Gemeindebriefe werden nun auch von Privaten gebracht

27. Jänner 2017, 07:00
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Bürger lassen sich amtliche Dokumente vermehrt elektronisch zusenden. Aber auch bei der klassischen Amtspost steigt die Zustellkonkurrenz

Wien – Die Liberalisierung des österreichischen Postmarktes macht auch vor der Gemeindepost nicht halt. Kommunen können bei der Zustellung von Gemeindezeitungen, Postwurfsendungen oder Bescheiden mittlerweile den Anbieter wählen und sind nicht mehr auf die mehrheitlich staatliche Post AG angewiesen. Zustelldienste brauchen dafür eine entsprechende Lizenz, die beispielsweise ausreichenden Datenschutz garantiert.

In der niederösterreichischen Stadt Berndorf war bisher die Post für den physischen Versand aller kommunalen Schriftstücke verantwortlich. Ab Ende Jänner übernimmt der Anbieter HPC Dual diese Aufgabe. Die Zustellung von gedruckten Dokumenten ist eine Erweiterung des Kerngeschäfts des Wiener IT-Unternehmens, nämlich der elektronischen Zustellung von Schriftstücken.

Jede Dritte Gemeinde bietet E-Service

Berndorf ist laut Angaben von HPC-Dual-Chef Josef Schneider eine von bereits 800 österreichischen Gemeinden, die ihren Bürgern die Möglichkeit der E-Zustellung anbieten. Laut dem Berndorfer Stadtamtsdirektor Franz Grill nutzen zumindest in seiner Gemeinde noch relativ wenige Menschen das Service. Zahlen dazu gibt es nicht.

Grill sagte dem STANDARD, die Gemeinde erspare sich bei der physischen Auslieferung mit der nun erfolgten Umstellung auf den privaten Anbieter geschätzt 4.000 bis 5.000 Euro pro Jahr. Dabei geht es sowohl um Massenzustellungen – wie etwa bei der Gemeindezeitung – als auch um persönlich adressierte Dokumente. Dass nach der Umstellung 15 bis 20 Prozent weniger Kosten anfielen, habe auch damit zu tun, dass die Post die Portogebühren per 1. Jänner erhöht habe. Für die Auftragsvergabe ist keine Ausschreibung notwendig, sie erfolgt direkt.

Zahlreiche regionale Anbieter

Neben HPC Dual, die eine österreichweite Lizenz für die Zustellung von offiziellen Dokumenten hält, gibt es noch zahlreiche regionale Anbieter. Eine Sprecherin der Post sagte auf Anfrage, diese Konkurrenzsituation herrsche schon länger und sei stabil. Zahlen dazu, wie viel Umsatz die privaten Anbieter der Post abspenstig machen, liegen nicht vor.

Gemeindebundsprecher Daniel Kosak hält es für sinnvoll, dass Kommunen über mögliche Einsparungen bei Dokumentenzustellungen nachdenken, auch wenn diese im Verhältnis zu anderen Budgetposten gering sind. Noch würden Portokosten nur selten hinterfragt.

Ausweitung geplant

HPC-Dual-Chef Schneider sagte dem STANDARD, man wolle den Abdeckungsgrad bei den Gemeinden bis Ende kommenden Jahres auf 85 Prozent steigern. "In den bisherigen 800 Gemeinden verschicken wir durchschnittlich 25 Prozent der anfallenden Dokumente elektronisch. Je kleiner die Gemeinde, desto leichter lässt sich üblicherweise ein größerer Prozentsatz erreichen." Nun will man der Post AG auch Anteile am großen Rest der physischen Zustellung streitig machen.

"Wir haben den Vorteil, dass wir nicht flächendeckend ausliefern müssen wie die Post. Vom Druck bis zur Auslieferung erfolgt alles regional, wir ersparen uns deshalb große Verteilerzentren", sagt Schneider zu den Gründen, warum man günstiger als die Post ausliefern könne.

Das Geschäft mit den Gemeinden mache derzeit rund 60 Prozent des Umsatzes aus. Der Rest sind elektronische Auslieferungen für Bezirke, Länder und Bund, für das Bundesheer, aber auch für private Unternehmen. (Simon Moser, 27.1.2017)

  • Post-Briefträger haben es im Winter nicht immer leicht. In Berndorf ist ihnen nun das Geschäft mit der Gemeindepost entglitten.
    foto: apa-foto: robert jaeger

    Post-Briefträger haben es im Winter nicht immer leicht. In Berndorf ist ihnen nun das Geschäft mit der Gemeindepost entglitten.

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