Warum das Sparbuch sinnvoll sein kann, auch wenn's ins Geld geht

28. Jänner 2017, 10:00
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Sparbücher kosten Kaufkraft. Trotzdem können sie für risikoscheue Anleger eine vernünftige Option sein

Wien – Wer sein Geld auf dem Sparbuch parkt, fährt Kaufkraftverluste ein. Dafür sorgen die extrem niedrigen Zinsen, die zurzeit nicht einmal die Inflation auffangen. Der perfekte Zeitpunkt, um sich nach anderen Anlageformen umzuschauen, die ein bisschen mehr Aussicht auf Rendite bringen – möchte man meinen.

Trotzdem bleiben viele Österreicher lieber bei ihrem Sparbuch. Und das kann sogar vernünftig sein, obwohl das Geld dort weniger wert wird, sagt Verhaltensökonom Bernd Ankenbrand von der Hochschule Würzburg-Schweinfurt.

Sicherheit, die kostet

Ankenbrand erforscht die Motive hinter Anlageentscheidungen. Die individuelle Wahrnehmung und Bewertung von Risiko spielt dabei eine wichtige Rolle, sagt er. Wenn die höchstmögliche Sicherheit für einen Sparer den größten Wert darstellt, wird er auch die Kosten dafür tragen. "Sparbuchfans sind bereit, für das Nullrisiko einiges auf den Tisch zu legen. Selbst, wenn das aus finanzieller Sicht weh tut."

Es gibt Investments, die nur wenig riskanter sind als das Sparbuch, aber sehr wahrscheinlich viel mehr abwerfen. Ob eine Anlage sinnvoll ist oder nicht, hängt aber nicht nur davon ab, mit welchem Risiko welche Rendite erzielt werden kann, sagt Ankenbrand. "Wenn sich jemand unwohl fühlt mit allem außer dem Sparbuch, dann sind die negativen Effekte anderer Investments viel stärker als der mögliche Gewinn." Dieser psychologische Mehrwert, den das Sparbuch für manche bringt, könne kaum gemessen werden. Er sei aber jedenfalls sehr wichtig für jene Anleger, die innere Ruhe und maximale Sicherheit suchen.

Frühe Erfahrungen prägen

Studien zeigen: Wie risikofreudig Menschen sind, hängt von ihrer Sozialisation ab. Jene, die in den prägenden Jahren als junge Erwachsene gute Erfahrungen mit riskanteren Anlagen gemacht haben, bleiben ihr Leben lang wagemutiger. Wer in dieser Phase mit Risiken Verluste eingefahren hat, wird vorsichtiger bleiben. (Philipp Bauer, 28.1.2017)

  • Wer in seinen jungen Jahren schlechte Erfahrungen mit riskanten Anlagen gemacht hat, wird später eher weniger riskieren und zum Sparbuch greifen – selbst, wenn er damit Kaufkraft verliert.
    foto: apa/barbara gindl

    Wer in seinen jungen Jahren schlechte Erfahrungen mit riskanten Anlagen gemacht hat, wird später eher weniger riskieren und zum Sparbuch greifen – selbst, wenn er damit Kaufkraft verliert.

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