"Punkt!" ohne Beistrich in der Hose: Neues Magazin

26. Jänner 2017, 07:00
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Neues Gesellschaftsmagazin will in Österreich und Deutschland reüssieren

Wien – Stünden die Themen #MachtPornoTerror im Mittelpunkt einer Onlineausgabe, wären das wohl Garanten für viele Zugriffe, nur: "Wir zielen nicht auf großartige Klicks ab", sagt Christian Seidel. Deswegen konzipierte er das Magazin "Punkt" auch als Print- und nicht als Onlinemagazin: "Ich bin der Meinung, dass man mit einem hochwertigen Produkt und guten Geschichten immer noch Erfolg haben kann." Auch in Zeiten schwindender Print-Erlöse.

Mit der Gründung des Magazins verwirklicht der ehemalige "Autorevue"-Journalist aus der Verlagsgruppe News seinen "Traum", betont er im STANDARD-Gespräch. Los geht es am Donnerstag.

Inhaltlich möchte er "Punkt!" als "Gesellschaftsmagazin" positionieren: Angesiedelt sei es zwischen den Magazinen "Datum" und "Fleisch", hier ortet er eine Lücke: "Wir sind nicht ganz so politisch wie 'Datum', aber auch nicht ganz so unpolitisch wie 'Fleisch'."

"Tindergarten"

Punkten soll das Magazin bei den Lesern vor allem mit Qualität, sagt er: Dazu gehören in der ersten Ausgabe etwa Interviews mit dem Schauspieler Cornelius Obonya und der Schriftstellerin und Kolumnistin Julya Rabinowich, eine Reportage über Wrestling und ein Essay über die Rolle von Religionen, aber auch leichtere Elemente wie eine Glosse über die Nachbarn oder den "Tindergarten", wo Profile aus den Untiefen der Dating-App Tinder präsentiert werden. "Außerdem versuchen wir für jedes Heft einige gute Fotografen zu bekommen."

"Punkt!" soll mit einer Auflage von 15.000 Exemplaren vierteljährlich mit jeweils einem Schwerpunktthema erscheinen. Vorerst, denn derzeit reichen die Ressourcen noch nicht für eine höhere Frequenz. Der Vertrieb sei aber zumindest für ein Jahr gesichert – auch weil Autoren und Fotografen noch zu "Freundschaftspreisen" arbeiten. Das soll sich aber ändern, verspricht Seidel: "Ich lege großen Wert darauf, dass jeder auch fair bezahlt wird."

Abo später

In den Markt bringt das Magazin mit Sitz in Wien der Deutsche Pressevertrieb (DPV), deswegen kostet das Heft in Österreich auch 7,90 Euro, in Deutschland aber nur 6,90. "Punkt!" soll länderübergreifend funktionieren, an Bord sind auch deutsche Journalisten, denn: "In Österreich wäre das höchstens als Liebhaberprojekt möglich, bei dem man draufzahlt, aber gemeinsam mit dem 80-Millionen-Markt in Deutschland sollte es klappen." Der Grund? "Das hören zwar weder die Deutschen noch die Österreicher gerne, aber: Wir sind uns dann doch ähnlicher, als man denkt."

Spätestens mit der zweiten Ausgabe möchte Seidel neben dem Einzelverkauf auch ein Abomodell anbieten: "Jetzt kann ich mir das noch nicht leisten." Was sich der 36-Jährige derzeit auch noch nicht leisten kann, ist eine Anzeigenabteilung. Werbung fehlt noch in "Punkt!": "Ich gehe davon aus, dass es ein Jahr ohne Anzeigen gutgeht." Spätestens dann heißt es keilen: "Noch kann ich mir die Arroganz leisten und sagen, dass ich lieber Ökostrom als Kunden als die OMV hätte." (Oliver Mark, 26.1.2017)

  • So sieht er aus, der erste "Punkt!".
    foto: punkt

    So sieht er aus, der erste "Punkt!".

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