Opus Dei: Interims-Leiter Ocariz zum neuen Prälaten gewählt

24. Jänner 2017, 09:36
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72-Jährige folgt verstorbenem Echevarria

Rom – Die katholische Personalprälatur Opus Dei hat Interims-Leiter Fernando Ocariz zum neuen Prälaten gewählt. Die am Montag in Rom erfolgte Wahl wurde von Papst Franziskus bestätigt, teilte die Prälatur am Dienstag mit. Der 72-jährige Auxiliarvikar Ocariz wird damit der dritte Prälat der 1928 gegründeten Organisation.

Ocariz wurde 1944 in einer spanischen Familie in Paris geboren und wuchs in Madrid auf. Er studierte Physik und Theologie und wurde 1971 zum Priester geweiht. Er unterrichtete an der Opus-Dei-eigenen Päpstlichen Universität vom Heiligen Kreuz in Rom und gehört als theologischer Berater der vatikanischen Glaubenskongregation, der Kleruskongregation sowie dem Rat zur Förderung der Neuevangelisierung an.

Schönborn erfreut

Ab 1994 hatte er in der Leitung des Opus Dei das Amt des Generalvikars inne. 2014 übertrug ihm der damalige Prälat Javier Echevarria das Amt des Auxiliarvikars – eines besonderen Stellvertreters, den der Prälat berufen kann, wenn er meint, nicht alle seine Aufgaben selbst erledigen zu können. Ocariz war seit dem Tod Echevarrias im vergangenen Dezember der interimistische Leiter der Organisation. Er ist mit 72 Jahren zum Zeitpunkt seiner Wahl deutlich älter als seine Vorgänger.

Kardinal Christoph Schönborn zeigte sich in einer ersten Reaktion erfreut über die Wahl von Ocariz: "Ich kenne Fernando Ocariz persönlich aus unserer gemeinsamen Arbeit in der Glaubenskongregation und am Katechismus. Er ist ein klarer und differenzierter Denker, der sich für den Dialog einsetzt. Zugleich ist er ein Hirte, der die Einheit mit dem Papst und der Lehre fördert und sein ganzes Herz in die Pastoral legt. Ich schätze ihn für seine besonnene, freundliche und ausgeglichene Art", wurde der Erzbischof von Wien und Vorsitzende der Österreichischen Bischofskonferenz in einer Aussendung von Opus Dei Österreich zitiert.

"Vater"

Der bisherige Leiter Echevarria, der die Prälatur seit 1994 leitete, war im vergangenen Dezember 84-jährig gestorben. Der Prälat des Opus Dei, intern "Vater" genannt, wird auf Lebenszeit gewählt und üblicherweise auch zum Bischof geweiht.

Der Wahlkongress hatte am Montag stattgefunden. An dem Wahlprozess waren insgesamt 194 Personen beteiligt, darunter der St. Pöltner Bischof Klaus Küng. Zunächst hatte am Samstag die Leitung der weiblichen Abteilung des Opus Dei Namen geeigneter Kandidaten vorgelegt, dann kürten die Mitglieder des Kongresses den neuen Prälaten.

Das Opus Dei hat seit 1982 die kirchenrechtlich neue Rechtsform der Personalprälatur inne. Dadurch können ihm sowohl Priester als auch Laien, sowohl Männer als auch Frauen, Verheiratete wie Zölibatäre vollwertig angehören.

Nach seinem eigenen Selbstverständnis will das Opus Dei dazu beitragen, dass katholische Laien ihre Berufung als Christen entdecken und diese in Beruf, Familie und Alltag verwirklichen. Die Organisation hatte allerdings seit ihrer Gründung mit heftiger Kritik zu kämpfen, die von Häresie bis zu Sektenvorwürfen reichen. Auch die Bußpraktiken der zölibatären Mitglieder stoßen immer wieder auf Unverständnis. Die Päpste und viele Bischöfe – darunter der Wiener Kardinal Franz König – haben die Organisation allerdings sehr gefördert. Zuletzt wurde 2014 ihr erster Prälat Alvaro del Portillo (1914-1994) in Madrid seliggesprochen. (APA, 24.1.2017)

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