Fusionskarussell der Pharmabranche drehte sich 2016 schnell

24. Jänner 2017, 16:32
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Ein Drittel entfiel auf Übernahme von Monsanto durch Bayer

Wien – Fressen oder selbst gefressen werden. Das scheint in der Pharmabranche das bestimmende Motto zu sein. Allein im Vorjahr sind nach einer Erhebung der Wirtschaftsprüfungskanzlei Ernst & Young (EY) bei Pharmatransaktionen 201 Milliarden Dollar (187 Mrd. Euro) geflossen, nur knapp weniger als 2014 (218 Mrd. Dollar), aber um 14 Prozent mehr als 2015 (177 Mrd. Dollar).

Der mit Abstand größte Deal war der Kauf des US-Saatgutherstellers Monsanto durch den deutschen Chemiekonzern Bayer für rund 64 Milliarden Dollar (siehe Grafik). Dahinter folgen die Übernahme des Medizintechnikproduzenten St. Jude Medical durch Abbott Laboratories für rund 30 Milliarden Dollar und der Kauf des US-Krebsspezialisten Medivation durch den Pharmariesen Pfizer für rund 14 Milliarden Dollar.

Höheres Volumen

Die Analysten von Ernst & Young gehen davon aus, dass das globale Transaktionsvolumen in der Pharmabranche im laufenden Jahr noch um einiges höher ausfallen wird als 2016. Als Hauptgrund für das anhaltende Fusionsfieber werden die mageren Umsatzaussichten in der Branche genannt. Es sei damit zu rechnen, dass die Krankenkassen die Kostenbremse nicht lockern werden, bei älteren Medikamenten weiter keine Preiserhöhungen zulassen und auch die Wachstumsaussichten bei neu entwickelten Medikamenten bremsen.

Eine Möglichkeit, in einem nur leicht wachsenden Markt ambitionierte Wachstumsziele zu erreichen und neue Wirkstoffe ins Portfolio aufzunehmen, seien Zukäufe. Entsprechend werde der M&A-Markt (Mergers & Acquisitions als Sammelbegriff für alle Unternehmenstransaktionen) weiter boomen, ist man sich bei EY sicher.

Stark gestiegen sind 2016 die Zukäufe der Big-Pharma-Konzerne, und zwar um 152 Prozent auf 142 Mrd. Dollar). Weniger aktiv waren die unter "Big-Biotech" zusammengefassten Topbiotechkonzerne; sie gaben nur noch knapp vier Milliarden Dollar für Zukäufe aus – nach 21 Milliarden Dollar im Jahr davor. Mit 42 Milliarden Dollar lagen auch die M&A-Ausgaben der Spezialpharmafirmen unter dem Niveau des Jahres 2015 (50 Mrd. Dollar).

Branchenweit um 20 Prozent geschrumpft ist hingegen die Finanzkraft der Unternehmen. Dafür verantwortlich seien die gesunkenen Aktienkurse sowie Fremdkapitalaufnahmen zur Finanzierung der M&A-Ausgaben der vergangenen Jahre. (stro, 24.1.2017)

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