"Maguss" angespielt: Das "Harry Potter"-Spiel für "Pokémon Go"-Fans

    1. Februar 2017, 10:01
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    Augmented-Reality-Zauberspiel zeigt Potenzial, kämpft aber noch mit zahlreichen Fehlern

    Als im Sommer 2016 der große Hype um "Pokémon Go" losbrach, ließen alternative Ideen für Augmented-Reality-Games nicht lange auf sich warten. Fans des "Harry Potter" plädierten etwa für ein "Harry Potter Go".

    Eine Smartphone-Umsetzung des Hogwarts-Universums ist bis dato nicht in Sicht, doch wer sich trotzdem virtuell zum Magier ausbilden und mit anderen Zauberern messen möchte, wird dies künftig tun können. In Kopenhagen arbeitet ein Entwicklerteam an "Maguss". Das Free2Play-Game für Android und iOS verwandelt die Umgebung in eine gemeinsam bespielte Fantasy-Rollenspielwelt. Der GameStandard hat einen ersten Ausflug in das Reich der Magie unternommen.

    screenshot: maguss alpha 2.0
    Die Kartenansicht von "Maguss".

    Per Crowdfunding finanziert

    Finanziert wurde die bisherige Entwicklung von "Maguss" unter anderem über eine Crowdfundingkampagne auf Indiegogo, mit der das Team bisher über 120.000 Dollar einspielen konnte. Die Entwicklung schreitet kontinuierlich voran, liegt aber ein paar Wochen hinter Plan. Anstelle der ersten Betarunde wurde kurz vor Weihnachten die "Alpha 2.0" veröffentlicht, auf welcher dieser Bericht basiert. Mit der Fertigstellung des Games war urpsrünglich im kommenden Mai gerechnet worden – ob dieser Plan halten wird, bleibt abzuwarten.

    Die Pläne sind ambitioniert. "Maguss" soll zahlreiche klassische Rollenspielelemente erhalten. Als Zauberer erhält man durch Kämpfe und diverse Aktionen Erfahrungspunkte und steigt im Level auf. Je nachdem, was man tut, verbessern sich auch viele einzelne Fertigkeiten, die ebenfalls abgestuft sind. Mit dem Fortschritt erhält man etwa mehr Lebensenergie oder Boni. Diese sind teilweise schon eingepflegt, so erweitert sich nach einigen Aufstiegen beispielsweise der Aktionsradius auf der Karte.

    screenshot: maguss alpha 2.0
    Die vier Fraktionen.

    Laufen auf der virtuellen Karte

    Wie "Ingress" und "Pokémon Go" verwandelt auch "Maguss" die Umgebung in eine virtuelle Karte, auf der man sich dank GPS-Ortung real fortbewegt. Darauf verteilt findet man derzeit Zutaten zum Brauen von Tränken sowie mythische Monster, gegen die man kämpfen kann. Sichtbar sind auch andere Spieler, sofern sie sich wiederum innerhalb des eigenen Interaktionsradius befinden. Später sollen sich auch Dungeons hinzugesellen, die für kooperatives Abenteuern ausgelegt sein werden.

    Während die umgewandelte Karte noch grobpixelig und rudimentär ausgestaltet ist, lassen die Zeichnungen der Computergegner Liebe zum Detail erkennen. Der künstlerische Stil von "Maguss" passt gut ins gewählte Fantasy-Setting und vermag zu gefallen – wobei es sich hier natürlich ein Kriterium des persönlichen Geschmacks handelt. Auch Sound und Musik untermalen das Geschehen gut, wenngleich die akustische Varianz aktuell noch sehr enden wollend ist.

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    Der Alchemie-Bildschirm.

    Tutorial und Quests

    Bevor man sich ins Abenteuer stürzt, gilt es eine von vier Fraktionen zu wählen, deren Beschreibungen allerdings noch mehr Differenzierungen vertragen könnten. Spielerisch macht die Wahl aktuell noch keinen Unterschied, zumal ohnehin noch keine Story vorhanden ist. Anschließend führt ein gut gemachtes Tutorial durch die Grundfunktionen des Spiels, vergisst allerdings, auf die Existenz der Quests hinzuweisen.

    Diese kann der Spieler aus einer Liste wählen und gegen Belohnungen abarbeiten. Sie erweitern das Tutorial und dienen dazu, Spieler motiviert zu halten. Allerdings ist ihre Implementierung auch noch limitiert und ein Großteil der Aufträge beschränkt sich noch darauf, eine bestimmte Zahl an Exemplaren eines Monstertyps zu besiegen.

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    Einer der verschiedenen Gegner, die auf der Karte auftauchen können.

    Rundenkämpfe

    Derzeit anzutreffen ist rund ein Dutzend unterschiedlicher Gegner. Sie reichen von kleinen, wenig wehrhaften Elfen über Ghule und Steindämonen bis hin zu robusten Baummonstern (Treants) und Trollen. Ebenso wie bei den Trankzutaten scheint deren Erscheinen auf der Karte keiner besonderen Logik zu folgen. Stattdessen scheint es mehrere Sets festgelegter Spawnpoints zu geben, die abgewechselt und nach dem Zufallsprinzip befüllt werden.

