Mautregelung in Europa bleibt uneinheitlich

25. Jänner 2017, 13:04
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Ungarn weitet Vignettenpflicht aus, Tschechien reduziert mautpflichtige Strecken

Wien – Wer mit dem Auto durch Europa reist, muss sich auf eine Reihe von unterschiedlichen Maut-Regelungen einstellen, bei denen es auch immer wieder Änderungen gibt. So wurde am 1. Jänner 2017 in Ungarn die Vignettenpflicht ausgeweitet. "Nun ist die komplette Autobahn M86 mautpflichtig, auch die bisher vignettenfreie, nahe der österreichischen Grenze gelegene Strecke Szombathely – Répcelak", sagt ÖAMTC-Touristikerin Kristina Tauer.

In Tschechien braucht man hingegen seit Anfang 2017 auf einigen Autobahnstrecken keine Vignette mehr. "Das betrifft vor allem Umfahrungen größerer Städte", erklärt die ÖAMTC-Expertin. "Diese Maßnahme soll die Ortsdurchfahrten weiter entlasten."

In Deutschland ist die Einführung einer Mautpflicht für Pkw geplant. Derzeit müssen Reisende dort jedoch noch keine Mautgebühr bezahlen.

E-Vignette, streckenbezogene Maut & Co

Nicht alle Länder heben die Straßenbenützungsgebühr auf dieselbe Art ein, Unterschiede gibt es auch in der Gültigkeit.

* Vignette: Eine klassische Vignette zum Aufkleben ist in Österreich, Slowenien und der Schweiz für Pkw und Motorräder Pflicht. "In Tschechien und Bulgarien gilt die Vignettenpflicht nur für Pkw, Motorräder sind ausgenommen", sagt die ÖAMTC-Touristikerin.

* E-Vignette: Ein elektronisches Vignettensystem gibt es in Ungarn, Rumänien und in der Slowakei. Hier wird beim Kauf das Kennzeichen in einer Datenbank gespeichert. Die Kontrolle erfolgt elektronisch über einen Kennzeichenabgleich. "Beim Aufnehmen des Fahrzeugkennzeichens an der Verkaufsstelle passieren gerade in Ungarn jedoch immer wieder Fehler", warnt Tauer. "Um eine Strafverfügung zu vermeiden, sollte daher unbedingt die Richtigkeit der Daten überprüft werden, bevor man den Beleg unterschreibt." Sobald man signiert hat, fallen für jede Änderung Gebühren an. Der Beleg sollte übrigens nach Ablauf der Gültigkeit noch zwei Jahre aufbewahrt werden, falls es nachträglich noch eine Beanstandung geben sollte.

* Gültigkeit: Die Wochenvignette gilt in Slowenien, Bulgarien und Rumänien für genau sieben Tage, in Tschechien und der Slowakei hingegen an zehn aufeinander folgenden Tagen. "Wer also z. B. von Samstag bis Samstag nach Slowenien reist, muss bereits zwei 7-Tages-Vignetten zu je 15 Euro, alternativ eine Monatsvignette für 30 Euro, kaufen", hält Tauer fest. Die Schweizer Autobahnvignette gibt es generell nur für eine Gültigkeitsdauer von 14 Monaten, eine Kurzzeit-Vignette gibt es nicht. "Generell sollte man die Rechnung für die Vignette im Ausland während der Reise unbedingt mit sich führen. Teilweise wird das auch von der Polizei kontrolliert", rät die ÖAMTC-Touristikerin.

* Streckenbezogene Maut: Die zurückgelegte Strecke auf den jeweiligen Straßen ist die Grundlage für die Berechnung der Straßenbenutzungsgebühr in vielen europäischen Ländern – darunter Frankreich, Griechenland, Italien, Kroatien, Polen, Portugal, Serbien, Spanien und Türkei. "Für die Bezahlung sind fixe Mautstellen eingerichtet, die häufig Kredit- und Bankomatkarten akzeptieren", weiß die ÖAMTC-Expertin. "Dennoch lohnt es sich, ausreichend Kleingeld in der jeweiligen Landeswährung dabei zu haben, falls die Kartenzahlung nicht möglich ist."

* City-Maut: Einige Innenstädte, beispielsweise London, heben Gebühren für die Einfahrt mit dem Auto ein. Hier ist meist keine direkte Zahlung in bar oder mit Kreditkarte möglich. Stattdessen ist eine vorherige Registrierung im Internet, per SMS, Telefon oder Post (mittels Formular) notwendig. (red, 24.1.2017)

Service

Es gibt auch für Ausländer die Möglichkeit, die Maut in den jeweiligen Ländern, die eine Streckenmaut einheben, per Mautbox zu bezahlen (z.B. Telepass für Italien, Liber-t für Frankreich). Damit können Autofahrer die Mautstationen ohne Bezahlstopp passieren und in der Regel auf eigens reservierten Spuren am Rückstau vorbeifahren.

Ausländer können die Mautboxen für Italien, Frankreich, Spanien, Portugal, Norwegen, Schweden und Dänemark auf www.tolltickets.com bestellen. Es genügt eine Online-Registrierung. Sollte der Postweg zu lange dauern, gibt es die Möglichkeit, die Geräte an sogenannten Pickup-Stationen abzuholen. Eine davon befindet sich in Österreich (Südrast in Arnoldstein, kurz vor der italienischen Grenze).

In Italien hat die Mautbox Telepass noch einen weiteren Vorteil auf der Autostrada 36 (auch Pedemontana genannt) im Großraum Mailand. Diese Autobahn hat seit einigen Monaten ein neues, vollständig automatisiertes Mautsystem mit dem Namen Free Flow. Durch Sensoren werden die Kennzeichen durchfahrender Fahrzeuge erfasst. Allerdings müssen sich Reisende selbstständig um die Begleichung der Maut kümmern, andernfalls drohen hohe Bußgelder. Mit dem Telepass werden auch diese Straßengebühren automatisch mit abgerechnet, so dass es keines zusätzlichen Aufwandes bedarf.

  • Ein Überblick über die Straßengebühren in Europa
    foto: öamtc

    Ein Überblick über die Straßengebühren in Europa

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