Wie ein US-Nationalpark Trump Widerstand leistete

25. Jänner 2017, 15:29
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Der Twitter-Account des Badlands-Nationalparks wurde abtrünnig und veröffentlichte Fakten über den Klimawandel – die Trump-Regierung griff durch

foto: ap photo/bob stefko
Der Dienst des Badlands-Nationalparks in South Dakota wagte es, Fakten über den Klimawandel auf Twitter zu veröffentlichen.

Der Badlands-Nationalparks in South Dakota ist in den USA eigentlich für seine Naturschönheiten bekannt. Seit Dienstag ist der Dienst, der sich um das Naturschutzgebiet kümmert, aber für seinen Twitter-Account und den Widerstand gegen eine Direktive der neuen Regierung von Neo-US-Präsident Donald Trump bekannt.

In Trumps ersten Tagen als US-Staatsoberhaupt greift dessen Regierung gegen öffentliche Stellungnahmen und Social-Media-Aktivitäten zahlreicher US-Regierungsbehörden durch. Begonnen hat alles mit einem Retweet des National Park Service (NPS), der Bilder von der Angelobung Barack Obamas im Jahr 2009 mit Bildern von der Angelobung Donald Trumps verglich. Die Bilder zeigen deutlich, dass bei Obamas Amtseinführung mehr Menschen anwesend waren.

Social-Media-Bann

Dem National Park Service, der auch für die Mall vor dem US-Kapitol zuständig ist, ist es aber gesetzlich verboten, Schätzungen über Menschenmassen abzugeben. Kaum angelobt, nahm die Regierung Trump den Retweet zum Anlass zum Durchgreifen.

Diesen Tweet verbreitete der National Park Service ebenfalls in seiner Timeline. Er wurde inzwischen gelöscht.

Aus dem Innenministerium erging an alle Angestellten des NPS der Erlass, der diesen zunächst untersagte, die Twitter-Accounts der Dienste weiterzuverwenden. Der umstrittene Retweet verschwand plötzlich von der Seite.

Der Social-Media-Bann wurde zwar am nächsten Tag wieder aufgehoben, doch gab es in zahlreichen Regierungsbehörden ähnliche Einschränkungen der öffentlichen Kommunikation. Am Montag untersagte das Verkehrsministerium seinen Mitarbeitern zunächst, Pressemitteilungen auszuschicken, und ordnete an, die Social-Media-Aktivitäten einzustellen, bis neue Anweisungen der neuen Regierung vorlägen. Das Verkehrsministerium widerspricht Berichten, dass es sich dabei um ein Verbot handle. Mitarbeiter des Gesundheitsministeriums erhielten eine Mail, die sie dazu aufforderte, "externe Korrespondenz" einzustellen. Auch dabei soll es sich um eine Fehlinterpretation handeln, wie ein Vertreter des Ministeriums dem Online-Politikmagazin politico.com mitteilte.

Onlineseminare werden überprüft

Am stärksten scheint aber die Umweltbehörde EPA betroffen zu sein. Nicht nur wurde ihr das Verschicken jeglicher Pressemitteilung und und jegliche Social-Media-Aktivität untersagt, ihre Mitarbeiter sollen zukünftig bei öffentlichen Auftritten etwa auf Konferenzen auch einen Vertreter der Trump-Regierung vorab darüber informieren. Das Trump-Team will zudem geplante Onlineseminare überprüfen und entscheiden, welche davon künftig abgehalten werden dürfen, zitierte politico.com aus einem internen Memo. Trump hat im Wahlkampf abgestritten, dass es den menschengemachten Klimawandel gibt.

"Es ist eine Ironie, dass Trump seinen ganzen Wahlkampf auf Twitter und Social Media aufgebaut hat und es jetzt verhindert, dass die Mitarbeiter, die für ihn arbeiten, mit der Öffentlichkeit kommunizieren", sagte Liz Purchia, die ehemalige Pressechefin der EPA, zu politico.com.

Aufsässiger Twitter-Account

All diese Beschränkungen haben aber jemanden im Badlands-Nationalpark unerschrocken gelassen. Den ganzen Dienstag hindurch verschickte der Twitter-Account des Nationalparks Fakten über den Klimawandel:

"Die Menge an Kohlendioxid ist heute höher als zu irgendeinem Zeitpunkt in den vergangenen 650.000 Jahren #climate", war eine der zahlreichen Botschaften, die an diesem Tag zu lesen waren.

Nach einigen Stunden war es mit den Fakten auf dem Twitter-Account des Badlands-Nationalparks aber vorbei. In einer Stellungnahme wurde später mitgeteilt, die Tweets seien von einem "ehemaligen Mitarbeiter abgeschickt" worden, "der nicht berechtigt war, den Account zu benutzen". Die Tweets wurden gelöscht.

Statt bisher rund 7.000 hat der Nationalpark dafür inzwischen mehr als 160.000 Follower auf Twitter. (stb, 25.1.2017)

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