    Kämpfe, sowohl gegen computergesteuerte Monster, als auch gegen menschliche Duellanten, laufen im Rundenprinzip ab. Zehn Sekunden hat man Zeit, die eigene Aktionsleiste über das Zeichnen von Glyphen ("Ingress"-Spieler dürften hier ein Déjà-vu erleben) mit Zaubern aus dem eigenen Arsenal zu füllen. Jeder Spruch belegt dabei einen oder mehrere von derzeit maximal fünf Slots, die zur Verfügung stehen. Diese werden anschließend abwechselnd abgearbeitet.

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    Das Zauber-Inventar.

    Aufrüstmöglichkeiten

    Es gibt insgesamt sechs Kategorien von Zaubern, die dem klassischen Schema entsprechen. Offensive und defensive Sprüche wirken bzw. verhindern Schaden, dazu gibt es Angriffe, die mit jedem Einsatz stärker werden oder auch Flüche, die über mehrere Runden hinweg wirken. Geplant ist auch die Möglichkeit, sich mittels Beschwörungen Monster an die eigene Seite holen zu können.

    Neues Arsenal erhält man über Quests oder durch den Einkauf mit virtuellem Gold im Shop. Dieses verdient man wiederum ebenfalls durch Aufträge, erhält es als Beute beim Besiegen von Monstern oder kann es in Zukunft – dies ist als Geschäftsmodell für "Maguss" vorgesehen – per Ingame-Transaktion zukaufen. Aufwerten lassen sich Sprüche derzeit noch nicht. Im virtuellen Laden lassen sich auch Tränke für Lebensenergie und verschiedene, temporäre Boni erstehen – etwa ein Steigerung der bei Kämpfen gewonnenen Erfahrung für zehn Minuten.

    Auch Duelle gegen andere Zauberer machen Spaß, auch wenn in Wien kaum Gegner zu finden sind. Es zeigt sich allerdings, dass "Maguss" dringend mehr Zaubersprüche und Verbesserungen beim Balancing braucht. Mit defensiver Spielart lassen sich die Auseinandersetzungen momentan praktisch unendlich in die Länge ziehen. Das Spiel vermittelt nur Gegner in der Umgebung und von ähnlichem Level.

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    Der kKampfbildschirm.

    Vieles fehlt noch

    Wenngleich sich schon einiges unternehmen lässt, merkt man dem Game noch deutlich an, dass es sich um eine frühe Version handelt. So fehlt etwa das Bestiarium, in dem künftig mehr über die Monster nachzulesen sein soll, noch komplett. Das Inventar funktioniert ausschließlich für gekaufte Gegenstände. Selbstgebraute Tränke bringen zwar Erfahrungspunkte, tauchen aber nicht im virtuellen Rucksack auf. Dazu ist es nach vier Quests nicht mehr möglich, neue Aufgaben anzunehmen.

    Eine Verwaltung des Spielerprofils ist erst in Arbeit. Verlorene Passwörter müssen noch manuell von den Entwicklern zurückgesetzt werden. Einstellungen wie "Musik an/aus" merkt sich die App nicht bis zum nächsten Spielstart.

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    Ein weiterer Gegner aus der mythischen "Maguss"-Welt.

    Auch das Aufladen von Lebenspunkten durch Spazierengehen klappt nicht. Dazu ist das Spiel recht gut beim Erfassen mancher Glyphen, während andere Formen – obwohl simpel gestaltet – kaum erfolgreich zu zeichnen sind. Der größte Bug führt derzeit dazu, dass während eines Kampfes die Erkennung von Zaubern des Spielers komplett versagt. Das wiederum mündet in eine Niederlage und empfindlichen Verlust von Lebenspunkten.

    Die Fehler bei der Zaubererkennung sind bekannt, für den in der Entwicklungsumgebung nicht reproduzierbaren Komplettausfall suchen die Entwickler nach wie vor nach der Ursache. Es werde regelmäßig daran gearbeitet, teilt man dem GameStandard mit, allerdings treibe man trotzdem die Implementation neuer Funktionen voran, da man sich von diesem einen Fehler nicht aufhalten lassen wolle.

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    Die Skill-Übersicht.

    Vielversprechende Baustelle

    Aktuell werkt man an grundlegenden Änderungen für Kernmechaniken wie der Erstellung von Zaubertränken. Anschließend sollen Skillsystem und Zauber überarbeitet und Ranglisten eingepflegt werden.

    Aktuell ist "Maguss" also noch eine Baustelle mit einem spielbaren Grundgerüst. Dieses lässt allerdings auf mehr hoffen. Dass das Konzept durchaus Spaß macht, beweist das Game bereits jetzt. Für regelmäßige Beschäftigung fehlt es freilich noch an fortgeschrittenen Features und Inhalten. Fantasy-Freunde, die einem Augmented-Reality-Abenteuer nicht abgeneigt sind, haben Grund zur Vorfreude. (Georg Pichler, 1.02.2017)

    maguss wand
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