walter Steinmeier (SPD) als Außenminister ab, der am 12. Februar zum neuen Bundespräsidenten gewählt werden soll. Schulz soll auch neuer SPD-Chef werden.

58 Prozent der Deutschen sind einer weiteren Umfrage zufolge der Meinung, dass Schulz als SPD-Kanzlerkandidat besser abschneiden wird, als es Gabriel getan hätte. Knapp jeder Vierte (23 Prozent) hält einer Insa-Umfrage zufolge Gabriel für chancenreicher als Schulz, jeder Fünfte (19,5 Prozent) hat dazu keine Meinung, wie die "Bild"-Zeitung am Donnerstag berichtete.

Bei einer Direktwahl des Bundeskanzlers läge Schulz dagegen deutlich hinter Amtsinhaberin Angela Merkel (CDU). Vier von zehn Befragten (40,5 Prozent) würden für Merkel stimmen, 25,5 Prozent für Schulz. Jeder Dritte (34 Prozent) möchte für keinen der beiden stimmen. Für die Insa-Umfrage wurden am Dienstag und Mittwoch 1.009 Wahlberechtigte befragt.

Die FDP steht trotz des Wechsels an der SPD-Spitze einem Bündnis mit SPD und Grünen nach der Bundestagswahl im September sehr skeptisch gegenüber. Der FDP-Vorsitzende Christian Lindner sagte der "Bild": "Martin Schulz ist innenpolitisch eine Blackbox. Ich bezweifle, ob mit ihm der Schwenk zurück zur Agenda 2010 kommt." Die FDP mache Koalitionen an Inhalten fest.

Der stellvertretende Präsident des Europaparlaments, Alexander Graf Lambsdorff (FDP), kritisierte Schulz' Eintreten für die Aufnahme gemeinsamer Schulden der Euroländer. "Im Bundestagswahlkampf könnte Schulz seine positive Haltung für Eurobonds auf die Füße fallen", sagte Lambsdorff der "Rheinischen Post" vom Donnerstag. "Für Schulz könnte das die Frage aufwerfen, ob er als Kanzler die Interessen Deutschlands und der deutschen Steuerzahler wahren kann." (APA, 27.1.2017)

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