Serbien und Kosovo: Treffen in Brüssel wegen wachsender Spannungen

24. Jänner 2017, 16:23
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Treffen von Präsidenten und Premiers von Serbien und dem Kosovo – Vučić: Habe "Vertrauen in Prishtina verloren"

Belgrad/Prishtina/Brüssel – Am Dienstag kommen die Präsidenten und Premiers von Serbien und dem Kosovo, Tomislav Nikolic, Hashim Thaçi, Aleksandar Vučić und Isa Mustafa, in Brüssel zusammen. Das Treffen wurde von der EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini einberufen, nachdem sich die Spannungen zwischen den Nachbarstaaten massiv verschärft hatten.

Vučić sagte, dass es schwierig sei, den Dialog wieder aufzunehmen, weil er das Vertrauen in Prishtina verloren habe. Solche Töne sind auch im Kontext des Präsidentschaftswahlkampfs in Serbien zu betrachten. Thaçi sagte, das Beste wäre, wenn Serbien den Kosovo anerkennen würde. Die Provokationen aus Belgrad deuten eher auf das Gegenteil hin.

Zuspitzung

Im Dezember hatten Kosovo-Serben in Mitrovica eine Mauer auf jener Brücke, die den Norden mit dem Süden verbindet, errichtet. Am 4. Jänner war auf Grundlage eines serbischen Haftbefehls der kosovarische Expremier Ramush Haradinaj in Frankreich verhaftet worden. Die serbischen Interpol-Haftbefehle zu Kriegsverbrechen sollten seit einer Vereinbarung im Jahr 2009 gar nicht mehr vollzogen werden, nachdem ein britisches Gericht festgestellt hatte, dass sie politisch motiviert seien. Belgrad meinte nun, Haradinaj könne auch an das Sondergericht in Prishtina ausgeliefert werden. Serbien ist für diese Angelegenheit aber gar nicht zuständig.

Am 14. Jänner schickte Belgrad zudem einen Propagandazug, der mit dem Satz "Kosovo ist Serbien" beschriftet war, ins kosovarische Mitrovica. Der Zug war nicht in Prishtina angemeldet worden und hat keinen praktischen Nutzen, weil es seit Jahren eine Zugverbindung von Serbien in den Kosovo gibt und die meisten Leute mit dem Bus fahren. (Adelheid Wölfl, 24.1.2017)

  • Der Propagandazug wurde nicht in den Kosovo gelassen.
    foto: apa/afp / oliver bunic

    Der Propagandazug wurde nicht in den Kosovo gelassen.

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