Kälte und Erzeugungsengpässe treiben Strompreis

25. Jänner 2017, 17:14
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Erstmals seit 2008 kostet elektrische Energie mehr als 100 Euro je Megawattstunde. Die CO2-Ziele wackeln

Wien – Es ist ein Winter, wie er früher einmal war – mit Schnee in weiten Teilen des Landes und Kälte, die bereits geraume Zeit anhält. Die Strompreise sind steil nach oben geschossen – mit Notierungen jenseits der 100 Euro-Marke je Megawattstunde (MWh). So teuer war Strom zuletzt im Herbst 2008, vor Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise.

Für Werner Brandauer und Günter Pauritsch von der Austrian Energy Agency (AEA) hängt der Ausbruch der Strompreise mit den tiefen Jänner-Temperaturen zusammen, die den Raumwärmebedarf stark erhöht haben. Zudem gibt es europaweit Engpässe in der Stromproduktion, weil Kernkraftwerke in Frankreich und der Schweiz in Revision sind und zudem Wasser, Wind und Sonne in erheblichem Maß auslassen.

So erzeugt das Kraftwerk Freudenau aufgrund des Niedrigwassers derzeit nur 80 MW: Das entspricht 45 Prozent der Engpassleistung von 172 MW.

Die Einspeisung von Windenergie in Deutschland fällt aufgrund der Großwetterlage mit rund einem Gigawatt (GW) sehr niedrig aus. Zum Vergleich: Die gesamte installierte Windkraftleistung liegt in Deutschland bei über 40 Gigawatt.

Schwächelnde Photovoltaik

Dasselbe gilt für Photovoltaik, die im Winter bei ungünstiger Sonneneinstrahlung, Nebel und Schnee auf den Paneelen nur einen Bruchteil ihres Potenzials leisten kann. Im Schnitt der letzten Tage konnten in der Mittagsspitze nur rund zwei GW eingespeist werden, fünf Prozent der installierten 40 Gigawatt Peak.

Folge ist, dass alle verfügbaren Kraftwerke am Netz sind, auch thermische wie Mellach oder Dürnrohr. Im Hinblick auf die beim Klimagipfel in Paris vereinbarten Ziele, den Temperaturanstieg durch Zurückdrängen fossiler Energien einzudämmen, sei dies doppelt zu hinterfragen, sagten AEA-Experten dem STANDARD. Sie appellieren an die politisch Verantwortlichen, mit der angekündigten Sanierungsoffensive (Gebäudedämmung) ernst zu machen. Während am Land ein Umstieg von Heizöl oder Gas auf Pellets oder Wärmepumpe bei Adaptierung des Anreizsystems vergleichsweise einfach sei, gestalte sich der Systemwandel in der Stadt aufgrund unterschiedlicher Eigentümerinteressen komplizierter. Fernwärme, möglichst mit erneuerbaren Energien produziert, sei der Vorzug zu geben. Tiefe Geothermie könne wie großflächige Solarthermie ein wichtiger Teil der Lösung in der Stadt sein.

Im Strombereich seien Grundlastkraftwerke auf Basis von Biomasse essenziell. Großspeicher könnten helfen, Ausfälle bei Wind und Sonne zu überbrücken. Wenn sich die Politik nicht bald zu Entscheidungen aufraffe, seien die CO2-Ziele Schall und Rauch. (Günther Strobl, 25.1.2017)

  • Zur Produktion von Strom wird herangezogen, was da ist.
    foto: apa/dpa/julian stratenschulte

    Zur Produktion von Strom wird herangezogen, was da ist.

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