Sauna: Richtig schwitzen im Winter

    12. Februar 2017, 12:00
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    Saunieren ist gesund – besonders der Wechsel zwischen Heiß und Kalt tut gut. Anfänger sollten aber immer einen Plan B haben

    Trotz Minusgraden einmal so richtig schwitzen: Wer sich das wünscht, der ist aktuell wohl in einer Sauna am besten aufgehoben. Denn die Hitze tut nicht nur gut, sondern ihr werden auch zahlreiche positive Wirkungen zugeschrieben. Regelmäßiges Saunieren soll beispielsweise das Immunsystem stärken und sich positiv auf das Gemüt auswirken.

    Aber was passiert im Körper wirklich in der Sauna? Zuerst einmal das Offensichtliche: "Die Wärme trifft auf die Haut und erwärmt diese nach und nach auf bis zu 40 Grad", erklärt der Physiologe Andreas Rössler von der Med-Uni Graz. So wird nicht nur nach und nach die Haut, sondern auch das Blut aufgewärmt, das ins Gehirn strömt. "Dort wird die Temperaturerwärmung registriert", sagt Rössler. "Nun beginnt die Gegenreaktion des Körpers."

    Effizientes Schwitzen

    Das bedeutet: Nach wenigen Minuten in der Sauna beginnt der Körper zu schwitzen. Auch die Haut wird nun besser durchblutet. So versucht der Körper, mehr Wärme an die Umgebung abzugeben. Am Anfang sei das Schwitzen relativ effizient, meint Rössler. Denn die Luftfeuchtigkeit in der Sauna ist – zumindest vor dem Aufguss – gering, der Schweiß kann daher verdunsten und so die Haut kühlen. Aber nicht für lang: "Wenn die Umgebung wärmer ist als der Körper und die umgebende Luft mit Wasserdampf gesättigt ist, kann man keine Wärme mehr abgeben", erklärt Rössler. Der Schweiß verdunstet also nicht mehr, sondern rinnt einfach ab.

    Die Körperkerntemperatur erhitzt sich in der Sauna um bis zu zwei Grad. Damit kommt der Körper in einen fieberähnlichen Zustand, erklärt Rössler. Die Herzfrequenz kann auf das Doppelte steigen, auch die Atemfrequenz erhöht sich. Die Wärme entspannt Muskulatur, Gelenke und Sehnen.

    Dann ist der erste Saunagang vorbei. Beim Verlassen der Sauna rät Physiologe Rössler aber zur Vorsicht: Der Körper hat durch das Schwitzen mindestens einen halben Liter Wasser verloren, und das Blut ist noch immer an der Hautoberfläche – und nicht im Körperinneren. "Da herrscht Kreislaufkollapsgefahr", so Rössler. In der Sauna sollte man idealerweise liegen, sagt er, und sich kurz vor dem Ende des Saunagangs aufsetzen und dann langsam aufstehen.

    Harmloses Abkühlen

    Draußen sollten Saunierer dann zehn bis 15 Minuten auf- und abgehen. "Durch die Muskelbewegung wird das Blut besser umverteilt und der Blutdruck stabilisiert", sagt Rössler. Erst dann sollte kalt geduscht werden: "Das ist relativ harmlos, sofern man sich von den Füßen nach oben arbeitet." Denn die obere Körperregion reagiere weitaus stärker auf das kalte Wasser.

    Besonders Hartgesottene, die ins Saunabecken gehen, sollten es langsam angehen: "Durch die Kälte kommt es zu einer Gefäßverengung, was wiederum zu einer Erhöhung der Herzfrequenz führt. Gleichzeitig hat das Herz aber aufgrund von Wasserverlust und den erweiterten Gefäßen in der Peripherie zu wenig Blut." Besonders für ältere Menschen, die ohnehin schon weniger Blutvolumen haben, könne das gefährlich sein.

    Wissenschaftliche Belege zur Wunderwirkung der Sauna sind rar. "Irgendwann in den 1980er-Jahren hat man aufgehört, integrative Forschung zu fördern", sagt Rössler. Dass regelmäßiges Saunieren das Immunsystem stärkt, hält er aber für plausibel. Denn im Prinzip handle es sich um ähnliche Mechanismen wie bei Fieber: Bei höherer Körpertemperatur werden bestimmte Abwehrzellen aktiviert. Außerdem kommt es laut Rössler bei hohen Temperaturen zu einer vermehrten Ausschüttung des Schilddrüsenhormons T3, das aktivierend auf den Stoffwechsel wirkt.

    Gut fürs Gemüt

    Und die Wärme tut dem Gemüt gut, ist der Physiologe überzeugt: Nach der Sauna dominiert der Parasympathikus. Stresshormone wie Cortison und Noradrenalin werden laut Rössler nun für einige Stunden nicht gebildet. Daher fühlen sich viele nach der Sauna auch so entspannt.

    Mit einem anderen Mythos räumt Josef Niebauer, Primar des Universitätsinstituts für präventive und rehabilitative Sportmedizin in Salzburg, aber auf: Denn auch wenn sich das Gerücht hartnäckig hält – vom Saunieren nimmt niemand ab, zumindest nicht dauerhaft. Der Körper verliert durch das Schwitzen nur Wasser, die lästigen Fettpolster bleiben aber unangetastet. Der Grundumsatz an Kalorien sei zwar durch die erhöhten Temperaturen leicht erhöht, Wunder darf man sich davon aber nicht erwarten: 150 Kalorien werden bei drei Saunagängen verbrannt, schätzt Niebauer.

    Einig sind sich Experten über die positiven Wirkungen von Temperaturschwankungen: "Wir haben verlernt, mit starken Temperunterschieden umzugehen, weil wir immer in wohltemperiertem Umfeld sind. Gerade für Großstädter ist die Sauna daher empfehlenswert", sagt Rössler.

    Menschen mit Herz-Kreislauf-Problemen rät Niebauer, mit ihrem Arzt Rücksprache vor dem Saunabesuch zu halten. Grundsätzlich spreche aber auch bei ihnen nichts gegen moderates Saunieren. Gesunden Sauna-Anfängern empfiehlt der Sportmediziner, sich langsam an die Hitze zu gewöhnen: Vorher sollte viel Wasser getrunken werden. Beginner sollten sich außerdem einmal auf die unterste Ebene setzen, auf ihren Körper hören und einen "Plan B" haben – nämlich wissen, wo die Tür ins Freie ist. (Franziska Zoidl, 12.2.2017)

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