Warum die Zahl der Autorückrufe auf Rekordhoch ist

26. Jänner 2017, 06:00
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2016 wurden dreieinhalbmal mehr Autos zurückgerufen als neu zugelassen – oft wegen Sicherheitsmängeln

Autobauer müssen immer öfter nachbessern. Nach einer neuen Studie des deutschen Center of Automotive Management (CAM) geht das Jahr 2016 in puncto Rückrufe nach 2014 als zweites Negativrekordjahr in die Automobilgeschichte ein. Alleine in den USA wurden mehr als 51,1 Millionen Autos wegen Sicherheitsproblemen zurückgerufen. Im Jahr davor lag die Zahl bei 45,8 Millionen. Innerhalb von drei Jahren wurden damit allein in den USA fast 160 Millionen Autos aufgrund sicherheitsrelevanter Mängel in die Werkstätten zurückgeholt.

Sicherheitsrelevante Mängel

Damit waren fast dreieinhalbmal mehr Fahrzeuge von Rückrufen betroffen, als neu zugelassen wurden, die Rückrufquote erreichte 291 Prozent. 2015 lag sie noch bei 262 Prozent. 68 Prozent der Rückrufe (34,8 Millionen) entfallen auf fehlerhafte Airbags. Studienleiter Stefan Bratzel warnt: "Wenn 14 von 16 Herstellern wegen sicherheitstechnischer Mängel mehr Fahrzeuge zurückrufen müssen, als sie im gleichen Zeitraum verkauft haben, ist das ein bedenkliches Qualitätsniveau." Außerdem stellten sicherheitsrelevante Mängel meist nur die "Spitze des Eisbergs" dar.

grafik: auto-institut
Die Gründe für die Rückrufe sind vielfältig. Der große Brocken verdankt sich den Airbags. Zumindest als Stein des Anstoßes für Überprüfungen.

Mehr als 89 Prozent der sicherheitsrelevanten Mängel betreffen den Insassenschutz. Dafür verantwortlich waren nicht Takata-Airbags, so Bratzel. Sie führten aber zu einer Grundsatzüberprüfung der Insassenschutzeinrichtungen, die weitere Mängel offenbarte. Marken- und modellübergreifende Plattformstrategien, globale Produktionsnetzwerke und steigende globale Sensibilität verstärken das Problem. Und das nicht erst seit dem Vorjahr.

Die Rückrufquote lag bereits in acht der letzten zehn Jahre über 100 Prozent. "Manche Hersteller und Zulieferer betreiben zur kurzfristigen Gewinnmaximierung eher reaktive Qualitätsmanagementsysteme mit nachsorgender Mängelbeseitigung, teilweise unter billigender Inkaufnahme von Unfällen wie im Fall von Takata", moniert Bratzel.

Mazda an der Spitze

Mazda (641 Prozent), Mitsubishi (609 Prozent), Honda (498 Prozent), Fiat Chrysler (382 Prozent) und Nissan (478 Prozent) hatten 2016 die meisten Probleme. Wobei bei Honda 80 Prozent der Rückrufe auf fehlerhafte Takata-Airbags zurückzuführen waren. Der japanische Zulieferer spielt in einer eigenen Liga: Weltweit wurden mehr als 100 Millionen Autos zurückgerufen, um defekte Airbags zu tauschen.

Die Liste der Mängel, die Autobauer teuer kommen und Konsumenten lästige Werkstättenbesuche einbrocken, ist lang. Sie reicht von Motorhauben, die sich während der Fahrt öffnen, über Bremsschwierigkeiten und Defekte an der Karosserie bis zu fehlerhaft montierten Gurten.

grafik: auto-institut
Mazda hatten die größten Probleme. Rückrufe von Mazda betreffen zu je einem Drittel Karosserie- und Airbagdefekte. Ein defekter Wischermotor bei Mitsubishi führte zu einem Rückruf von über 194.000 Fahrzeugen. Das Airbagdesaster macht auch bei FCA knapp 70 Prozent der Rückrufe aus. Außerdem wurden über 800.000 Fahrzeuge mit Automatikgetriebe zurückgerufen, weil die Fahrer das Gefühl hatten, das Fahrzeug sei in der "Park"-Stellung, obwohl es sich in "Neutral" befand.

Betroffen sind auch die deutschen Autobauer. BMW muss über 950.000 Fahrzeuge, VW und Daimler je rund eine Million Autos nachbessern. Stark betroffen sind auch sie von Airbag-Problemen. In Rückrufquoten ausgedrückt rangiert VW mit 320 Prozent vor BMW mit 304 und Daimler mit 296 Prozent.

BMW musste außerdem Fahrzeuge mit Allradantrieb zurückrufen, weil die Vorderräder nicht angetrieben wurden. Bei Daimler konnten Probleme in der Elektronik den Motor während der Fahrt abschalten. VW musste eine leckende Benzinpumpe in seinem Golf austauschen und Elektronikmängel sowie ein fehlerhaftes Bremspedal beheben. (rebu, 26.1.2017)

  • Autobauer müssen bei immer mehr Modellen nachbessern.
    foto: apadpa/andreas gebert

    Autobauer müssen bei immer mehr Modellen nachbessern.

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