Forscher: Junge würden von Erbschaftssteuer profitieren

25. Jänner 2017, 14:50
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Ungleichheitsforscher Milanovic hielte auch zusätzliche oder höhere Steuern bei Topverdienern für vertretbar

Wien – Weltweit betrachtet geht die Einkommensungleichheit zurück. Der große Vorsprung, den sich Industriestaaten ab Mitte des 19. Jahrhunderts erarbeitet haben, geht dabei verloren, weil China, Indien und andere Staaten aufholen. Innerhalb der einzelnen Staaten steigt die Ungleichheit aber sowohl im Westen als auch in den Schwellenländern, sagte der Wirtschaftsforscher Branko Milanovic in Wien.

Die globale Angleichung der Einkommen dürfte weitergehen, vor allem falls Afrika aufholt, erwartet Milanovic, der an der City University of New York lehrt. Der Abstand zwischen Reichen und Armen innerhalb der einzelnen Staaten wachse aber noch. Dafür gebe es drei Auslöser: die Globalisierung, bei der vor allem Unterschichten Verlierer sind, die Technologisierung, die ebenfalls derzeit vor allem weniger qualifizierte Jobs vernichtet, und nationale Wirtschaftspolitik.

Mehr Chancengleichheit

Als Maßnahme gegen die Ungleichheit innerhalb der meisten westlichen Industriestaaten wäre eine Erbschaftssteuer ein gutes Mittel, sagt Milanovic, der sich mit seinen Arbeiten zur Einkommensverteilung international einen Namen gemacht hat. Erbschaftssteuern seien wichtig, um die Chancengleichheit zu erhöhen.

Vor allem die nächste Generation würde profitieren, sagt Milanovic. Denn man könne ältere Menschen kaum mehr umschulen, um sie auf neue Herausforderungen und Technologien vorzubereiten. Aber man müsse darauf achten, dass die Armut nicht an die Kinder weitergegeben werde. Auch zusätzliche oder höhere Steuern bei den Spitzenverdienern, insbesondere mehr Kapital- oder Vermögenssteuern, hält Milanovic für vertretbar. Allerdings würde eine reine Steuererhöhung ohne weitere Begleitmaßnahmen kaum zum gewünschten Ergebnis führen.

Milanovic erinnert daran, dass im US-Wahlkampf 1981 Ronald Reagan mit dem Slogan angetreten sei, die Steuern auf Kapital auf das Niveau der Lohnsteuern zu senken. Heute liegen die Kapitalsteuern (12–15 Prozent) in den USA bei einem Drittel der Lohnsteuer-Spitzensätze (39 Prozent).

Wirtschaftliche Folgen

Ungleichheit habe aber nicht nur sozial negative Effekte, sondern auch wirtschaftlich. Das allgemeine Wachstum werde gebremst, die Durchlässigkeit im Bildungssystem sinke, die Chance auf sozialen Aufstieg gehe zurück. Die Wohlhabenden bauen sich private Versorgungsstrukturen auf und verlieren das Interesse an einer gemeinsamen Vorsorge für alle.

Protektionismus, wie ihn der neue US-Präsident Donald Trump ankündigt, als Ausweg, um im eigenen Land für einen Aufschwung der Mittelklasse zu sorgen, hält Milanovic nicht für zielführend. Eine ganz spezifische Maßnahme könne einer spezifischen Gruppe helfen – würde Österreich den Import von Sesseln verbieten, würde das den Sesselherstellern im Land vermutlich helfen, so Milanovic. Aber er bezweifelt, dass das ein sinnvolles wirtschaftspolitisches Ziel wäre. Konsumenten, andere Branchen und die Volkswirtschaft insgesamt würden nicht profitieren. Und man könne nicht einmal garantieren, dass die Sesselhersteller langfristig gewinnen würden.

Insgesamt bescheinigt Milanovic Trump eine "chaotische" Politik. Auch als Präsident der USA könne er nicht ohne weiteres die weltweite Wirtschaftsregulierung durch WTO, Weltbank und Bank für Zahlungsausgleich außer Kraft setzen. Das werde auch Trump noch feststellen. Auch Maßnahmen gegen China würden wie ein Bumerang auf die USA zurückfallen, unter anderem weil viele aus China importierte Güter von US-Firmen dort produziert werden, die Gewinne fließen derzeit an US-Firmen. (APA, 25.1.2017)

  • Die Erbschaftssteuer hat einige Freunde und viele Feinde.
    foto: apn/michael probst

    Die Erbschaftssteuer hat einige Freunde und viele Feinde.

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