Wien will Touristen vom Stephansplatz weglotsen

25. Jänner 2017, 13:33
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2016 war ein Rekordjahr in Wien. In Zukunft sollen Gästeströme zum Wohl der Bevölkerung stärker entzerrt werden

Wien – Wiens Anziehungskraft für Touristen aus aller Welt ist ungebrochen. Im Vorjahr wurde mit knapp 15 Millionen Nächtigungen (plus 4,4 Prozent) und 6,9 Millionen Ankünften (plus 4,5 Prozent) eine vorläufige touristische Höchstmarke erreicht. Weil man bis zum Jahr 2020 aber 18 Millionen Nächtigungen und auch deutlich mehr Ankünfte anpeilt, will man nun Maßnahmen setzen, dass sich nicht alles rund um den Stephansplatz im Herzen der Stadt staut.

Es gehe um eine nachhaltige Tourismusentwicklung, und das sei nur im Zusammenwirken mit der Bevölkerung möglich, sagte der Chef des Wien-Tourismus, Norbert Kettner, bei der Präsentation der Jahreszahlen am Mittwoch. Deshalb müsse man darauf achten, dass ein Mehr an Touristen insbesondere für die im ersten Bezirk ansässige Bevölkerung verträglich bleibe. Es gehe um eine Entzerrung der Touristenströme, indem auch bei der Bewerbung Wiens verstärkt auf Attraktionen in Bezirken außerhalb des Rings hingewiesen wird.

Bettenauslastung gestiegen

Gestiegen ist im Vorjahr auch die durchschnittliche Bettenauslastung in Wien, und zwar um zwei Prozentpunkte auf 58,3 Prozent. Ein Grund dafür ist, dass die Anzahl der Betten in der Stadthotellerie im Berichtsjahr erstmals seit längerem um 2,2 Prozent auf nunmehr 62.800 zurückgegangen ist. Das sei aber nur eine kurze Verschnaufpause, sagt Kettner, bis 2018 gehe man davon aus, dass sich die Zahl der Betten in Wiens Hotellerie um etwa vier Prozent auf mehr als 65.000 erhöht.

Ein Wermutstropfen sei, dass die Netto-Nächtigungsumsätze im Vorjahr bestenfalls stagniert haben. Laut vorliegenden Zahlen von Jänner bis November haben sich die Netto-Nächtigungsumsätze um 0,3 Prozent auf 663,4 Millionen Euro verringert. Inklusive der Dezemberzahlen, die aber noch nicht vorliegen, gehe man aber davon aus, dass unterm Strich eine schwarze Null herausschaut, sagt Finanzstadtrat Renate Brauner, die auch Präsidentin des Wien-Tourismus ist. Ein Grund für die Stagnation beim Umsatz sei vermutlich, dass es vor allem bei ausgabefreudigen Gästen aus dem arabischen Raum, Russland und auch den USA im Vorjahr Nächtigungsrückgänge gab.

China erstmals unter Top Ten

Gestiegen sind hingegen Ankünfte und Nächtigungen von Gästen aus Deutschland, Österreich, Großbritannien (wegen neuer Flugverbindungen), Spanien, der Schweiz und Frankreich. China war bei den Nächtigungen sogar 15 Prozent im Plus und hat es erstmals unter die Top Ten geschafft. (Günther Strobl, 25. 1.2017)

  • Immer etwas los am Wiener Stephansplatz – meist tummeln sich hier sehr viel mehr Menschen als auf diesem Foto.
    foto: apa

    Immer etwas los am Wiener Stephansplatz – meist tummeln sich hier sehr viel mehr Menschen als auf diesem Foto.

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