Cineplexx hält Kinosterben für Mythos

26. Jänner 2017, 07:00
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Der Marktführer ist kein US-Konzern, sondern ein österreichischer Familienbetrieb. Zu schaffen macht ihm die Vergnügungssteuer

Wien – Christian Dörfler kann das Wehklagen rund ums Sterben der Kinos nicht mehr hören. Klar sperre da und dort einmal eines zu. An anderer Stelle aber starteten neue, und die Zahl der Säle sei in Österreich stark gestiegen. "Wie in jeder anderen Branche gibt es auch in unserer ein stetes Kommen und Gehen, was völlig normal ist. Dennoch sieht mich jeder an, als wäre ich unheilbar krank, sobald ich erzähle, dass ich ein Kino besitze."

Dörfler ist Eigentümer des Wiener Haydn-Kinos und Branchensprecher. Den Tod der Lichtspielhäuser sieht er auch in ferner Zukunft nicht nahen. "Ins Kino gehen, das heißt raus aus den eigenen vier Wänden, das ist Ausgehen mit Gleichgesinnten."

Starke Konkurrenz

16 Millionen Besucher spielten in Österreichs Filmtheatern 2015 136 Millionen Euro Umsatz ein. Es war ein Rekordjahr, trotz der Konkurrenz durch neue Medien und illegale Downloads. 2016 bremsten Ereignisse wie die Fußball-EM den Zustrom um rund acht Prozent, rechnet Dörfler vor, endgültige Zahlen liegen noch nicht vor. Heuer zeichne sich dank zugkräftiger Filme wieder eine Rückkehr aufs hohe Niveau von 2015 ab.

Kino als Gemeinschaftserlebnis wird es immer geben, glaubt auch Christian Langhammer, der dem Nimbus eines permanenten Sterbens ebenso wenig abgewinnt. "Jeder hat seine eigene Küche. Trotzdem isst jeder gerne auswärts."

Der Wiener ist in der Welt der Filme aufgewachsen. "Ich ging ins Kino, während die anderen Kinder Fußball spielten. Ich verkaufte Tickets, riss Karten ab, räumte den Saal auf, legte die Vorführprüfung ab." Sein Großvater war einst Mitinhaber von Czerny Film, sein Vater trug zur Gründung des Filmverleihers Constantin bei und eröffnete eigene Spielstätten.

Familienunternehmen schlägt Konzerne

Seit 2002 ist Österreichs größter Filmverleiher zur Gänze in Hand seiner Familie. Mit der Cineplexx-Gruppe ist Langhammer zugleich Österreichs größter Kinobetreiber und holte sich Schritt für Schritt auch in zahlreichen Ländern auf dem Balkan die Marktführung.

45 Standorte in zehn Ländern mit mehr als 300 Sälen setzten im Vorjahr seinen Angaben zufolge 127 Millionen Euro um. Ein Zehntel davon steuert der Verleih bei.

Österreich zählt in Summe 138 Kinos. 25, darunter sechs traditionelle wie das Urania, Actors, Artis und Geidorf, laufen unter Langhammers Dach. Dass hinter den Kulissen von Cineplexx mit seinen 1.300 Mitarbeitern kein riesiger US-Konzern, sondern ein österreichisches Familienunternehmen steht, verwundere viele, sagt Langhammer. Er selbst scheut große Bühnen. Auch Eröffnungen seiner neuen Spielstätten, heuer sind es deren fünf, überlässt er lieber anderen. Im Zuschauerraum ist er hingegen Stammgast.

Kino statt nackte Zahlen

"Film und Kino sind mein Leben und Hobby." Er reise viel, verbringe seine Wochenenden in Kinos, sagt Langhammer. "Ich sehe mir an, was andere besser machen und was wir selbst nicht wollen. Jeden Montag nur die Zahlen auf den Tisch zu bekommen – es wäre eine schreckliche Vorstellung."

85 Millionen Euro steckt Cineplexx innerhalb von sieben Jahren bis 2018 in den Markt. Wobei die Herausforderung nicht sei, Kinos zu bauen, sondern sie zu betreiben, resümiert Langhammer. Vor allem im Osten brauche es einen langen Atem. Ob in Serbien, Kroatien, Slowenien, Montenegro, Albanien oder Griechenland: Cineplexx mietet sich vor allem in große Einkaufszentren ein. Die Ticketpreise variieren je nach Land zwischen drei und neun Euro. Die Höhe der Investitionen entspricht jener in Österreich. Das wieder hereinzuspielen, sei kein einfaches Unterfangen. Wie es gelingt, gegen große internationale Ketten zu bestehen? "Um Märkte in Osteuropa zu verstehen, braucht es gute Leute an Ort und Stelle. Und es sprach sich dort herum, dass wir unsere Mieten pünktlich bezahlen."

Aus Ländern, die bereits große Rivalen unter sich aufteilen, hält sich Langhammer zurück. Es bringe einfach nichts, sagt er, dort seine Kräfte zu verschwenden.

Chinesischer Expansionskurs

Weltweit mischen derzeit Chinesen die Branche gehörig auf. Die Wanda-Gruppe erwarb erst jüngst die Kinoketten Odeon & UCI, nun bietet sie um Nordic Cinema mit 118 Kinos in Skandinavien und im Baltikum. Geht der Deal bei der Kartellbehörde durch, kontrolliert der chinesische Mischkonzern in Bälde 1.000 Kinos in 15 Ländern.

Langhammer arbeitet mit rund 15 Millionen Euro an operativem Cashflow. Was er verdiene, fließe wieder in den Betrieb zurück. "Luxus und Statussymbole haben für mich keine große Bedeutung."

Schmerzhafte Vergnügungssteuer

Was ihn finanziell schmerzt, ist die Vergnügungssteuer. Wien hat sie abgeschafft, in anderen Städten und Gemeinden ist sie, abhängig vom Gutdünken der jeweiligen Bürgermeister, gang und gäbe.

"Veraltet und ineffizient" nennt Langhammer sie. "Und es ist auch nicht nachvollziehbar, warum ein Film im Kino steuerlich belastet wird, der Kauf einer DVD jedoch nicht." Ein typisches Beispiel für Österreichs Föderalismus sieht auch Brachensprecher Dörfler darin. Ob die Steuer aufs Vergnügen eingehoben wird, hänge in der Regel vom Inhalt der Gemeindekassen ab. "Die Kinobetriebe bringt sie ins Ungleichgewicht." (Verena Kainrath, 26.1.2017)

  • So rosig wie die Beleuchtung ist das Kinogeschäft nicht. 138 Spielstätten teilen sich in Österreich rund 16 Millionen Besucher.
    foto: apa

    So rosig wie die Beleuchtung ist das Kinogeschäft nicht. 138 Spielstätten teilen sich in Österreich rund 16 Millionen Besucher.

  • Cineplexx-Eigentümer Langhammer: Familienbetrieb mit 1.300 Mitarbeitern.
    foto: cineplexx

    Cineplexx-Eigentümer Langhammer: Familienbetrieb mit 1.300 Mitarbeitern.

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