Frauen gründen häufiger – klassische Rollenbilder aber unverändert

24. Jänner 2017, 14:50
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Im Vorjahr gab es 29.074 Neugründungen, 44 Prozent davon entfielen auf Frauen

Wien –Vor 20 Jahren waren Firmengründerinnen eher noch die Ausnahme. Gerade einmal 27 Prozent der neuen Firmen wurden damals von Frauen gegründet. Im Vorjahr waren es schon 44 Prozent aller 29.074 Neugründungen, wie die Vorsitzende der Jungen Wirtschaft, Amelie Groß, und Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl am Dienstag erklärten. "Das Ziel ist 50:50", sagte Leitl.

Die Gruppe der "Personenbetreuer", also im Wesentlichen die Pflegerinnen, wird üblicherweise in diesen Statistiken separat gezählt. Nimmt man sie dazu, lag der Frauenanteil sogar schon bei 60,7 Prozent. Die Entwicklung aller Gründungen über die Jahre hinweg zeigt diese Grafik:

Nach Sparten ergibt sich folgende Verteilung:

Klassische Rollenbilder

Ähnlich wie bei den unselbstständig Beschäftigten lassen sich aber auch bei den Unternehmerinnen klassische Rollenbilder ablesen. Den prozentuell höchsten Frauenanteil bei den Neugründungen gab es bei "Mode und Bekleidungstechnik", "Fußpflege, Kosmetik und Masseure" sowie "Friseure" – mit jeweils über 80 Prozent.

foto: dpa-zentralbild/hendrik schmidt
In der Branche "Fußpfleger, Kosmetiker und Masseure" liegt der Frauenanteil bei 83,7 Prozent.

In absoluten Zahlen machten sich Frauen am häufigsten in der Gruppe der "persönlichen Dienstleister" selbstständig – darunter fallen Fitnesstrainerinnen, Tierbetreuerinnen oder auch Astrologinnen und Energetikerinnen. Die zweitmeisten Gründungen von Frauen gab es im Direktvertrieb – also Tupperwareverkäuferinnen und Ähnliches.

Den Vergleich aller Branchen mit einem Frauenanteil von über 50 Prozent bei den Neugründungen zeigt diese Grafik:

Runtergebrochen auf die großen Sparten ergibt sich folgende Verteilung zwischen Männern und Frauen:

Wunsch nach Flexibilität

Geschlechterunterschiede zeigen sich auch bei den Motiven für die Unternehmensgründung. Bei den Frauen nannten 72,5 Prozent als Hauptmotiv die flexiblere Zeit- und Lebensgestaltung, bei den Männern dominierte mit 72 Prozent der Wunsch, "mein eigener Chef" zu sein.

Zur Selbstständigkeit gedrängt fühlten sich nur zwei Prozent, sagt Elisabeth Zehetner, Bundesgeschäftsführerin des Gründerservice. Aus früheren Befragungen weiß man auch, dass für 78 Prozent der Ein-Personen-Unternehmen die Selbstständigkeit der Hauptberuf ist, für 22 Prozent ist sie ein Nebenjob.

Unterentwickelter Wunsch

Insgesamt sei in Österreich der Wunsch, selbstständig zu werden, aber noch immer "unterentwickelt", meint Leitl. Deshalb wird nun gemeinsam mit der Wirtschaftsuniversität Wien ein Gründerzentrum ins Leben gerufen.

Von der Regierung fordert man zusätzliche Förderungen. Für Start-ups gibt es bereits eine Entlastung bei den Lohnnebenkosten für die ersten drei Mitarbeiter. Selbiges hätte man gerne für alle anderen Gründer, erklärte Groß. Für Privatpersonen wird ein Beteiligungsfreibetrag von bis zu 100.000 Euro gefordert, und Leitl drängt auf eine neuerliche Änderung bei der GmbH light, für die grundsätzlich ein Kapital von nur 10.000 Euro reicht. Dass Firmengründer das Stammkapital später auf 35.000 Euro auffüllen müssen, sei ein "Unsinn", wie der Kammerpräsident formulierte. (go, 24.1.2017)

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