Lauda über Ecclestone: "Der Mann ist ja nicht dumm"

Interview25. Jänner 2017, 08:28
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Bedauernd reagiert Niki Lauda auf die Entmachtung von Bernie Ecclestone. Er würdigt seinen langjährigen Weggefährten, aber auch dessen Nachfolger. Schnelle Änderungen erwartet Lauda nicht

STANDARD: Sie waren wie Bernie Ecclestone am Wochenende bei den Hahnenkammrennen in Kitzbühel. Sie beide waren oft zusammen zu sehen. Hat er da schon gewusst oder auch nur geahnt, dass er die darauffolgende Woche nicht mehr als Geschäftsführer der Formel 1 überstehen würde?

Lauda: Ich habe in Kitzbühel lange mit ihm geredet, er hat es nicht gewusst. Es ist ja leider ganz normal, dass nach einer Boardentscheidung wie dieser nicht zuerst der CEO, der Betroffene selbst, informiert wird.

STANDARD: Wie sehr trifft einen Mann wie Bernie Ecclestone, dem keine großen Sentimentalitäten nachgesagt werden, eine solche Entscheidung?

Lauda: Grundsätzlich trifft so etwas mit Sicherheit jeden. Wahrscheinlich würde es Sie ja auch treffen, wenn sich der Herr Bronner einmal etwas ganz Anderes überlegt. Bernie Ecclestone trifft es besonders, weil er unheimlich erfolgreich war in all den Jahren, weil er sein ganzes Herzblut für diese Sache gegeben hat und auch global gesehen Unglaubliches geleistet hat, um die Formel 1 in 40 Jahren auf ein Niveau zu bringen, das sonst niemand erreicht hätte. Eine Ära geht zu Ende.

STANDARD: Man hat Ecclestone jetzt quasi zum Ehrenpräsidenten der Formel 1 gemacht, aber er hat gesagt, dass er damit nichts anfangen kann. Ist das typisch für ihn?

Lauda: Jeder Mensch hat nach so einer Nachricht einen Schock. Wenn man als CEO hinausfliegt, will man so einen Titel wirklich nicht. Aber wenn er in den kommenden Tagen ein bisschen nachdenkt, wird sich das wieder geben. Er kennt ja die Argumente für diesen Wechsel, und er akzeptiert sie auch sicher. Das ist ganz klar, der Mann ist ja nicht dumm.

STANDARD: Soll man versuchen, Bernie Ecclestone in irgendeiner Form weiter in der Formel 1 zu beschäftigen? Der neue Chef Chase Carey hat ja gesagt, dass Ecclestone wegen seiner Verdienste und seiner langjährigen Erfahrung wenn möglich an Bord gehalten werden soll.

Lauda: Die Frage ist, ob der Bernie eine Beraterrolle überhaupt übernehmen will. Das würden jedenfalls alle begrüßen, der Bernie hat ja alles, was dieses Geschäft betrifft, im Kopf. Aber er ist eben auch ein Fatalist.

STANDARD: War es für ihn nicht einfach an der Zeit abzutreten?

Lauda: Der neue Besitzer will die Formel 1 für seine Investitionen verändern. Und zwar in jede Richtung, da ist es ganz klar, dass auch neues Personal hergehört.

STANDARD: Sie kennen Bernie Ecclestone schon viele Jahre, er hat Sie immer geschätzt, auch als harten Verhandlungspartner. Ende des vergangenen Jahres haben Sie ihn aber wegen seiner Tendenz, das eigene Produkt, also die Formel 1, in der Öffentlichkeit schlechtzumachen, hart kritisiert. Hatte er am Ende seinen Zenit überschritten?

Lauda: Der Bernie hat Schwächen und Stärken gehabt, die kennt aber ohnehin ein jeder zur Genüge.

STANDARD: Liberty Media, der neue Mehrheitseigentümer, will jetzt die Formel 1 in vielen Bereichen modernisieren. Besteht die Gefahr, dass es gegen das Bestemm der Teams schwierig wird, schnell Veränderungen herbeizuführen?

Lauda: Es gibt überhaupt kein Bestemm. Wir haben das höchste Interesse an Verbesserungen in allen Bereichen und an einer guten Zusammenarbeit mit Liberty Media. Aber es stimmt schon, es gibt länger laufende Abmachungen mit den Teams, die Concorde- Agreements, es gibt bestehende Verträge zum Beispiel mit Veranstaltern, die erfüllt werden müssen. Man muss jetzt abwarten, was ausgearbeitet und vorgelegt wird.

STANDARD: Die neue Saison beginnt in etwas mehr als zwei Monaten, am 26. März in Australien. Sind da große Veränderungen überhaupt noch möglich?

Lauda: Das wird schwierig, man muss sehen, welche Vorschläge im Laufe der neuen Saison kommen und ob man davon gleich etwas umsetzen kann.

STANDARD: Haben Sie den neuen Chef, Chase Carey, schon näher kennengelernt?

Lauda: Ja, er macht einen sehr guten Eindruck. Er muss sich jetzt einmal einarbeiten, aber der neue CEO ist ein absolut kompetenter Mann.

STANDARD: So ähnlich wie Bernie Ecclestone?

Lauda: Sie werden keinen finden, der so ähnlich ist wie Bernie Ecclestone (Sigi Lützow, 25.1.2017)

Niki Lauda (67) aus Wien war dreimal Formel-1-Weltmeister. Niki Lauda ist seit 2012 der Aufsichtsratvorsitzende des Formel-1-Teams von Mercedes. Niki Lauda ist Niki Lauda.

  • Niki Lauda: "Sie werden keinen finden, der so ähnlich ist wie Bernie Ecclestone."
    foto: apa/neubauer

    Niki Lauda: "Sie werden keinen finden, der so ähnlich ist wie Bernie Ecclestone."

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