Gazprom glaubt fest an die Renaissance von Gas

25. Jänner 2017, 06:00
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Trotz Klimaerwärmung und Absichtserklärungen, die CO2-Emissionen zu verringern, sieht der weltgrößte Gasexporteur rosige Zukunft für den Rohstoff

Wien – 2014 und 2015 waren keine besonders guten Jahre für Gazprom, den Gasriesen aus Russland. Kohle feierte in Europa dank günstiger Konditionen ein ungeahntes Comeback. Russisches Gas war weniger gefragt, nicht zuletzt drückten die wegen der Krim-Invasion und des Krieges in der Ostukraine über Russland verhängten Sanktionen die Stimmung.

Das Blatt hat sich gewendet. Das zeigte sich am Dienstag bei einer internationalen Gaskonferenz in Wien. Gazprom-Vize und Chef von Gazprom Export, Alexander Medwedew, vor zwei Jahren bei derselben Konferenz noch hörbar verschnupft wegen der EU-Politik und voriges Jahr gar nicht dabei, verwies dieses Mal – gut gelaunt – auf Rekordzahlen im Verkauf.

Gasverkäufe gestiegen

Die von der Gazprom-Tochter Gazprom Export abgewickelten Gasverkäufe außerhalb Russlands seien 2016 um gut zehn Prozent auf knapp 180 Milliarden m3 gestiegen, der Löwenanteil nach Westeuropa. Weitere zehn Milliarden m3 habe das Unternehmen aus Lagerstätten in Zentralasien (u. a. Kasachstan) durch das Gazprom-eigene Pipelinesystem geschleust, in Summe gingen knapp 200 Milliarden m3 in den Westen.

Für Medwedew ist das nicht zuletzt "ein Beleg, dass russisches Gas wettbewerbsfähig ist". Die Klimadiskussion ficht ihn nicht an. Wenn die EU und andere Staaten die beim Weltklimagipfel vor mehr als einem Jahr in Paris getroffenen Vereinbarungen ernst nehmen und die Treibhausgasemissionen zurückfahren wollen, kommen sie an Erdgas nicht vorbei, meint nicht nur Medwedew.

Beim Verbrennen von Erdgas wird zwar auch Kohlendioxid (CO2) frei, das mit anderen Gasen hauptverantwortlich für den Treibhauseffekt ist; die Emissionen sind aber deutlich niedriger als beim Verbrennen von Öl und insbesondere von Kohle.

Kohleanteil sinkt

Zufrieden stellte Medwedew fest, dass der Anteil der Kohle an der Stromproduktion in Deutschland – "dem Pionier bei grünen Energien" – im Vorjahr gesunken und der von Gas wieder gestiegen sei. Gazprom habe 2016 um 25 Prozent mehr Gas nach Deutschland geliefert als im Jahr davor, nach Österreich um 36 Prozent mehr. Darin inkludiert sind aber auch große Mengen Gas, die durch Transitleitungen in andere Bestimmungsländer gehen, hieß es bei der OMV auf STANDARD-Anfrage. Der Konzern profitiert in jedem Fall: Beim Direktverkauf an Energieversorger sowieso, aber auch beim Durchleiten – in Form von Transitgebühren.

Transitgebühren kassieren auch Länder wie die Ukraine und Polen, wenn sie russisches Gas nach Westeuropa durchschleusen. Beide fürchten, bei einem Ausbau der Ostseepipeline Nord Stream und der Anschlussleitung Opal von Greifswald nach Tschechien umgangen zu werden. Polen hat gegen das Zugeständnis der EU-Kommission an Gazprom, die Opal-Röhre statt nur bis zur Hälfte bis zu 90 Prozent mit eigenem Gas zu befüllen, geklagt. Eine Entscheidung des EuGH und des Düsseldorfer Landgerichts, wo die Klagen eingegangen sind, wird noch vor März erwartet.

Das sei wichtig, sagte ein Gazprom-Sprecher: "Dann beginnen die Auktionen, und wir müssen wissen, wie wir dran sind." (Günther Strobl, 25.1.2017)

  • Über Transitleitungen durch die Ukraine gelangen noch immer große Mengen Erdgas von Russland nach Westeuropa. Russland forciert den Weg durch die Ostsee.
    foto: ap/sergei chuzavkov

    Über Transitleitungen durch die Ukraine gelangen noch immer große Mengen Erdgas von Russland nach Westeuropa. Russland forciert den Weg durch die Ostsee.

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