Trump beharrt auf unsicherem Android-Smartphone

26. Jänner 2017, 08:55
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Weigert sich, sein Galaxy S3 abzugeben – Üblicherweise nur speziell gesicherte Geräte für US-Präsidenten erlaubt

Eigentlich gibt es für US-Präsidenten ganz klare Vorgaben: Aus Gründen der nationalen Sicherheit ist es ihnen untersagt, ein handelsübliches Smartphone zu benutzen. Damit will man verhindern, dass der mächtigste Mann der Welt ein allzu leichtes Ziel für Hackerattacken wird. Einen scheinen all diese Regeln bisher aber recht wenig zu tangieren: Donald Trump.

Smartphone-Liebe

Laut einem aktuellen Bericht der "New York Times" weigert sich US-Präsident Trump, sein bisheriges Android-Smartphone abzugeben. Aktuell benutze er es regelmäßig, um beim abendlichen Fernsehen im Weißen Haus nebenbei zu tweeten, heißt es unter Berufung auf interne Quellen. Diese scheinen auch durch einen kurzen Blick auf seinen Twitter-Account bestätigt zu werden: Dort ist zu sehen, dass ein Teil seiner aktuellen Tweets weiter von einem Android-Smartphone abgesendet wird.

Fünf Jahre alt

Besonders brisant macht die Angelegenheit, welches Gerät Trump einsetzt: Anhand mehrerer Fotos kommt Android Central zu dem Schluss, dass es sich dabei aller Wahrscheinlichkeit nach um ein Galaxy S3 handelt.

Ein Galaxy S3 von Samsung.

Das Samsung-Smartphone wurde vor rund fünf Jahren vorgestellt, Sicherheitsupdates erhält es dementsprechend schon lange nicht mehr. Die darauf laufende Version ist Android 4.4 "Kitkat", womit ihm auch zahlreiche zentrale Sicherheitsverbesserungen fehlen, die Google in den letzten Jahren an dem Betriebssystem vorgenommen hat. Aktuell ist Android bereits bei der Version 7.1.1 angekommen.

Sicherheitscheck

Die veraltete Softwareversion öffnet gezielten Phishing- und Malware-Angriffen Tür und Tor, so sollte es für versierte Hacker nicht sonderlich schwer sein, einen passenden Exploit zu finden, um sich auf dem Gerät zu verankern. Trump müsste für eine erfolgreiche Attacke lediglich dazu gebracht werden, einen Link anzuklicken oder ein Attachment zu öffnen. Infolge wäre es dann beispielsweise theoretisch möglich, das Mikrofon des Geräts zu nutzen, um Gespräche in der Umgebung abzuhören. Damit wäre das Smartphone selbst dann eine Gefahr für die nationale Sicherheit, wenn es Trump sonst für keinerlei sensible Kommunikation nutzt.

Sicherheitsmaßnahmen

Es ist davon auszugehen, dass das Beharren des neuen Präsidenten auf sein eigenes Smartphone dem Secret Service einiges an Kopfzerbrechen bereitet. Zum Vergleich: Trumps Vorgänger Obama musste jahrelang mit einem in seiner Funktionalität stark beschränkten Blackberry auskommen. Gegen Ende seiner Amtszeit hatte er dann schlussendlich ein Galaxy S4 erhalten, das aber zuvor ebenfalls von den US-Geheimdiensten extra abgesichert und mit eigener Software versehen wurde. In einem TV-Interview verglich Obama vergangen Sommer das Gerät mit einem "Spielzeug für Dreijährige": Es könne weder Fotos aufnehmen noch SMS versenden, auch die Wiedergabe von Musik klappt nicht.

Ablehnung

Laut einem Bericht aus der Vorwoche hat Trump übrigens sehr wohl bereits ein solches Spezial-Smartphone vom Secret Service erhalten. Öffentlich gibt er sich dabei auch von dessen Sicherheit begeistert: "Die Worte explodieren in der Luft", wird Trump zitiert. Freilich kann er mit dem Gerät kein Twitter nutzen, weshalb er offenbar weiterhin lieber zu seinem alten Privatgerät greift. (Andreas Proschofsky, 26.1.2017)

  • US-Präsident Donald Trump will nicht von seinem alten Android-Smartphone ablassen.
    foto: apa/afp/saul loeb

    US-Präsident Donald Trump will nicht von seinem alten Android-Smartphone ablassen.

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